3.
„…und deshalb schlage ich vor, dass Sie nach Karan fliegen, und ich mit meinem Transporter zum Balguanschen Bergbauring. Beide Projekte sind kleine Städte, zugegeben, aber ob sie genug Ressourcen verkaufen können, dass es für alle Wookiees, geschweige denn für uns reicht, würde ich lieber nicht herausfinden“, sagte Riies. Ihm fehlte der oberste Knopf an seiner Uniform, also hatten er und seine Leute schon die Notfallreserve eingesammelt.
Ich dachte über sein Argument nach. Dann schüttelte ich den Kopf. „Sie fliegen nach Karan. Ich mache mich auf den Weg zum Bergbauring.“
„Aber Sir, wir …“
„Ich habe mehr Soldaten an Bord, Alhan. Falls was schief geht, können wir uns besser verteidigen“, erwiderte ich, auf einige der Soldaten anspielend, die wir mit evakuiert hatten. Tatsächlich hatte ich mit meinen eigenen Sturmtrupplern nun etwa fünfzig an Bord, alle in voller Rüstung und mit vollen Waffenmagazinen, während er nicht mal auf vierzig kam.
„Außerdem habe ich einhundert Leute weniger an Bord. Und wenn das Argument nicht reicht, mache ich gerne einen Befehl daraus.“
Riies sah mich zerknirscht an. „Sir, Sie müssen nicht immer die schwierigeren Sachen auf sich nehmen.“
„Alhan, es geht um ein läppisches Lichtjahr. Ich habe mich für den Balguanischen Ring entschieden, weil ich, hm, eine Vorahnung habe, dass ein Captain dort besser klarkommt als ein Lieutenant. Verstehen Sie?“
„Nein, Sir. Also gut. Wo und wann wollen wir uns wiedertreffen, wenn wir es vermeiden wollen, vom Imperator kontaktiert zu werden?“, gab er nach.
Ich überlegte kurz. „Hulbur?“
„Äääääh. Waaaan.“
„Wan. Wan ist gut. Lieutenant, wir treffen uns in achtundvierzig Stunden im Wan-System. Sollten wir einander nicht treffen und sind die achtundvierzig Stunden um, fliegt der Andere weiter nach Kashyyyk, natürlich auf Schleichwegen.“
„Verstehe, Sir. Einverstanden. Springen weiter nach Karan.“
Die Verbindung zur zweiten Fähre erlosch, und kurz darauf sprang das baugleiche Gefährt aus seiner Fahrt heraus durch die Lichtmauer zum kleinen Minenkonsortium.
„Böö?“, fragte Chaghuan, der gerade auf dem Sitz des Co-Piloten saß.
„Was? Nein, ich denke nur. Kurs auf den Balguanschen Bergbauring, Chaghuan“, erwiderte ich.
„Goääää Jedi?“, fragte Hulbur.
Ich schüttelte den Kopf. „Keine Einsagen der Macht und auch keine toten Jedis. Einfach nur so ein Gefühl.
„Gööörr.“
„Aber bisher sind wir mit meinem Gefühl ziemlich gut gefahren, oder?“, konterte ich die übellaunige Bemerkung des Wookiee.
„Zugegeben. Ich meine Goääär.“
Ich hielt verdutzt inne, und auch die anderen humanoiden Offiziere im Cockpit des Mannschaftstransporters wandten sich dem pelzigen Riesen zu.
„Was? Habt Ihr gedacht, wir Wookiees können keine verständliche Standard sprechen? Wir wollen halt nur nicht“, sagte Hulbur.
Ich verzog das Gesicht wie unter Schmerzen. „Es ist wohl eher, wie Ihr Basic Standard sprecht“, erwiderte ich. Es war wirklich kein angenehmes Geräusch, einen Wookiee Basic genauso zu sprechen zu hören, wie er Shryiiwook aussprach. Das Geräusch eines Laserschneiders auf einer Stahlstrebe war ein schöneres Erlebnis.
