4.
Ich musste schon sagen, Lieutenant Cloudbreaker fügte sich nahtlos in meine Gruppe ein und erwies sich schon in den ersten Stunden nach der Schlacht um das Bergbaukonsortium als wirklich hilfreich. Die Sturmtrupplerin, die wir in Zivil in der kleinen Stadt des Balguan-Betriebs angetroffen hatten, als sie bei der Verteidigung ausgeholfen hatte, erwies sich als sehr empathisch und entscheidungsfreundlich. Nach einigen Stunden wunderte ich mich, wie ich je ohne sie hatte auskommen können. Ich konnte die Aufräumarbeiten getrost ihr und Yaar überlassen, während ich mich selbst Heniss, Chaghuan und der Pelta-Fregatte zuwendete, kaum dass die Versorgung der Verwundeten, der Abtransport der Toten und die Überwachung der wenigen überlebenden Piraten auf sichere Beine gestellt worden war.
Hulbur kam zu mir und entließ die beiden Wookiees, die mir seit ich den Transporter verlassen hatten, als persönliche Bodyguards begleitet hatten. Dann gingen wir zur Andockstation der Fregatte herüber, auf der Lieutenant Heniss und Chaghuan Tatsachen geschaffen hatten.
Da das Lebensmodul der Bergbaugesellschaft recht geräumig war, dauerte es einige Zeit, bis wir den Dockkragen erreichten. Auf dem Weg dahin begegneten wir Einheimischen, Sturmtrupplern und anderen Wookiees, die sich an den Aufräumarbeiten beteiligten und mögliche Verstecke für Piraten durchsuchten. Ein paarmal wurde direkt neben uns geschossen, denn die Piraten wussten sehr wohl, welches Schicksal ihnen vor einem imperialen Gericht blühte. Einige zogen den schnellen Tod im Blasterfeuer dem langsamen Tod vor Gericht vor. Ich für meinen Teil hätte mich ergeben und auf meine Gelegenheit zur Flucht gehofft, deshalb hatte ich auch Anweisungen gegeben, dass vor allem meine pelzigen Freunde die Piraten bewachten.
„Gaurrr HEMAK“, sagte Hulbur, während wir die Leiche eines Zivilisten passierten, der aus nächster Nähe von hinten in den Kopf geschossen worden war. Ein Stück daneben lag ein ebenfalls sehr toter Pirat mit mehreren Brustwunden aus dem Standardblaster der Sturmtruppen, und einem ziemlich ungläubigen Gesichtsausdruck. Wie die gekrümmte Rechte des Rodianers bewies, hatte er im Tod einen Blaster gehalten. Jemand war schlau genug gewesen, die scharfe Waffe zu sichern. Ich hoffte, es waren meine Leute gewesen. Zwar hatten die Mitarbeiter das Hausrecht, aber wenn ich mir einen aufgelösten, extrem irritierten Zivilisten vorstellte, der unvermittelt begann, auf meine Leute zu schießen, wurde mir ein wenig anders.
„HEMAK, sagst Du?“ Ich griff zu meinem Kommunikator. „Streamrider.“
„Sir?“, meldete sich der Ensign vom Bord unseres Personentransporters.
