EMPIRE AT WAR:
Töchter Ryloths

“AAARRGH!”, brüllte der Sturmtruppler, als die Sanitäter seine Liege vor mir absetzten. „Meine Beine, meine Beine!“
Einatmen.
Ausatmen.
Ruhig blieben.
Das war aber leichter gesagt als getan, während um mich herum das Chaos tobte. Der ohrendbetäubend laut röhrende Rote Alarm machte es nicht besser und die Einschläge, die durch die Executor hallten, veranlassten sowohl mich als auch alle übrigen medizinischen Hilfskräfte, immer wieder besorgt aufzusehen.
Wir waren allesamt keine ausgebildeten Ärzte oder auch nur medizinisches Personal und was wir hier, in dieser Behelfskrankenstation (bis vor kurzem noch eine der Messen), tun konnten, war bestenfalls marginal. Vielleicht lindernd.
Ich sichtete die Anzeigen des medizinischen Scanners und ließ das Gerät anschließend die Daten des vor mir liegenden Sturmtrupplers aus seiner Rüstung auslesen.
„Geben Sie mir 0,5 Milligramm Sufentanax und 1,25 Milligramm Bacta“, wies ich meine Helferin an.
Die junge Frau an meiner Seite reichte mir das Verlangte und ich prüfte die Etiketten der beiden Spritzen sorgfältig, bevor ich sie dem Sturmtruppler nacheinander in den Hals jagte.
Die Medizintechnik in dieser Welt war nicht nur fortgeschrittener, sondern auch wesentlich einfacher zu handhaben als die in meiner Welt. So gaben beispielsweise medizinische Scanner von sich aus Hilfestellungen und Hinweise, wenn man sich dem Gerät gegenüber als Laie identifizierte, wohingegen Ärzten und medizinischem Personal umfangreiche Datenbanken zur Verfügung standen, Spritzen hingegen brauchte man nur aufzusetzen und abzudrücken, um den Inhalt in den Körper des Patienten zu injizierten.
Vader hatte gewollt, vor Jahren schon, dass ich genug lernte, um ihn gegebenenfalls notfallmäßig behandeln zu können, falls Dr. Vapasi gerade nicht greifbar war. Das wiederum weckte Begehrlichkeiten bei Dr. Vapasi: medizinisches Hilfspersonal konnte man nie genug haben, weshalb ich alle zwei Wochen einen halben Tag Dienst in der Krankenstation schob und das war auch der Grund, weshalb ich jetzt hier war …
Ein ganz besonders lautes Krachen direkt über unseren Köpfen ließ uns alle innehalten.
„Ich habe Angst“, flüsterte die junge Kadettin neben mir und starrte sichtlich beunruhigt an die Decke.
Ach ja. War ich eigentlich auch einmal so jung gewesen? Vermutlich.
„Das brauchen Sie nicht“, beruhigte ich die junge Frau, die erst vor ein paar Tagen an Bord gekommen war. „Selbst wenn es sich um einen Hüllenbruch handeln sollte, wären wir hier unten nicht weiter betroffen.“
Das Schiff versiegelte in so einem Fall sofort sämtliche Räume, Flure und Wartungsschächte, damit der Sauerstoff im Schiff blieb und nicht nach draußen ins Vakuum geblasen würde. Fatal wäre dies allerdings für Personen, die sich auf der falschen Seite der Feuerschotts befanden …
Plötzlich verstummte der Alarm.
„Die Übung ist beendet“, schnarrte es aus den Lautsprechern. „Und hier der obligatorische Hinweis für alle, die gewettet haben: Team Verteidigung hat gewonnen!“

Die Executor war das teuerste, schnellste und beste Schiff des Galaktischen Imperiums und seine Besatzung handverlesen.
Nichtsdestotrotz fanden fast täglich Übungen und Trainings statt, um die Mannschaft fit zu halten und um Langeweile vorzubeugen.