„Hrm“, machte der Wookiee.
Chaghuan auf dem Pilotensitz neben ihn sah aus, als wolle er gleich in Gelächter explodieren. Der andere Wookiee konterte das mit einem Seitenblick, der zumindest verhinderte, dass Chaghuan seiner Heiterkeit Ausdruck verlieh. Stattdessen räusperte er sich geräuschvoll und sagte: „Boräh gooo Balguan.“ Dann räusperte er sich erneut und tat, als wäre nichts gewesen. Und das schien Hulbur auch zu beruhigen. Er schniefte noch einmal verärgert und leitete dann auf meinen Befehl hin den Sprung durch die Lichtmauer ein.
Gut. Ich war nämlich kein Freund der Idee, selbst zu erleben, wie sich ein übervorteilter Wookiee benahm. Wirklich nicht.
***
Als wir aus dem Hyperraum zurückstürzten, war ich bereits auf dem Weg zum Cockpit, mit mir die Hoffnung tragend, dass alles, wirklich alles in Ordnung war.
„Und?“, fragte ich.
Heniss, der schon einige Zeit die Rüstung gegen eine überzählige Standarduniform getauscht hatte, der auf dem Sitz des Navigators saß, sah auf als ich eintrat. „Keine besonderen Vorkommnisse. Wir sind gut aus der Lichtmauer rausgekommen und versuchen gerade, Funkverkehr im System aufzufangen. Vom Balguanschen Bergbauring ist derzeit noch nichts zu hören, und … Moment mal.“ Er wandte sich den Ortungsgeräten zu. „Augenblick, Sir.“
„Murääh Pelta“, wandte Chaghuan ein.
„Wie, es ist ein Pelta im System?“, fragte ich erstaunt. Diese Fregatten, die noch aus Republikzeiten stammten, waren mittlerweile ein seltener Anblick, weil das Imperium sie nach und nach ebenfalls durch Sternenzerstörer und Kreuzer ersetzte. Außerdem waren viele im Klonkrieg zerstört worden. Oder sie waren verschollen. Das war nichts, was meine Vorahnung beschwichtigte.
„Ich bestätige den Pelta, Sir“, sagte Heniss. „Er hat am Raval-Refugium angedockt, der Hauptkuppel des Balguanschen Bergbaurings.“
Diese Information ließ eine meiner Augenbrauen die Stirn hochwandern. „Gibt es weitere Schiffe im System?“
„Von hier lässt sich nichts erfassen“, gestand Heniss. „Und das ist nicht gut.“
„Richtig. Zumindest ein paar Prospektoren oder Automatenschiffe sollten zu orten sein. Außer, sie verstecken sich in den Asteroiden.“
„Bugäh wo grrroo gooo.“
„Richtig, Chaghuan. Wer sich versteckt, hat einen Grund dazu. Heniss, wecken Sie Yaars und Streamrider. Chaghuan, verlass bitte das Cockpit.“
Der Wookiee brummte bestätigend, stellte aber eine Frage. „Hurr?“
„Ja, du darfst zuhören.“ Ich überprüfte meine Uniform, dann nahm ich auf dem Sitz des Co-Piloten Platz.
Heniss brauchte nur ein paar Sekunden, dann war der junge Shuttlepilot im Range eines Ensign und der altbewährte Lieutenant Yaars im Cockpit. Ich hatte derweil begonnen, meine Uniformjacke auszuziehen. „Entledigen Sie sich Ihrer Jacken, meine Herren. Und keiner trägt mir eine imperiale Dienstmütze, geschweige denn Handschuhe. Streamrider, Sie übernehmen das Ruder.“
Der junge Nachwuchsoffizier schien seine Lektion gelernt zu haben. Er entledigte sich der Kleidungsstücke in Rekordzeit mit einem „Jawohl, Sir“ und nahm Platz. „Befehle?“
„Yaars, auf den Navigatorplatz. Heniss an den Funk. Fliegen Sie ganz normal weiter auf den Balguanschen Bergbauring zu, Streamrider. Wenn wir von dort kontaktiert werden, sind wir die KUHLA, ein ziviler Transporter, der fünfzig Farmerfamilien nach Gebbet IV transportieren soll. Haben das alle verstanden?“
„Nein, Sir. Die Worte schon, aber nicht den Sinn“, gestand Streamrider.