„Gehen Sie mal die Nachrichten-Logs durch, ob uns irgendwas zu einer Fregatte der Pelta-Klasse namens HEMAK bekannt ist.“
„Das habe ich schon getan, Sir“, berichtete der junge Mann stolz. „Die HEMAK hieß früher CONJURER und diente während der Klonkriege als mobiles Stabsvehikel. Es wurde gegen Ende der Kämpfe in einem nahen Sonnensystem schwer beschädigt aufgegeben, die Besatzung von einem Begleitschiff aufgenommen. Es ist nie geklärt worden, ob das Schiff detonierte, es wurde jedenfalls als Verlust geführt. Jetzt ist sie wieder als Piratenschiff aufgetaucht und wurde etwa vor einem Jahr als die CONJURER identifiziert. Seither suchen die Behörden nach ihr, hatten aber bisher keinen Erfolg.“
Ich überlegte einen Moment. Dass das alte Schiff aus Republikzeiten als Piratenschiff bekannt war, machte es für uns nicht unbedingt leicht. Wir wären nicht die Ersten gewesen, die eine Prise aufgebracht hatten, und die in eine imperiale Kontrolle gerieten, wo man deren Erklärungsversuche als den Täuschungsversuch einer Piratenbande interpretierte. Andererseits hieß das, dass uns die Prise, welche die HEMAK darstellte, nicht mehr zu nehmen war. Niemand würde besonderes Anrecht auf sie stellen, und sie war trotzdem noch einiges wert. „Gut gemacht, Streamrider“, lobte ich den jungen Burschen. „Was wissen wir über die Pelta-Klasse?“
„Leicht mit mittel bewaffnet, wurde im Klonkriegszeiten erbaut und diente hauptsächlich als Unterstützungseinheit, Blockadebrecher, Transporter und Stabsschiff, mitunter als Lazarett. Etwa neunhundert Mann Besatzung.“
„Hm“, machte ich. Die Piraten oder jemand anderes hatte das Wrack dieses Pelta gefunden und wieder instand gesetzt. Wie, würden wir uns ansehen müssen. Man sagte zwar, Pfusch, der funktionierte, war kein Pfusch mehr, aber mit dem Ding in den freien Raum? Nicht ohne eine gründliche Inspektion. „Wir werden das gute Stück einer ordentlichen Verwendung unterziehen“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu Streamrider. Dann schaltete ich wieder ab.

Zwei Sturmtruppler und vier Wookiees bewachten den Andockring, am dem die Fregatte hing. Nur für den Fall, dass es hier draußen noch Piraten gab, die versuchen wollten, das Schiff zurückzuerobern. Die Station war zu klein, um einen Hangar zu haben, in dem die HEMAK einfliegen konnte. Das war nun für uns von Vorteil, weil sich das kleine Nadelöhr der Schleuse weit besser verteidigen ließ als ein von allen Seiten angreifbares Schiff. Ich nickte den Leuten kurz zu, und ging dann mit Hulbur an Bord.
„Grrröö.“
„Das habe ich mir schon gedacht. Und wenn sie schon bei so einer einfachen Sache wie der Abdichtung der Schleuse gepfuscht haben, graust mir vor mehr“, erwiderte ich.
„Rrruh?“
„Ja, wenn du da wen Spezielles hast, schicke ein paar Leute aus, die das Schiff überprüfen.“ Ich reichte ihm meinen Kommunikator, und der Wookiee begann sofort damit, ein paar Teams zusammenzustellen.
Im Schiff selbst war relativ viel los, meine Leute und die Wookiees wuselten umher und räumten das Chaos auf, das sicher nicht erst seit der Attacke auf das Schiff herrschte. Bei fast dreihundert Metern Gesamtlänge fast ein kleines Wunder, dass sie sich nicht regelrecht verloren. Allerdings waren wir auch auf dem Hauptgang Richtung Heck unterwegs, in Richtung der Brücke. Klar war hier mehr los als woanders im Schiff.
Wir passierten mehrere Aufbahrplätze, an denen unsere Truppe getötete Piraten sammelte. Sie waren eine bunte Mischung als Coruscantern, Corellianern, Twi’leks, Rodianern, einigen Florn und anderen Spezies, deren Namen ich bisher nicht mal in den Mund genommen hatte. Wie so häufig war auch dieser Piratenhaufen ein Sammelbecken der verschiedensten Spezies.
Als ich die Brücke mit Hulbur betrat, brummte Chaghuan laut und rief mich zu sich. Heniss verließ seinen Platz in einer Besprechung zu den Aufräumarbeiten und kam ebenfalls herbei.
Als ich näher kam, sah ich, was Chaghuans Aufmerksamkeit benötigte: Ein Chiss saß im Sessel des Navigators. Der riesige Wookiee half ihm dabei, als einer Henkeltasse zu trinken. Der blauhäutige Humanoide war eindeutig männlich – und in einem erbärmlichen, unterernährten Zustand, zudem stark hydriert, außerdem kräftig lädiert, wie ich schon von weitem sah.
Konsterniert musterte ich den Mann, der genauso gut zwanzig wie fünfzig Standardjahre alt sein konnte. „Ich will mich ja nicht beschweren, aber dieser Mann gehört in einen Bacta-Tank“, sagte ich anstelle einer Vorstellung.“
„Da stimme ich mit Ihnen überein, aber das geht leider nicht. Noch nicht“, antwortete der Mann mit einer viel zu rauen Stimme. „Mein Name ist Lekkor Got, obwohl er nichts zur Sache tut.“ Er hustete schwer, und sofort setzte Chaghuan ihm wieder die Tasse an, woraus er einen weiteren, vorsichtigen Schluck nahm.