Eine große, aufwändige Übung, wie die, an der ich gerade teilgenommen hatte, wurde trotzdem nur aus speziellen Anlässen abgehalten wie z.B. um neuen, hoffnungsvollen Kadetten gleich zur Begrüßung an Bord den Ernst des Lebens nahezubringen.
Die Szenarien waren dabei meist so konzipiert, dass die jungen Leute darin regelrecht aufgingen und vergaßen, dass es sich „nur“ um eine Übung handelte.
Für diesen Eindruck sorgten natürlich auch willige Komplizen wie beispielsweise die Senior-Sturmtruppler, die gerade so überzeugend unsere Patienten gemimt hatten. Und natürlich hatte ich ihnen zu Übungszwecken keine schweren Betäubungsmittel oder das sündhaft teure Bacta verabreicht, sondern nur Kochsalzlösung …
„Sie waren zu langsam“, kritisierte Dr. Vapasi meine Leistung. „Sie haben wieder viel zu lange überlegt, auch und gerade bei Sturmtrupplern, die praktisch tot waren.“
Ich sah betreten auf mein PAD und die Auswertung, die mir entgegenblinkte.
„Kilian, ich meine es gut mit Ihnen“, sagte Vapasi, „Sie können nicht alle retten, und schon gar nicht in einem Übungsszenario wie dem diesen. Das Programm lässt das gar nicht zu!“
Ich betrachtete Dr. Vapasi inzwischen fast schon als väterlichen Freund (dabei war er nur wenige Jahre älter als ich) und er hatte immer wieder hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager. Aber es gab Sachen, mit denen konnte ich einfach nicht umgehen …
„Der Umbau der Messe zur Behelfskrankenstation und der Rückbau nach Abschluss der Übung lief diesmal viel besser als das letzte Mal“, sagte Vapasi versöhnlich. „Die neuen Kadetten hatten Sie richtig gut im Griff …“
Das allerdings hatte sich als eine unabdingbare Notwendigkeit erwiesen. Die Mannschaften, die in diesem Sektor des Schiffes dienten, wollten nach Abschluss der Übung hier wieder ihre Mahlzeiten einnehmen und wehe, man war nicht schnell genug fertig mit dem Rückbau, denn dann gab es einen Anschiss, den man so schnell nicht vergaß …

Nach der Hilfsaktion im Tapani-Sektor waren wir wieder unterwegs nach Ryloth. Die Crew wettete eifrig, ob wir es nun endlich im dritten Anlauf dorthin schafften oder ob uns erneut etwas anderes, wichtigeres, dazwischen kommen würde.
Das Ryloth-System lag weit draußen im Äußeren Rand, in einer Region, die auch als „The Slice“ bekannt war und die in relativer Nähe zum Hutt-Territorium lag.
Außerdem bildete Ryloth, zusammen mit Roon und Tatooine, die Eckpunkte des so genannten „Spice Triangle“, eine Gegend, die von verschiedenen kriminellen Syndikaten als Zentrum des Drogenhandels und –umschlags genutzt wurde.
Eine der Drogen, die hier unter anderem gehandelt wurden, war das auf Ryloth natürlicherweise vorkommende Ryll. Diese Droge war in den Oberschichten der Kernwelten verbreitet und machte schnell süchtig.
Ryloth selbst war die Heimatwelt der Twi’lek und obwohl der Planet als terrestrisch eingestuft wurde, bestand er fast ausschließlich aus ausgedehnten Wüsten, unwirtlichen Tundren und zerklüfteten Bergen. In weiten Teilen Ryloths herrschte tagsüber trockene Hitze und des nachts eisige Kälte, dazu kamen Bedrohungen wie die gefürchteten Sand- und Hitzestürme.
Unter diesen Bedingungen nimmt es nicht Wunder, dass die Twi’lek schon immer in teilweise unterirdischen Behausungen gelebt hatten. Moderne Großstädte wie z.B. Kala’uun und Lessu liegen hingegen fast vollständig unter der Erde oder sind in Gebirgsstöcke hineingebaut.