„Schauen Sie auf die Ortung. Sehen Sie den Pelta, der an der Hauptkuppel des Bergbaurings angedockt hat?“
„Ja, Sir“, sagte er zögerlich. „Und?“
„Und was sehen Sie noch? Weitere Ortungen im System?“
„Ein paar Jäger, ungewöhnliche Modelle. Fliegen wohl Außensicherung.“
Ja, das passte ins Bild. „Außensicherung warum?“
Der junge Pilot wurde blass, dann bleich. „Sie meinen …?“
„Es kann sein, es muss aber nicht sein. Auf jeden Fall ist eine Fregatte der Pelta-Klasse mit Jägerbegleitschutz hier draußen eher eine Seltenheit. Und dass es keinerlei Prospektorenbetrieb im System gibt, ist auch eine Seltenheit.“
„Außer, sie verstecken sich“, sagte der Ensign. Nun, er flüsterte es fast, und er war, wenn das ging, noch etwas blasser geworden. Ich hoffte wirklich, dass ich mich irrte.
„Wir werden kontaktiert“, sagte Heniss.
„Annehmen.“
„Hier sprich das Bergbaukonsortium Balguan von der Flugleitzentrale Raval. Identifizieren Sie sich, fremdes Schiff.“
Heniss atmete durch, dann sagte er: „Ziviler Personentransporter KUHLA mit Fracht für Gebbet IV. Wir sind avisiert.“ Kurz sah er zu mir herüber. Ich nickte. Ein guter Einfall.
Unser Gegenüber schickte keine Bildverbindung, also schalteten wir auch keine. „KUHLA, was haben Sie geladen?“
„Moment, ich verbinde mit dem Captain.“
Übergangslos flammte einer meiner Hilfsbildschirme auf, und nun gab es doch eine Videoverbindung. Mein Gegenüber war ein Humanoider, vermutlich Corellianer wie ich selbst. Wir waren hierzulande weit verbreitet. „Raval-Flugleitzentrale, hier Captain Hopps. Wir transportieren fünfzig Farmerfamilien und deren Ausrüstung für ein Kolonieprojekt auf Gebbet IV. Wir sind avisiert, um Wasser und weitere Trockenvorräte für die Siedler aufzunehmen.“
„Familien, sagen Sie? So mit Frauen und Kindern?“
Ich runzelte die Stirn. „Nein, es sind fünfhundert Männer mit Klon-Kapseln der Kaminoaner. NATÜRLICH mit Frauen und Kindern. Familien halt“, sagte ich ungehalten.
„Schon gut, schon gut, kein Grund, gleich an die Decke zu gehen. Sie haben Andockerlaubnis an Schleuse IV, der Großraumschleuse direkt am Habitat neben der Fregatte. Docken Sie mit dem Heck ein. Wir erwarten Sie in achtzig Minuten.“
Damit erlosch die Verbindung wieder.
Ich atmete einmal tief durch, ein und aus. Dann sah ich zum Ensign. „Schaffen Sie das, Streamrider?“
„Achtzig Minuten? Kein Problem.“ Er zischte etwas und fügte dann an: „An der größten Schleuse andocken, und das mit dem Heck. Damit wollen sie verhindern, dass wir uns in letzter Sekunde verbarrikadieren können. Oder wieder ablegen.“
„Richtig. Und das ist, was uns nun direkt in die Hände spielt“, erwiderte ich und klopfte dem Jüngeren auf die Schulter. Diese plötzliche Anerkennung ließ ihn aufsehen, aber nur für einen Moment. Dann widmete er sich mit Feuereifer wieder seiner Aufgabe.