„Wrrääääh guh rrööööööö.“
„Ihr habt ihn in einer Zelle gefunden?“, wiederholte ich. „Ein Gefangener der Piraten?“
„Ich kann Ihnen definitiv versichern, dass ich hier kein Mitglied bin oder war. Die Überwachungsaufnahmen werden das beweisen. Falls es welche gibt.“ Er lächelte schmallippig, und das gab ihm etwas Gruseliges. „Auf jeden Fall können Sie sehen, dass ich für niemanden eine Bedrohung bin.“
„Ja, das ist in der Tat nicht zu übersehen, Mr. Got. Was also tun Sie hier?“
„Wie Sie schon festgestellt haben, Captain Hus, bin ich ein Gefangener. Ich war Passagier auf einem Frachtschiff, das unter anderem Personenverkehr betreibt. Wir hatten das Pech, von diesem Schiff aufgegriffen und von der Besatzung geentert zu werden. Was folgte, war ein wochenlanges Martyrium auf dem Geheimstützpunkt der Piraten. Aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen.
Nur, falls Sie sich wundern, was ich an Bord der HEMAK mache: Mein Volk, die Chiss, macht sich eher selten auf, unser angestammtes Gebiet zu verlassen. Von ein paar Ausnahmen mal abgesehen, siehe einen entfernten Verwandten von mir, der es in Ihrem Imperium bis zum Admiral gebracht hat.“ Er nickte in eine Richtung der Brücke, in der ich mehrere tote Piraten liegen sah, unter ihnen ein Hutte. „Das da ist Kapitän Rombut vom Huttenclan Melac, der Anführer dieser Bande, und der Herr über den geheimen Stützpunkt. Ich weiß nicht, wieso, aber während ich in seiner Hand war, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, mich persönlich zu quälen. Wie es angefangen hat, weiß ich nicht. Aber ich habe seine Leute darüber sprechen gehört, dass er mich für einen imperialen Geheimagent gehalten hat. Um an mein Wissen zu kommen, versuchte er, meinen Willen zu brechen. Doch wo nichts in Erfahrung zu bringen ist, kann man auch nichts herbeifoltern.“
Er seufzte tief und schwer. „In letzter Zeit kam zur Folter noch der Nahrungsentzug, und die letzten beiden Tage hat er mir auch Wasser vorenthalten.“ Er hustete erneut, und wieder hielt Chaghuan ihm die Tasse hin. Er trank mit weiteren, vorsichtigen Schlucken. „Ich kann Ihnen gerne meine Narben zeigen, Captain.“
Ich schüttelte den Kopf. Was der Mann sagte, schien Hand und Fuß zu haben. „Ich denke nicht. Sie haben etwas auf dem Herzen, sonst wären sie nicht hier, aber zumindest auf der Krankenstation, wenn es an Bord keinen Bacta-Tank gibt.“
„Scharfsinnig. Sie haben natürlich Recht. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, sind Sie Anführer einer imperialen militärischen Einheit. Wie die Wookiees da reinpassen, weiß ich zwar nicht, aber sie sind freundlich, und das ist doch eine ganze Menge. Das Gleiche erhoffe ich mir auch von Ihnen, Captain Hus.“
„Dass ich freundlich bin?“, fragte ich.