Wer jetzt vermutet, dass Ryloth aufgrund seiner Lage und seiner geologischen Besonderheiten nicht besonders wohlhabend ist, liegt nicht falsch. Vor allen aber ist Ryloth ein Zentrum nicht nur des Drogen-, sondern auch des Frauenhandels, und wir stachen mit unserer Ankunft in ein Nest aus Verrat, Korruption und Rebellion …

„Es gibt einen neuen Spieler“, sagte Admiral Rampart. „Er geht sehr umsichtig vor und es ist uns bisher nicht gelungen herauszufinden, wer er ist.“
Wir waren vor kurzem in einen Orbit um Ryloth eingeschwenkt und Vader hatte die führenden imperialen Militärs ohne weitere Umstände zum Rapport auf die Executor bestellt.
Admiral Rampart war hier schon seit längerem stationiert und galt inzwischen als Experte sowohl für das Ryloth-System als auch für das so genannte „Spice Triangle“.
Rampart war kein unbeschriebenes Blatt. Er stand mit Leib und Seele hinter der Neuen Ordnung und hatte nach den Klonkriegen auf vielen Welten der Zivilbevölkerung dessen Vision positiv verkauft, indem er Wohlstand für alle versprach.
Aber nicht nur das.
Er war maßgeblich an der Strukturierung des neugegründeten Imperiums beteiligt durch seine Involvierung in verschiedenste Projekte wie z.B. der Identifikationscodekampagne, während der er bei kriegsmüden Zivilisten darum warb, sich mit einem Identifikationscode in der neuen imperialen Datenbank registrieren zu lassen. Im Gegenzug dafür konnten die Bürger ihre nach dem Krieg ungültig gewordenen Währungen gegen imperiale Credits eintauschen und planetare Reisen unternehmen.
Außerdem stieß er das Projekt „Kriegsmantel“ an, welches die Klone durch eine Armee von rekrutierten Soldaten ersetzen sollte, da die Schaffung weiterer Klone durch die Kaminoaner zu einer finanziellen Belastung für das Imperium zu werden drohte.
„Auffällig an dem Neuen ist allerdings, dass er nur im Drogenhandel tätig ist“, fuhr Rampart fort. „Vom Frauenhandel hält er sich unseren Ermittlungen nach bisher fern.“
Das war in der Tat eigenartig …
„Captain Slavin!“, dröhnte Vader plötzlich und der derart angesprochene schreckte aus seinem verspäteten Mittagsschläfchen hoch. „Was sagen Sie dazu?“
„Ich, äh“, stotterte Slavin, „ich gebe Admiral Rampart natürlich vollumfänglich Recht.“
Vader starrte ihn finster an. Der Captain war ein alter Mann kurz vor der Pensionierung und völlig frei von jeglichen Ambitionen, weshalb ich dazwischen ging, bevor Vader auf den Gedanken kam, Slavin für sein unbotmäßiges Verhalten über Bord zu werfen.
„Captain“, sagte ich, „Schildern Sie uns bitte Ihre persönlichen Eindrücke dieses Planeten.“
Slavin begriff erst verspätet, in welcher Gefahr er schwebte.
„Äh, nun“, stotterte er und sammelte sich. „Die Twi’lek sind eine einzige aufständische Bande. In den Klonkriegen haben sie gegen die Separatisten gekämpft und danach gegen das Imperium. Und kaum hat Senator Taa es geschafft, Widerständler wie Eleni und Chan Syndulla zum Einlenken zu bringen, macht deren Tochter mit ein paar Weggefährten ihrer Eltern da weiter, wo diese aufgehört haben …“
Neben Vader und mir nahmen nicht nur Admiral Rampart und Captain Slavin an dieser Besprechung teil, sondern auch Admiral Ozzel und General Veers.
Jetzt sahen wir einander vielsagend an.
Dass auf Ryloth Drogenkriminalität und Sklavenhandel blühten, wussten wir.
Aber dass es organisierten Widerstand gegen das Imperium gab, stand interessanter Weise in keinem der Berichte, der Coruscant bisher erreicht hatte …

Am nächsten Morgen besuchten wir den Imperialen Gouverneur Ryloths: Delian Mors.