„Chaghuan, mitgehört?“, fragte ich.
„Rääh.“
„Gut. Ich brauche alle Offiziere und Lademeister Krovn sowie eine Abordnung der Wookiees. Scheint so, als würde unser Wasser nun teurer werden als ein paar imperiale Kreditchips.“
***
Man sagte ja, die Corellianer brachten die widerwärtigsten Menschen hervor, welche die Galaxis kannte – und die wunderbarsten. Beidem konnte ich nicht widersprechen. Ich kannte Corellianer, die für einen Fremden wortwörtlich ihr letztes Hemd zu geben bereit waren, und dann auch welche, die einem nackten Mann in die Tasche zu fassen versuchten – nachdem sie ihn erschossen hatten. Dieser Corellianer, mit dem ich Funkkontakt gehabt hatte, schien eindeutig zur zweiten Gruppe zu gehören. Ein Gedanke, der mir die Hände verkrampfte.
„Blasterfeuer, Sir“, sagte Streamrider. „Auf der Station wird geschossen.“
„Gut, dann sind wir ja noch nicht zu spät. Wann docken wir ein?“
„Noch etwa dreißig Sekunden“, sagte der Ensign.
„Gut. Es geht los.“ Ich erhob mich, setzte die imperiale Offiziersmütze auf, zog meinen Blaster und überprüfte den Ladestand. Dann verließ ich das Cockpit und ging in Richtung Heck zur Laderampe. Ursprünglich hatte ich ganz vorne sein wollen, getreu dem Motto der imperialen Offiziere, dass in einem Kampf von vorne geführt wurde. Aber da war ich sowohl von meinen Leuten als auch von Chaghuans Artgenossen überstimmt worden. Ich sei zu wertvoll und musste von hinten kommandieren. Nun, ich hatte genug gelernt in den letzten Tagen, um weder mit einem Wookiee zu streiten, noch mit ein paar gluckenhaften imperialen Offizieren. Aber immerhin konnte ich am Angriff selbst teilnehmen.
„Zehn Sekunden!“, rief ich, als ich vorne angekommen war. Sofort wurde das Licht auf allen drei Ebenen abgeschaltet. Dann ging ein leichter metallischer Schlag durchs Schiff. Ich hatte Streamrider angewiesen, nicht zu gut anzudocken. Nicht, dass die Bande vom Pelta noch Vorahnungen bekam.
Dann ging ein richtiger Schlag durchs Schiff. Andockklammern. Das Geräusch wurde begleitet von mehrstimmigen Jubelrufen. „Bereitschaft“, sagte ich leise. Leises Raunen antwortete mir, und wer eine Waffe hatte, lud sie jetzt durch oder machte sie Abschussbereit.
Dann öffnete sich das Heck, die Rampe fuhr aus. Ein Rudel an Bewaffneten stürmte herauf in die Dunkelheit. „IHR SEID JETZT IN DER HAND DER VALON-BRUDERSCHAFT!“, rief einer von ihnen, ein Rattataki. Valon-Bruderschaft, das waren Piraten und Sklavenhändler. Ja, das passte.
„EUCH PASSIERT NICHTS, WENN IHR KOOPERIERT!“ Dabei lachte er, als würde er den eigenen Worten selbst nicht glauben. „ALLE MÄNNER SAMMELN SICH BACKBORD! DIE FRAUEN UND KINDER STEUERBORD! UND MACHT ENDLICH LICHT AN!“
Spätestens hier hätte der Sprecher, ein selbst für einen Rattataki bleicher Geselle, etwas ahnen können. So aber wurde seinem Wunsch entsprochen, und das erste Licht ging an. Es entriss vierzig Sturmtruppensoldaten in voller Rüstung mit Blastern im Anschlag der Finsternis. Dann ging das nächste Licht an, das etwa einhundert Wookiees enthüllte. Über die nächsten Lichter brauchten wir nicht weiter zu reden, denn der Rattataki erstarrte mitten im Gehen.