„Ja, Sir. Genau das erhoffe ich mir.“
„Das kommt drauf an, was Sie sich konkret insgesamt von mir erhoffen.“
Er musterte mich einige Zeit, und das war bei den roten Augen dieses Chiss etwas gewöhnungsbedürftig. „Ich habe die Koordinaten des Verstecks. Die restlichen Piraten haben noch einige kleinere Schiffe, einige Jäger und vielleicht noch dreihundert ihrer Kameraden dort.“ Er beugte sich ein Stück vor und wurde von einem Hustenanfall geschüttelt. „Und natürlich immer noch viele Gefangene, nicht nur von meinem Transportschiff. Es widerstrebt mir, sie weiterhin in der Hand der Piraten zu lassen. Sie können sich vorstellen, was sie dort erleiden müssen.“ Er schob den Fetzen dessen, was seinen Oberkörper bedeckte, beiseite, sodass ich die vielzähligen Wunden auf Brust und Bauchdecke bewundern konnte. Einige davon waren von einem Neuroschockstab, andere von scharfen und nicht so scharfen Gegenständen. „Wissen Sie, für die Piraten sind diese Leute Eigentum, noch unter irgendwelchen Nutztieren stehend, und wer nicht wertvoll ist, zum Beispiel für Lösegeldzahlungen, wird auch so behandelt. Sind Sie mitfühlend genug, um das zu ändern? Das ist meine Frage.“

Jaava Hus, so war meine Erfahrung mit mir selbst, war ein mitfühlender Mensch, soweit es das überhaupt gab, denn meinet Erfahrung mit der menschlichen Rasse nach, ob Corellianer, ob Mandalorianer, oder wie die ganzen Splittervölker auch hießen, waren vom Naturell nette Wesen – außer jemand drohte ihnen etwas wegzunehmen. Oder sie dachten, jemand würde das wollen. Dann wurden ziemlich viele von ihnen garstig. Was mich zu einem alten Witz führte, den ich über das Imperium mal gelesen hatte. Demnach war das Galaktische Imperium, das ohnehin keinesfalls die Galaxis beherrschte, sondern nur große Teile der Zentren, in einem garstigen Dauerzustand, welcher die Sorte Menschen an die Spitze spülte, die man meiner Meinung nach für die Führung einer interstellaren Zivilisation eher nicht brauchte. Deshalb war meine Sicht auf mich selbst auch ein wenig zwiespältig, weil ich zwar die Härte aufbrachte, die von einem imperialen Offizier erwartet wurde, aber so oft ich es konnte mild war. Würde ich also einen Rettungsversuch wagen? Zumindest nicht ohne mehr Informationen. Stärke der verbliebenen Piraten, Informationen über die weiteren Schiffe, wie viele Jäger, Bewaffnung ihrer Basis, und so weiter. Vieles davon konnten wir aus dem Schiffskern erfahren oder durch die Befragung der Gefangenen. Oder von diesem Mann vom Volk der Chiss vor mir. Aber wenn ich nicht gerade den Eindruck hatte, meine Leute in eine große Falle zu führen oder dass die verbliebenen Piraten zu zahlreich waren, um sie zu überwältigen, ja, dann würde ich es tun.
Allerdings war das nicht der Punkt bei der Geschichte. „Ich denke, wenn ich alle Informationen habe, die ich benötige, werde ich den Rettungseinsatz befehligen, auch wenn ich nicht genügend Leute habe, um das Schiff voll zu besetzen.“
„Gräääh!“, protestierte Chaghuan.
„Das kann ich nicht verlangen, und das weißt du auch. In einer Notsituation ist das in Ordnung. Aber die Rettungsmission ist eine aktive Aktion, würde ich sie beginnen.“
„Gröööööh umpf.“
„Ja, natürlich haben wir gut zusammengearbeitet, das steht außer Frage. Aber wollt Ihr so kurz vor dem Heimkommen noch mal eure Leben riskieren?“
Chaghuan sah zu Hulbur herüber. „Brähhhh Hus.“
Daraufhin nickte der große Wookiee bestätigend. „Brähhhh Hus.“
„Für mich? Ich fühle mich geehrt. Dann müssen wir ja nur noch eine Sache klären.“ Ich beugte mich vor und sah dem Chiss direkt in die roten Augen. „Warum sind Sie so sentimental, Admiral Thrawn? Ihr Peiniger ist tot, wir sind Imperiale, die Sie schon so gut wie zur nächsten Flottenbasis gebracht haben, und die Piraten gibt es so nicht mehr. Welches Interesse haben Sie an der Basis, abgesehen von Ihrem Altruismus?“

Der blauhäutige Humanoide erwiderte den Blick fest und setzte an zu sprechen. Aber er ließ es. Dann atmete er tief ein. „Was hat mich verraten?“, erkundigte sich der angebliche Lekkor Got.
„Oh, das ist einfach. Ich kenne Sie, Admiral. Wir sind uns bereits mehrfach begegnet“, erwiderte ich.