„Gouverneur Mors“, sagte Vader, während Praji, Jir und ich entspannt auf den bequemen Sesseln im Besprechungsraum herumlümmelten, „das Imperium hat ihnen einen Experten für das Ryloth-System, Sturmtruppen sowie einen Sternenzerstörer und einen Venator zur Verfügung gestellt. Wir haben einen neuen Industriezweig auf Ryloth angesiedelt. Und trotzdem bekommen Sie die grassierende Kriminalität nicht in den Griff.“
Mors schluckte schwer.
„Sir, ich …“, begann sie. „Was ich sagen wollte … also es ist nicht leicht zu erklären … jedenfalls nicht auf die Schnelle.“
Mors verstummte.
Ein planetarer Gouverneur war idealerweise ein Technokrat wie er im Buche stand und dem das Wohl des Imperiums als auch das „seines“ Planeten am Herzen lag.
Ganz sicher stotterte er nicht haltlos herum in dem Bemühen, einen klaren Satz zu bilden.
„Was Gouverneur Mors sagen will“, kam Colonel Dray Mors zur Hilfe, „ist, dass die Twi’lek schon immer mit Drogen und Frauen gehandelt haben.“
„Das muss aber doch nicht so weitergehen bis in alle Ewigkeit“, warf ich ein.
„Ja, aber was sollen wir denn dagegen machen?“, fragte der Colonel. „Die Twi’lek fassen uns sowieso schon als Besatzer auf, was wiederum zu Aufständen und Widerstand führen kann.“
„Hat es das nicht schon?“, fragte ich. „Aufstände und Widerstand gegen das Imperium? Und wenn das so ist, warum treten wir dann überhaupt als Besatzer auf?“
Als ob es nicht auch andere, subtilere Methoden gab, die Leute zur Räson zu bringen …

Nach den Besprechungen mit den Militärs und der Gouverneurin nahm ich mir ein paar Tage frei, um meine ehemaligen Arbeitskolleginnen Wib, Chad und Aayla’a zu besuchen.
Die Frauen hatten unter mir als Kontrakt- bzw. Kontingentarbeiter im Verteilerzentrum der Imperialen Sternenflotte gearbeitet und waren inzwischen wieder auf ihre Heimatwelt zurückgekehrt. Jedoch ließ Vader mich nicht alleine gehen, sondern Kommandant Praji und Kommandant Jir mussten wieder einmal auf mich aufpassen …
„Mit dieser Mors stimmt etwas nicht“, sagte ich gerade. „Sie ist planetarer Gouverneur und bringt keinen einzigen geraden Satz zustande.“
Eigentlich ein Wunder, dass Vader nichts weiter dazu gesagt hatte. Aber der dunkle Lord sagte manchmal lange nichts und ließ eine Situation sich entwickeln, bevor er tätig wurde.
„Sie ist Ryll-Abhängig“, sagte Jir. „Das hervorstechendste Merkmal ist der geistige Verfall sowie die stark geweiteten Pupillen.“
„Dass das nicht schon eher aufgefallen ist?“, fragte ich.
Wer keinen vernünftigen Satz mehr sagen konnte, war vermutlich auch nicht in der Lage, sich schriftlich zu artikulieren.
„Jemand anderes wird ihre Arbeit machen und ihre Berichte schreiben“, vermutete Jir. „Möglicherweise Colonel Dray.“
Wenn man sich die zerstörerische Wirkung dieser und anderer hier gehandelter Drogen vor Augen führte, konnte man nur froh sein, dass Vader sich mit der Todesschwadron auf die Jagd begeben hatte …

Ich stand immer noch im regelmäßigen Kontakt mit Wib und Chad. Zwar waren es meist nur kurze Botschaften der Sorte „Wie geht es dir, mir geht es gut“, Aayla’a hingegen hatte ich vollständig aus den Augen verloren.