„Waffen fallenlassen“, befahl ich. Stattdessen schossen zwei oder drei der Typen ungezielte Schüsse ab, was die Sturmtruppen mit einer Salve beantworteten. Alle der zwanzig Piraten wurden von den Beinen gefegt. „HENISS, CHAGHUAN, VORGEHEN NACH PLAN!“, rief ich. „YAARS, HULBUR, MIR FOLGEN!“ Damit stürmten wir aus dem Transporter, an der Spitze von etwa einhundert kämpfenden Imperialen und achthundert kampfbereiten Wookiees, die sich gerade bei den zwanzig getöteten und verwundeten Raumpiraten an den Waffen bedient hatten. Mehr würden dazu kommen.
Heniss und Chaghuan würden nun mit der Hälfte der Leute zur nächsten Andockschleuse stürmen, an der die Pelta-Fregatte angedockt hatte und hoffentlich sehr, sehr überraschend zuschlagen. Bevor das Schiff abdockte und uns hoffnungslos überlegen wurde in den Bereichen Geschwindigkeit, Waffen und Manövrierfähigkeit. Die andere Hälfte würde Yaars, Hulbur und mir tiefer in die Station folgen, um sie von den Piraten zu räumen und jenen zur Hilfe zu eilen, die durch die Blasterschüsse anzeigten, dass sie noch lebten.
Heniss und Chaghuan hatten es relativ einfach. Sie stürmten durch einen Korridor, der das Habitat einmal umlief und dabei sämtliche Andockbuchten und Schleusen tangierte. Das machte Be-, und Entladungen natürlich einfach. Aber es machte alle Buchten für jedermann zugänglich, der Zugriff auf eine einzigeAnlegebucht hatte. Ein Riesennachteil bei der Verteidigung. Aber heute war es ein Vorteil für uns.
Wir liefen tiefer ins Habitat hinein, die Sturmtruppen vorneweg, da sie mit ihren Körperpanzern eine höhere Überlebenschancen als selbst die Wookiees hatten. Und es dauerte auch nicht lange, bis die ersten unter Yaars‘ Kommando erste Schüsse abgaben. Dafür hielten sie aber nicht an, und es dauerte auch nicht lange, bis noch mehr Wookiees bewaffnet waren und selbst erste Schüsse abgaben. Nun, ich bemerkte, dass zwei besonders kräftige Wookiees direkt neben mir liefen, obwohl sie mich zweifellos hätten zurücklassen können. Auch die Wookiees pamperten mich ein wenig zu viel. Dabei kannten sie nicht mal die Geschichte von mir und Lord Vader.
Wieder wurde gefeuert, diesmal stockte die vorderste Linie, die Männer und Frauen suchten Deckungen auf. Die Wookiees unterstützten sie oder suchten sich alternative Wege. Auch ich wurde in Deckung gezogen. Dabei blieben die gigantischen Pelzträger die Ruhe selbst. Vor allem die beiden, die an meiner Seite blieben.
„Sir, wir sind auf der Brücke“, meldete sich Heniss. „Chaghuan kämpft bereits im Maschinenraum. Die Fregatte gehört uns.“
„Wir sind noch nicht ganz soweit. Konsolidieren Sie sich und wehren Sie alle flüchtenden Piraten, die aufs Schiff zurückwollen, ab“, befahl ich.