Er kniff die Augen zusammen und musterte mich. „Ach ja, die Akademie. Sie waren einer der Absolventen, die Lehrgänge für die jüngeren Jahrgänge geleitet haben. Ich habe mich bei ihnen nach drei Chiss-Offiziersanwärtern erkundigt. Wie sie sich so anstellen, und so weiter.“
„Ja, Sir, das ist richtig. Also, warum wollen Sie wieder dahin zurück?“
Er seufzte. Das war ein sichtbares Zeichen, dass er aufgab. „Sie können sich sicherlich denken, dass der Hutte und auch seine Leute keine Ahnung davon hatten, dass ich imperialer Admiral bin. Sonst wäre ich entweder schon wieder auf Lösegeld freigekommen, oder ich würde als tiefgefrorener Fleischklumpen irgendwo um eine einsame Sonne kreisen. Ich bin inkognito gereist, und das nicht auf einer imperialen Fähre.“
Er seufzte erneut. „Wie Sie vielleicht wissen, sind die Chiss, also mein Volk, nicht gerade das offenherzigste der Galaxis. Man hält uns für eigenbrödlerisch, teils verbittert, weil wir uns isolieren und gegen fremde Einflüsse verwahren, aber nicht gegen neue Technologie. Daher können Sie nicht viel über uns wissen, insgesamt gesehen. Deshalb muss ich kurz etwas erklären. Wir werden regiert von Königen. Königen, die sich um ihre eigenen Bereiche kümmern, untereinander verwandt sind, gemeinsam gegen außen agieren, nach innen aber durchaus zu Intrigen fähig sind. Ich selbst bin ein Abkömmling einer Familie namens Mitth. Diese ist stark assoziiert mit dem Haus Nuruodos, welche sich um die militärischen und polizeilichen Belange unserer Gesellschaft kümmert. Was vielleicht erklären könnte, warum ich beim Militär des Imperiums geendet bin.
Nun, als ich inkognito gereist bin, tat ich das nicht allein. Ich begleitete zusammen mit einigen Leibwächtern eine Gruppe Wissenschaftler, die zu einem Austausch nach Coruscant reisen wollten. Wie es unsere Art ist, unauffällig und leise. Dies wurde uns zum Verhängnis. Einige von ihnen sind mittlerweile ermordet worden, andere haben sich mit ihrer Situation arrangiert. Ich habe mein Bestes gegeben, um Rombut so gut ich konnte beschäftigt zu halten, um ihn zumindest von den Wissenschaftlern abzulenken, die auf der Basis schnell für niedere technische Dienste eingesetzt wurden.“
„Okay. Wer ist es? Ein hochrangiges Mitglied eines der Königshäuser?“
Anerkennend sah Thrawn mich an. „Sie sind schlau, das erkenne ich an. Tatsächlich ist eine junge Frau mit uns gereist, die direkt dem Haus Inrokini angehört, also jener Familie, die für Wissenschaft zuständig ist. Eine, hm, Prinzessin, wie Sie sagen würden. Bisher gibt sie sich als Junge aus, aber ich habe keine Ahnung, wie lange das noch gut ausgeht. Was die Piraten mit weiblichen Gefangenen machen, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Und ist sie einmal gewinnbringend verkauft worden, schrumpfen alle meine Chancen, sie schnell wiederzufinden. Oder dies überhaupt jemals zu tun. Und ja, ich will auch die anderen Chiss retten. Und die anderen Gefangenen.“

Ich schnaubte ein wenig. Eine Prinzessin retten? Lief es darauf hinaus? Oder wollte Thrawn nur eine besondere Form von Druck ausüben? Auf jeden Fall glaubte ich, dass diese junge Frau nicht in direktem verwandtschaftlichen Verhältnis zu ihm stand, sonst, da bin ich sicher, hätte der Chiss sich etwas anders verhalten und eventuell seinen Rang benutzt, um mich zu dieser Aktion zu zwingen.
„Ich sichte die Daten, die wir über die Piraten, ihren Stützpunkt und die Besatzung haben. Dann bemannen wir die Fregatte mit einer Rumpfmannschaft und einem Enterkommando. Wenn ich danach sicher bin, dass diese Aktion gelingen kann, werde ich sie durchführen. Eigentlich müsste ich Sie jetzt in einen Bakta-Tank stecken. Die Bergbaukolonie hat ein paar davon. Aber ich fürchte, Sie müssen mir und meinen Leuten vorher auf sämtliche Fragen antworten.“
„Das steht außer Frage. Ich kann mich genug ausruhen, wenn ich dereinst sterbe, Captain Hus“, sagte der Blauhäutige.