Natürlich hatte ich meinen Besuch angekündigt, damit sowohl Wib als auch Chad Zeit für mich hatten. Außerdem hatten beide versprochen, sich nach Aayla’a umzuhören.
Wib lebte in der Nähe von Kala’uun, Praji und Jir lieferten mich vor dem Wohnblock ab, in dem sie eine Eigentumswohnung besaß und suchten sich anschließend eine Bar, in der sie die nächsten Stunden totschlagen konnten.
Wib hatte schon auf mich gewartet und öffnete die Tür, nachdem ich mich bemerkbar gemacht hatte. Sie führte mich in einen großen Wohnraum, der reich mit Teppichen und Sitzkissen ausgestattet war.
Eine junge Twi’lek, die ein Baby auf der Hüfte trug erwartete uns, während ein freundlicher jüngerer Mann mit einem Kleinkind spielte.
„Meine jüngere Schwester und ihr Mann“, stellte sie mir die beiden erwachsenen Twi’lek vor.
Eine ältere Twi’lek brachte heißen Tee, der in filigranen Tassen serviert wurde, bevor sie sich hastig wieder zurückzog.
„Mama ist schüchtern und fürchtet sich vor Außenweltlern“, meine Wib und wenn man sich die Geschichte Ryloths in Bezug auf Außenweltler ansah, dann tat sie gut daran …
Wib und ich schwätzten fast ununterbrochen von den guten alten Zeiten und schließlich erzählte Wib, wie es ihr hier nach ihrer Rückkehr ergangen war.
Ich hatte dafür gesorgt, dass Wib, Chad und Aayla’a auf einem Versorgungs-Transporter der imperialen Sternenflotte nach Ryloth mitfliegen konnten, weshalb sie ihr Handgeld nach ihrer Ankunft noch vollständig besaß. Damit kaufte sie ihre Schwester frei, die in einer Bar tanzte sowie diese Wohnung. Anschließend fand sie Arbeit in der Logistikabteilung der neuen Dooniumraffinerie, die das Imperium etwas außerhalb von Kala’uun angesiedelt hatte, hier lernte sie auch einen guten Mann mit modernen Ansichten kennen, den sie ihrer Schwester vorstellte. Da die beiden sich auf Anhieb gut verstanden, heirateten sie und hatten schnell zwei Kinder (mehr sollten es aber nicht werden).
Als der Mann einmal kurz nach draußen ging, vertraute mir Wibs Schwester an, dass sie – trotz der modernen Ansichten ihres Mannes – froh sei, zwei Jungs zu haben, da bestand kaum Gefahr, dass man sie verkaufen würde …
Die Raffinerie hatte viele Twi’lek in Lohn und Brot gebracht, was wiederum ein schlauer Zug war: Leute, die sich einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet hatten, waren in aller Regel nicht geneigt, den Aufstand zu proben.
Doonium selbst war ein überaus stabiles Metall, welches vor allem für den Schiffsbau eingesetzt wurde und deshalb für die Rüstungsindustrie von erheblichem Interesse war. Die Förderung des Erzes fand durch die Pryce Bergbau Inc. statt, die Asteroidenfelder und unbewohnte Monde ausbeutete. Das Unternehmen gehörte übrigens den Eltern der Gouverneurin von Lothal, Arihnda Pryce.
Auch diese Frau sollte ich noch kennenlernen, aber ich greife vor …

Der Schmuggler feuerte aus allen Rohren auf den Sternenzerstörer, der ihn hartnäckig verfolgte, doch die Geschosse seiner Laserkanonen wurden von den Schilden des viel größeren Kriegsschiffs mühelos absorbiert. Die Schiffe der Todesschwadron hatten sich um Ryloth herum verteilt und nach den typischen Flugmanövern Ausschau gehalten, die Schmuggler für gewöhnlich zeigten. Zwei präzise Schüsse aus den Turbolasern des Sternenzerstörers beschädigten den Antrieb des Schmugglers irreparabel und nahmen ihm damit die Möglichkeit, weiter zu fliehen oder seine Laserkanonen mit Energie zu beschicken. Anschließend kam der Traktorstrahlprojektor des Sternenzerstörers zum Einsatz und zog den Schmuggler unerbittlich näher an sich heran. Lord Vader wollte ein paar Gefangene, um sie zu verhören, also würde er ein paar Gefangene bekommen, die er verhören konnte …

Als ich Chad am nächsten Tag besuchte, fiel mir als erstes auf, dass sie es bei weitem nicht so gut getroffen hatte wie Wib.