„Ja, Sir. Pfui Coruscant, haben die hier einen Saustall eingerichtet.“
„Falls Piraten überlebt haben, können Sie die schon mal zum Putzen einteilen. Unter der Bewachung von Wookiees, natürlich.“
„Gute Idee, Sir.“
Ich beendete die Übertragung. „Yaars, was ist da vorne los?“
„Die Piraten belagern in einer Freikuppel eine Barrikade, und das selbst aus einer ziemlich guten Deckung, aus der sie uns auch beharken können, Sir. Sobald ich alle Schützen identifiziert habe, gebe ich Befehl zur … Was? Wie, ich soll noch warten? Hulbur?“
„HRRRÄÄÄÄÄÄÄ!“, erklang es aus dem Gang vor mir. Ich erhob mich, lief geduckt weiter nach vorne, meine Begleiter wie Schatten bei mir. Ich kam in eine Position, in der ich aus der Gangmündung sehen konnte. Tatsächlich eine große Kuppel, vermutlich der Hauptwohnraum. Von oben fielen mehrere Dutzend Wookiees auf die Barrikaden herab, in denen sich die Piraten eingerichtet hatten. Also deshalb hatten sie alternative Wege gesucht, Respekt. Und ja, Kashyyyk war ein Planet mit starker Bewaldung, Wookiees als deren natürliche Bewohner waren herausragende Kletterer und begnadete Ast zu Ast-Springer. Diese Fähigkeiten nutzten sie nun, um die Kuppel von innen zu erklimmen, und sich dann von oben auf die Piraten herab stürzen zu können. Und das mit einem Mut und einer Verachtung gegenüber Schmerzen, die mich wünschen ließ, ich könnte eine Kompanie Wookiees in mein Kommando aufnehmen.
„Der Weg ist frei! Weiter, weiter!“, rief Yaars von vorne. Wir stürmten voran, auf das nächste Nest der Piraten zu. Also meine Leute zumindest.
Ich ging auf die Barrikaden der Verteidiger zu. „Ist jemand verletzt?“, rief ich herüber.
„Sie sind nahe genug dran, Fremder!“, erklang eine weibliche Stimme, die einem Humanoiden gehörte. „Wer sind Sie, und was wollen Sie?“ Mit all den Wookiees, klang dabei mit, aber sie sprach es nicht aus.
„Captain Jaava Hus, Imperiale Flotte. Ich bin auf dem Weg, eintausend Wookiees zurück nach Kashyyyk zu bringen, als uns das Wasser ausging. Wir sind hier, um neues zu kaufen. Es gab da ein paar Probleme mit der internen imperialen Versorgung.“
Ein Frauenkopf erschien über der Barriere. Ein schöner Kopf mit einem hübschen weiblichen Gesicht und einer Kurzhaarfrisur mit bemerkenswerter violetter Haarfarbe. Und ein Blaster, der direkt auf mich zielte. „Entschuldigen Sie, wenn wir alle hier ein wenig nervös sind, Hus.“
„Verständlich. Wie haben die Valon-Piraten es gemacht? Einfach das Andocken erzwungen? Oder vorgetäuscht, jemand zu sein, den Sie kennen?“, fragte ich.
„Ich bin keine Hiesige und weiß nicht, ob hier öfter eine Pelta vorbeikommt“, erwiderte sie, den Blaster stur auf mich haltend. „Aber diese Burschen haben ganz nach alter Manier angegriffen, Geschützstellungen ausgeschaltet, gewaltsam angedockt und dann ihre Meute auf die Bewohner losgelassen. Als ich merkte, wo ich da rein geraten war, habe ich mein Bestes gegeben, auf der richtigen Seite der Blaster zu bleiben und mich hier mit Überlebenden eingeigelt.“ Sie deutete hinter mich. „Ihre Wookiees sind sehr effizient.“
„Danke, aber es sind nicht wirklich meine Wookiees. Ich bringe sie nur heim.“
„Dafür kämpfen sie verdammt gut“, sagte die Frau. „Ach, was soll’s, wenn drei Dutzend Wookiees uns angreifen wollen, können wir die Stellung eh nicht halten. Wozu also das Misstrauen?“ Sie steckte den Blaster fort und kletterte über die Barrikade. Ich nutzte die Gelegenheit, trat näher heran und reichte ihr eine Hand. Dass dabei immer noch Waffen auf mich gerichtet waren, spürte ich daran, wie sich meine Nackenhaare kräuselten.