„Räääwööööö?“, fragte Hulbur.
„Ja, meinetwegen stellt schon mal eine Hilfstruppe zusammen. Sowohl für das Enterkommando als auch, um Positionen auf der Brücke und in der Mannschaft zu besetzen. Aber, Chaghuan, Hulbur: Nur Freiwillige. Ich fliege lieber unterbesetzt als mit unwilligen Mitarbeitern. Habt Ihr verstanden?“
„Rurr“, machten beide Wookiees zugleich.
„Gut, dass wir das geklärt haben. Brauchen Sie noch etwas, Admiral? Oder kann ich Sie erst mal auf die Krankenstation schaffen lassen?“
„Eine Krankenliege wäre mir durchaus recht, Captain Hus. Ich versuche, so lange wach zu bleiben wie möglich.“
„Danke, Admiral.“ Ich klatschte in die Hände. „Dann mal ran ans Aufräumen, Leute. Scheut euch nicht, für die unangenehmsten Arbeiten die überlebenden Piraten einzusetzen. Außerdem setze ich eine Besprechung der ranghöchsten Offiziere an, in einer Stunde. Chaghuan, Hulbur, könnt Ihr wieder für alle Wookiees sprechen?“
„Hum“, sagten sie.
„Gut. Dann seid Ihr ebenfalls aufgerufen, an der Sitzung teilzunehmen. Und jetzt an die Arbeit.“
„Jawohl, Sir!“

***

„Ich möchte mit, Sir!“, sagte Tyra Cloudbreaker, und ihre Stimme ließ anklingen, dass sie ein „Nein“ nicht wirklich gut aufnehmen würde.
Ich versuchte es trotzdem: „Nein.“
Verbissen sah sie mich an. „Sir, ich möchte darauf hinweisen, dass es Ihnen an Leuten für die Brücke mangelt. Ich habe die vollständige Navigationsausbildung. Zwar auf einem zivilen Schiff, nicht auf einem Kriegsschiff, aber mich im Weltall orientieren und Sprünge durch die Lichtmauer berechnen ist überall gleich.“
Ich überlegte kurz. Zugegeben, ich hatte da Probleme. Keiner der überlebenden Piraten war Navigator, und bei meinen Leuten hatten wir nur die Piloten, die dafür ausgebildet waren, was für einfache Kurierdienste auch ausreichte. Haken: Ich hatte Streamrider und Volkic den Befehl gegeben, mit den restlichen imperialen Soldaten und den Wookiees, die ich nicht an Bord der CONJURER, wie unsere Pelta ab sofort wieder hieß, gegangen waren, weiter zum Treffpunkt zu fliegen.
Der Dienstjüngere, Volkic, hatte das hingenommen wie alle anderen Vorkommnisse, seit wir mit dem Transporter vom Todesstern gestartet waren. Ich überlegte, ob der Junge, noch frischer von der Akademie als Streamrider, nicht schlicht und einfach überfordert war und sich deshalb ins Gehorsam flüchtete. Streamrider selbst hatte protestiert, recht energisch sogar. Erst als ich ihm versprochen hatte, dass wir mit der CONJURER später zu den beiden Transportern stoßen würden und ihm einen kurzen, aber erschöpfenden Vortrag über Pflichten gehalten hatte, hatte er nachgegeben.