Diese hatte in einer fast schon gehobenen Wohngegend gelebt und schien glücklich und zufrieden mit ihren Lebensumständen.
Chad hingegen hauste in einem heruntergekommenen, ärmlichen Viertel von Lessu, die Sitzkissen wirkten schäbig und es schienen keine Credits für Teppiche oder auch nur eine ausreichende Beleuchtung vorhanden zu sein.
Chad begrüßte mich mit einem Baby auf dem Arm und servierte den obligatorischen Tee.
Auch hier unterhielten wir uns zunächst über die guten alten Zeiten – weißt du noch? – dann berichtete Chad von ihrer Rückkehr.
Kaum daheim, hatte sie mit ihrem Handgeld die drängendsten Schulden ihres Clans abgetragen und den Mann geheiratet, den die Familienältesten ihr nahegelegt hatten. Statt nun aber weiter daran zu arbeiten, die Restschuld abzutragen, nahm die Familie neue Kredite auf – es gab ein paar junge Mädchen in der Familie, die man zu Tänzerinnen ausbilden und deren Kontrakt man später verkaufen konnte …
Menschen (und Nichtmenschen) hinterfragen selten tradierte gesellschaftliche Normen, solange sie nicht in Kontakt zu anderen Kulturen kamen.
Chad hatte zehn Jahre auf Coruscant gelebt und erfahren, dass nicht überall Töchter für zwanzig oder dreißig Jahre als „Tänzerin“ oder „Gefährtin“ verkauft wurden, um den Unterhalt ihrer Familien zu sichern oder Schulden abzutragen (natürlich praktizierten nicht alle Twi’lek diese Praxis).
Ihr gefiel das nicht und sie spielte mit dem Gedanken, Lessu den Rücken zu kehren. Andererseits gab es auf Ryloth keine Infrastruktur, die eine alleinstehende Frau mit Kind unterstützte und ganz generell würde Chad es schwer haben, so ganz ohne familiären Rückhalt.
Weil ich inzwischen als Vaders persönlicher Adjutant sehr gut verdiente, lieh ich ihr tausend Credits (um ihren Stolz nicht zu verletzen, ich rechnete nicht wirklich damit, dass Chad jemals in der Lage sein würde, die Summe zurückzuzahlen).
Darüber hinaus konnte ich nichts für sie tun.
Natürlich ist es leicht, als Außenstehender hinzuzukommen und Veränderungen anzustoßen, aber würde es Chad wirklich besser gehen, wenn ich ihr beispielsweise einen Job in der Dooniumraffinerie in Kala’uun besorgte? Das war bestenfalls zweifelhaft …

„Ich weiß nicht, wo der Treffpunkt ist“, jammerte der Kapitän des Schmugglerschiffs. Nachdem man sein Schiff aufgebracht und ihn und seine Crew festgenommen hatte, war er zur Executor überstellt und verhört worden. Zunächst eine gewöhnliche Vernehmung, es gab mehr als genug Leute, die sofort alles zugaben und ihre Aussagen machten, sobald sie ein paar Tage in einer kleinen Arrestzelle verbracht hatten. Entweder das oder das Versprechen auf einen Strafnachlass, sollte es sich um ein eher geringes Vergehen handeln. Der dunkle Lord suchte den Treffpunkt der Syndikatsbosse und der Schmuggler, an dem diese ihre Deals aushandelten und es war anzunehmen, dass der Kapitän eines Frachters, mit dem bereits nachweislich Drogen geschmuggelt worden waren, diesen kannte. Also hatte man ihn unter Medikamente gesetzt, die sein Schmerzempfinden hochpegelten und gleichzeitig seine Willenskraft schwächten, aber er war hartnäckig bei seiner Aussage geblieben. Das wiederum brachte ihm das einmalige Erlebnis eines Verhörs durch Lord Vader. Der dunkle Lord war weder geneigt, ihm zu glauben noch sich sein Jammern anzuhören. Vader packte den Schmuggler mit einer Hand am Kragen, hob ihn hoch und warf ihn gegen die Wand, wo er halb bewusstlos in sich zusammensackte. Er hätte auch die Macht nutzen und tiefste, archaische Furcht hervorrufen können, aber sorgfältig kalkulierte Brutalität war ebenso wirksam. Und auf eine gewisse Weise befriedigender … Vader näherte sich dem Schmuggler und zog ihn wieder zu sich hoch. „Ich habe es satt, danach zu fragen“, drohte er. „Wo ist der Treffpunkt?“

Ein paar Tage später besuchte ich Aayla’a.