„Danke“, ächzte sie, griff zu und kletterte die provisorische Barrikade herab. „Die Piraten haben einige der Hiesigen erwischt und verschleppt, in Nebengebäude, auf ihr Schiff. Einige der Männer haben sie erschossen, auch Unbewaffnete.“
„Das passt. Ich habe ihnen vor dem Docking erzählt, wir hätten fünfzig Siedlerfamilien an Bord, und als wir sie an Bord gelassen haben, forderten sie, dass Männer und Frauen und Kinder sich trennen“, sagte ich.
„Eine widerliche Bande.“
„Wir durchsuchen die Anlage nach Opfern“, versprach ich.
„Danke.“ Die junge Frau salutierte auf imperiale Art. „Lieutenant Tyra Cloudbreaker, Sandtruppen, Garnison Tatooine, in besonderer Mission“, stellte sie sich vor.
Ich musterte sie. „Eine Offiziersuniform ist das nicht“, stellte ich fest.
„Sie als imperiale Captain müssten doch wissen, dass man manche Mission eben nicht in voller Uniform absolviert. Oder wie in meinem Fall, nicht in voller Sturmtruppenrüstung.“
Ich pfiff anerkennend. „Die Sturmtruppenausbildung ist hart.“
„Ich weiß. Ich habe sie absolviert.“ Sie wandte sich halb nach hinten. „Was meinst du, Keela-Schatz?“
Etwas Blaues kam über die Barriere hervor, aus zwei Teilen. Nachdem dazu ein Gesicht erschien, wusste ich, womit, oder besser mit wem ich es zu tun hatte. Eine Twi’lek, und die blauen Dinger waren ihre Kopftentakel, ihre Lekku. Ein humanoides Volk ohne Kopfbehaarung, das aber wegen seiner zurückhaltenden Art und der Fähigkeit, hart zu arbeiten, nur zu gerne versklavt wurde. In dem Fall war es eine Twi’lek-Frau von beachtlicher Schönheit im mittleren Alter.
„Ich denke, du hast Recht. Gegen so viele Wookiees können wir nichts ausrichten. Und bisher haben sie auch nicht angegriffen, oder? Ich bin Keela Vornit, Stellvertretende Direktorin des Bergbaukonsortiums Balguan.“ Sie seufzte. „Oder vielmehr bin ich jetzt die Direktorin. Josk ist da hinten erschossen worden, nehme ich an. Plötzlich schien sie zu frieren, so stark zitterte sie. Jemand griff nach ihr und stützte sie. „Danke, geht schon.“ Sie erklomm die Barriere ebenfalls, und ich half auch ihr, herab zu kommen.
„Machen Sie sich um uns keine Sorgen. Wir räumen hier auf, nehmen die Piraten mit, kaufen ein wenig Wasser und Notrationen und sind dann wieder auf unserem Weg.“
Die Frau musterte mich einen sehr langen Moment. „Ich glaube, Rationen und Wasser haben wir gerade in ausreichender Fülle. Wir hatten mindestens zwanzig Tote.“ Sie schüttelte sich erneut ein wenig. „Vielleicht mehr.“
„Wir sehen zu, dass wir so viele Ihrer Leute lebend finden.“ Ich sah zu Yaars herüber, der einige der Soldaten und Wookiees bereits weiter geschickt hatte und nun in gebührendem Abstand mit etwa dreißig Wookiees und Sturmtrupplern wartete. „Durchsuchen Sie die Häuser, Yaars.“
„Jawohl, Sir. Die Straßen sind so gut wie unter unserer Kontrolle. Wir räuchern jetzt die letzten Piraten aus.“ Mit meinen beiden Wookiee-Schatten trat er näher. „Die Station …“ Ich hoffte inständig, er sagte jetzt nicht so was wie „…gehört jetzt uns.“ Das wäre definitiv das falsche Signal an die Überlebenden gewesen.