Ich sah zu Yaars herüber. „Was denken Sie, Borgan?“
Der ältere Lieutenant zögerte nicht lange, und packte ein paar Fachfragen aus seinem langjährigen Repertoire aus, die Cloudbreaker zu seiner vollsten Zufriedenheit beantwortete. „Sir, ich denke, Lieutenant Cloudbreaker ist der Aufgabe besser gewachsen als ich. Nehmen Sie sie für die Navigation, und ich gehe dann an die Waffen. Varit übernimmt dann die Ortung.“
„Also gut. Yaars ist mein erfahrenster Mann für die Navigation, wenn ich die Piloten vom Transporter nicht abziehen will. Augenscheinlich haben Sie ihn ersetzt.“
Tyra sah mich überrascht an. „Ich habe mit mehr Widerstand gerechnet.“
„Warum? Sie sind für eine Position nützlich, Sie melden sich freiwillig, und auch wenn ich es lieber gesehen hätte, dass Sie wie bisher die Aufräumarbeiten anleiten, sehe ich doch die Logik hinter Ihrem Wunsch, Cloudbreaker.“
„Danke, Sir.“ Sie grinste, und das recht breit. „Falls Sie wissen wollen, warum ich mitkommen möchte, ich will dabei helfen, die Piratenbande hochzunehmen.“
„Ein legitimer Wunsch.“ Ich deutete auf die beiden Wookiees hinter mir. „Das sind unsere Chefpiloten, Chaghuan und Hulbur. Sie werden direkt mit ihnen arbeiten. Ich hoffe, Sie verstehen Shyriiwook.“
„Natürlich, Sir. Ich spreche sogar ein wenig.“ Sie zögerte. „Wenn ich fragen darf, Sir …“
„Raus mit der Sprache“, forderte ich die Sandtruppenoffizierin auf.
„Captain Blaum betreffend … War es eine gute Idee, ihm das Kommando über den Transporter zu geben?“
Eine gute Frage, wie ich fand. „Sehen Sie, wir haben den Todesstern mit zweitausend Wookiees evakuiert, und mit jedem Lebewesen, das es rechtzeitig bis zur Verladerampe geschafft hat. Darunter war auch Blaum. Er ist ranggleich mit mir, aber dienstälter. Deshalb hat er das Kommando beansprucht, obwohl er weder die Leute, noch die Wookiees kannte. Natürlich habe ich das abgelehnt. Es gab gar keinen Grund, das Kommando über meine eigenen Leute abzugeben. Also habe ich dafür gesorgt, dass er von seinen Ansprüchen zurücktritt.“
Chaghuan und Hulbur, immerhin ein paar Meter entfernt an der Pilotenkonsole, hörten das, und begannen keckernd zu lachen. Dazu tauschten sie ein paar Knurrlaute in Shyriiwook aus, die ich nicht so gut verstand. Cloudbreaker hingegen wohl eher, denn eine flüchtige Röte huschte über ihr Gesicht. „Sie haben ihm Brutpflege angedeihen lassen?“
„Das war Chaghuans Idee. Zwei ihm persönlich bekannte Frauen haben das übernommen, und sagen wir mal, das hat Blaum von seinem galoppierenden Rassismus geheilt. Jedenfalls brauchen die beiden Ensigns jemanden, der ihnen etwas zu sagen hat, und Blaum kann sich mit dem Kommando vor sich selbst und vor mir wieder rehabilitieren. Außerdem ist es nicht besonders weit nach Wan, wo Lieutenant Riies mit dem zweiten Transporter auf uns wartet.“ Ich konsultierte meinen Chronographen. „Und das tut er noch gut dreißig Stunden, bevor er meinem Befehl gemäß nach Kashyyyk weiterreist, um die Wookiees nach Hause zu bringen, wie es unser Auftrag ist. Sie sehen, selbst wenn der gute Blaun mir nur etwas vorgespielt hat, hat er einerseits nicht viele Möglichkeiten dafür, und andererseits sind da rund siebenhundert Wookiees, die sich eher an meiner Interpretation der Befehle orientieren. Ah, Heniss, kommen Sie mal her. Cloudbreaker, dies ist Sergeant Heniss, einer meiner Squadleader. Ich brauchte mehr Offiziere, deshalb habe ich ihm eine Interimsbeförderung zum Lieutenant verpasst und in eine überzählige Uniform von Streamrider gesteckt. Er hat zusammen mit Chaghuan die CONJURER zurückerobert, deshalb übernimmt er das Kommando über die gemischte Entertruppe. Heniss, das ist Cloudbreaker.“
„Freut mich, Ma’am.“ Der gute Heniss reichte ihr die Hand, welche die Frau mit den gefärbten Haaren ergriff und kräftig genug drückte, dass für einen Moment eine Reaktion über das Gesicht des Anderen fuhr. Bemerkenswert.
„Lieutenant Cloudbreaker übernimmt die Navigation. Aber sobald sie da nicht mehr gebraucht wird, dachte ich, kann sie die Schiffswache übernehmen, sobald das Enterkommando gegen die Piraten vorgeht.“
„Ich habe nur gutes über Lieutenant Cloubdbreakers taktische Fähigkeiten gehört“, sagte er, sich die schmerzende Hand unbewusst reibend.
