Doktor Maxwells spektakuläre Zeitrettung
(OT: No Time Like the Past.
(The Chronicles of St. Mary’s Book 5))
Von Jodi Taylor
Blanvalet 6313, 2022
496 Seiten, TB
Übersetzt von Marianne Schmidt
ISBN 978-3-7341-6313-5
Man kann irgendwie sagen, was man möchte, aber im St. Mary’s Institut für Historische Forschung, die an die Thirsk-Universität angeschlossen ist, wird es nie langweilig. Das sieht die Historikerin Madeleine „Max“ Maxwell ganz genauso. Abgesehen von den ständigen Missionen, die sie und ihre Kollegen mit den „Pods“ genannten Zeitmaschinen in der Vergangenheit absolvieren, ist auch das soziale Leben alles als beschaulich und ruhig.
Diesmal fällt ein übernatürliches Element in St. Mary’s ein, wie es scheint. Dr. Markham schreckt Max und seine Kolleginnen und Kollegen auf und behauptet, es spuke im Institut. Dummerweise kann nur er den Geist sehen, wie es aussieht – und die Situation ist immer dieselbe: irgendeine schattenhafte Gestalt stürzt am Fenster vorbei in die Tiefe und ist verschwunden.
Max, die Markham wirklich gut genug kennt, um zu wissen, wann er sich was einbildet und wann nicht, ist entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Und so reisen sie wenig später in das Jahr 1643 zurück, wo es einen Fall von spurlosem Verschwinden ebendort gab. Vielleicht liegt der Ursprung der Geistergeschichte ja dort. Aber was sie vorfinden, weicht doch auf krasse Weise von dem Erwarteten ab …
Danach steht ein „Erholungssprung“ an, den Max ausdrücklich als „langweilig“ einstuft: Was soll schon schief gehen beim Besuch des Kristallpalastes von London anno 1851? Tja, sehr vieles, denn unvermittelt kreuzt sie die Zeitlinie eines anderen Trupps von St. Mary’s. Und kommt um ein Haar ums Leben.
Okay, das war dann mal unschön. Also ziehen der Direktor Bairstow und sie die Konsequenzen daraus und halten Max aus der nächsten Mission heraus. Die soll ins Jahr 1666 führen, und zwar genau zum 3. September 1666, als die St. Paul’s Cathedral im großen Brand von London untergeht. Was zur Folge hat, dass alles, was darin ist, natürlich zerstört werden wird. Und wie sie inzwischen alle wissen (Bd. 1!), als sie Schriftrollen aus der Bibliothek von Alexandria retteten, ist dies die einzige Möglichkeit, Schätze der Vergangenheit zu retten und sie in der Gegenwart von Archäologen von Thirsk finden zu lassen.
Dummerweise kommt keiner der zwölf ausgesandten Wissenschaftler zurück.
Und Max darf eigentlich nicht rettend einschreiten, denn ihr alter Ego hat sich just zu genau diesem Zeitpunkt schon am 3. September 1666 aufgehalten, um die Dodos zu retten (Bd. 2) … und zwei Maxwells am gleichen Tag an verschiedenen Punkten des Raumzeit-Kontinuums … das ist keine gute Idee. Das Zeitfenster, das ihr für die Rettung ihrer Kollegen dann letztlich noch bleibt, ist tatsächlich nur eine Stunde lang. Und dann eine halbe, fünfzehn Minuten, zehn, fünf, zwei …
Und das alles, während Max eigentlich den Tag der offenen Tür von St. Mary’s zu organisieren hat. Ich schweige mal davon, was allein die 1666er-Mission für haarsträubende Konsequenzen nach sich zieht und wer im Anschluss aus welchen Gründen umkommt.
Tatsache ist, dass es hier mal wieder drunter und drüber geht in St. Mary’s. Und der Höhepunkt von allem ist dann bei der Rettungsmission in Florenz im Jahre 1497 erreicht, als der fanatische Mönch Savonarola Kunstwerke als „heidnisch“ verbrennen ließ.
Oder ist vielleicht doch der Höhepunkt erst bei Max´ Flucht zu den Thermopylen erreicht, während die Spartaner unter Leonidas und die Perser unter Xerxex mörderisch aufeinanderprallen …? Ich mag mich da nicht festlegen.
Für gute Laune ist durch den trockenen Humor der Autorin jedenfalls bestens gesorgt. Ich zitiere mal wieder ein paar prägnante Stellen:
„Der Haarlack war so leicht entflammbar, dass man nicht einmal unter einer Straßenlaterne entlangspazieren konnte, ohne als Beispiel für spontane menschliche Selbstentzündung für Schlagzeilen im nächsten Wissenschaftsmagazin zu sorgen.“
Oder: „Ich hob das Ende mit der Schnauze hoch. Glasaugen musterten mich und hielten mich, wie ich annahm, für unzulänglich. Das andere Ende war vermutlich noch unerfreulicher. Realismus wird einfach überschätzt.“
Oder: „Ich setzte mich hin, kramte mein Notizpad heraus, um Bereitschaft zu signalisieren, und war voller Erwartung. Und ich wartete. Und wartete. Irgendwo entstand eine neue Galaxie …“
Oder: „In unserem Fahrwasser werdet ihr wie Meeresschaum aussehen oder wie Abschaum, ich weiß nie genau, was der Unterschied ist.“
Oder: „Wir nahmen an Dr. Bairstows Briefing zum Tag der offenen Tür teil, bei dem er die letzten Einzelheiten und den Zeitplan durchsprechen wollte. Es schien eine Ewigkeit zu dauern. Die Landung in der Normandie war weitaus weniger kompliziert, nehme ich an.“
Oder: „Mehl, Eier und Wasser. Der ganze See würde ein einziger Klumpen Pizzateig werden.“
Oder: „In Krisenzeiten waren unsere Schwäne auf dem Weg in die Bibliothek, ihrem traditionellen Zufluchtsort bei jeder Art von Notfall. Da diese aber im Augenblick von Schülern und Eltern blockiert war, waren sie vielleicht losgezogen, um eine persönliche Beschwerde beim König vorzubringen.“
Gott, ich höre ja schon auf, Freunde … aber glaubt mir, die Liste notierter humoriger Stellen in diesem Buch ist noch sehr viel länger, das ist hier gewissermaßen nur so ein „Best Of“. Auch hier ist gute Laune programmiert, und wie!
Uneingeschränkte Leseempfehlung von mir!
© 2025 by Uwe Lammers
Braunschweig, den 14. April 2025