Aber zum Glück sagte er: „…ist befreit worden.“
„Gut. Direktorin Vornit, ich biete Ihnen unsere Hilfe dabei an, die Station wieder herzurichten, nachdem wir die Piraten vollständig ausgeräuchert haben. Außerdem lassen wir an Beibooten und Ausrüstung vom Pelta da, was Sie gebrauchen können.“
„Sie nehmen die Fregatte mit?“ Als sie meinen Blick sah, hob sie beide Hände. „Es ist Ihr gutes Recht, Captain Hus. Sie haben das Ding mittlerweile erobert, nehme ich an. Wir werden nämlich nicht bombardiert. Also gehört sie Ihnen.“
„Danke. Eine solche Prise ist jetzt genau das, was wir gebrauchen können.“ Tatsächlich war ein kampfstarkes Schiff in mehrerlei Hinsicht nützlich, und die Piraten brauchten sie nicht mehr. Zwar mussten die Besitzrechte noch geklärt werden, da Wookiees und Imperiale es erobert hatten, aber das war klärbar, wie ich fand. Auf jeden Fall würde ich meinen Offizieren wohl ihre Kreditchips zurückgeben können. Egal, ob wir die Pelta unterwegs verkauften oder von einem imperialen Stützpunkt taxieren ließen, es schien so, als würden wir die Auslösung unserer Wookiee-Freunde noch etwas erhöhen können. Und selbst auch einen mittleren Bonus erhalten.
„Wie gesagt, wir helfen gerne beim Aufräumen. Aber wir werden in anderthalb Tagen von unserem Schwesterschiff erwartet und wollen gemeinsam weiter nach Kashyyyk. Überlegen Sie sich also gut, wobei wir helfen sollen.“
„Ich nehme Ihr Angebot dankend an und sage Ihnen im Gegenzug zu, dass Sie sich an Wasser und Rationen nehmen dürfen, was immer Sie wollen. Sie haben uns alle gerettet, Captain. Sie und die Wookiees. Balguan ist dankbar dafür.“
Ich reichte ihr die Hand, und sie griff zu. Ein warmer, fester, angenehmer Händedruck. Ich mochte diese Twi’lek.
Als ich ihre Hand wieder losließ, sagte ich: „Aber erst einmal räuchern wir die restlichen Piraten aus. Lieutenant Cloudbreaker, ich übernehme das Kommando über Sie. Begleiten Sie mich.“
„Jawohl, Captain. Selbst ohne Uniform ist man immer ein Imperialer, oder?“
Ich hätte grinsen wollen, als sie das sagte. Aber es blieb mir im Halse stecken, wie man auf Corellia sagte. In ihren Worten steckte eine Menge Wahrheit, aber auch ein oder zwei Möglichkeiten. „Folgen Sie mir einfach und zeigen Sie mir, was Sie können.“ Ich schritt an Yaars vorbei, meine beiden Wookiee-Schatten kamen wieder an meine Seiten, und Cloudbreaker trat neben uns, Yaars rechts von ihr.
„Lieutenant Cloudbreaker, freut mich.“
„Lieutenant Yaars. Ich glaube, ich kenne Ihren Vater, Cloudbreaker.“
„Das kann sein. Nur wenige Offiziere kennen meinen Vater nicht, Lieutenant.“
Also, an Selbstvertrauen mangelte es ihr schon mal nicht. Das imponierte mir durchaus. Falls wir den gleichen Weg hatten, würde es sich vielleicht lohnen sie nach Kashyyyk mitzunehmen. Denn wer wusste, was noch auf uns lauerte?