„Dann ist das abgemacht. Wie gesagt, es wäre mir lieber, wenn Sie weiterhin hier aufräumen, weil Sie den besten Kontakt zum Konsortium haben. Aber wenn ich Sie schon mal an Bord nehme, dann setze ich Sie auch bestmöglich ein.“
„Danke, Sir. Ich werde Sie nicht enttäuschen“, sagte sie mit einem gewissen Triumph in der Stimme.
„Das weiß ich. Nichts anderes erwarte ich von einem Sandtruppler. Gehen Sie an Ihren Arbeitsplatz, Tyra.“
„Ja, Sir.“

Ich blickte mich kurz um. Die Brücke der CONJURER war gut gefüllt, alle waren auf ihren Stationen oder wie Cloudbreaker auf dem Weg dahin. Klarmeldungen aller Abteilungen gingen ein, und Heniss hatte die Information mitgebracht, dass unser gemischter Entertrupp bewaffnet und einsatzbereit war. Dank der Piraten hatten wir genug leichte und schwere Waffen für jeden freiwilligen Wookiee.
„Yaars, befehlen Sie Aufmerksamkeit“, sagte ich.
„AAAAAAAACH-TUNG!“, gellte sein bester Exerzierton auf, so laut, dass mir die Ohren klingelten und die Wookiees innehielten.
Die imperialen Offiziere und Mannschaften erhoben sich und nahmen Haltung an. Die Wookiees standen immerhin auf.
„Alle bereit, Sir.“
Ich nickte zufrieden. „Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit, meine Herren. Damit dieser Rettungseinsatz funktioniert, werde ich jetzt auf eigene Verantwortung einige Veränderungen vornehmen. Ab sofort übernehme ich das Kommando über die CONJURER mit dem Rang eines Majors. Mit ebenso sofortiger Wirkung befördere ich Lieutenant Yaars als meinen Stellvertreter zum Captain. Ebenso wird Chaghuan ins Logbuch als Captain eingetragen. Hulbur wird in den Rang eines Lieutenant erhoben, solange wie unsere selbstgewählte Mission andauert. Lieutenant Junior Grad Varit und Sergeant Heniss werden zu Lieutenant Senior Grade. Des weiteren ernenne ich Lukior zum Chefingenieur der CONJURER und ernenne auch ihn zum Captain.“ Ich hatte keinen Applaus erwartet, aber immerhin irgendeine Reaktion. Als diese dann kam, war ich doch überrrascht. Applaus. Nicht nur von den Imperialen, sondern auch von den Wookiees.
„Verzeihung, Sir, das brauchen Sie ja jetzt nicht mehr“, sagte Yaars und nahm mir mein Rangabzeichen als Captain der Bodentruppen ab. Statt der vier roten Balken steckte er mir ein Majorsabzeichen, drei rote Balken und zwei blaue, an. „So sieht das doch gleich besser aus, Sir.“
„Heniss, helfen Sie Ihrem Vorgesetzten“, wies ich den Sturmtruppler an.
„Jawohl, Sir. Verzeihung, Sir.“ Er nahm Yaars mein altes Abzeichen an, und tauschte es gegen den Lieutenant aus. Erneut gab es einen gewissen Applaus.
Ich sah ein letztes Mal ins Rund. „Wir sind vor der Zeit, aber alle Abteilungen melden Klar Schiff. Funkabteilung, melden Sie dem Konsortium, das wir abdocken. Und ein Gruß an unsere Kameraden auf der Topaz Topaz einunddreißig. Sie sollen zum Treffpunkt weiterfliegen und nach Plan vorgehen.“
„Jawohl, Sir!“
Ich atmete aus. Als sich die Andockklammern lösten und die CONJURER von der Station wegdriftete, waren viele Probleme beseitigt worden. Zum Beispiel hatten meine Leute und die Wookiees das Schiff so gut es ging wieder in einen annehmbaren Zustand versetzt, wenngleich Reparaturteams der Wookiees und meiner Imperialen noch immer durchs Schiff wuselten, um größere und kleinere Schäden aufzuspüren und zu finden. Aber mein größtes Problem nahm ich selbst mit. In der Krankenstation in der Form eines Chiss, der auf mich so undurchsichtig wirkte wie eh und je: Admiral Thrawn.