Chad hatte ein paar familiäre Kontakte spielen lassen und nannte mir eine Adresse in einem verrufenen Viertel von Lessu. Dann sagte sie noch, dass mir nicht gefallen werde, was ich dort finde würde …
Ich traf mich mit Aayla’a in der Bar, in der sie arbeitete, und diesmal begleiteten mich Praji und Jir hinein (auch wenn die Bar zu dieser Tageszeit noch offiziell geschlossen war). Sie sahen sich um und Jir runzelte missbilligend die Stirn, wohingegen Praji lospolterte: „Wenn ich einen meiner Jungs in so einem Schuppen erwische, gibt’s einen Satz heißer Ohren …“
Ich setzte mich mit Aayla’a in eine der Nischen, wohingegen sich Praji und Jir sich an die Bar zurückzogen, so dass wir ungestört reden konnten. Offen gesagt wusste ich zuerst gar nicht, was ich sagen sollte. Wir sprachen über dies und das, schließlich sagte ich: „Es tut mir so leid. Aber wie kommt es, dass du ausgerechnet hier … arbeitest?“
„Kilian“, sagte Aayla’a nachsichtig, „du bist so richtig süß in all deiner Unschuld. Ist es das, was dein Monster so an dir mag?“
Nun ja. Für die meisten Personen in dieser Galaxis war Vader vermutlich genau das: ein Monster. Aayla’a stürzte den Drink vor sich in einem Zug hinunter und schenkte sich gleich noch einen ein.
„Meine Familie meinte, dass ich inzwischen zu alt für eine Heirat sei, aber ruhig noch ein paar Jährchen tanzen könne. Tanzen und Singen. Du erinnerst dich?“
Oja, ich erinnerte mich.
„Aber was ist mit den Credits, die du nach Dienstende bekommen hast?“
Gemessen am geleisteten Zeitraum war es nicht viel, aber so unmittelbar war es schon eine Summe, mit der man etwas anfangen konnte.
„Meine Familie hatte ein todsicheres Geschäft in Aussicht“, sagte Aayla’a. „Also habe ich ihnen mein Geld gegeben. Und dann entwickelte sich das angeblich todsichere Geschäft zur Pleite und die Credits waren weg.“
Tragisch. Obwohl die Credits mit Sicherheit nicht weg waren. Sondern sie inzwischen nur ein anderer besaß …
Aayla’a starrte in ihren Drink.
„Und du bist tatsächlich den ganzen weiten Weg hierhergekommen, nur um uns zu besuchen?“
Ich nahm einen Schluck von dem Drink, den Aayla’a mir eingeschenkt hatte.
„Nicht nur“, sagte ich. „Ich bin mit Vader hier. Er jagt Schmuggler und Syndikatsbosse, weil beides inzwischen Formen annimmt, die nicht mehr tolerierbar sind.“

Der Einsatz der Todesschwadron gegen Drogensyndikate und Schmuggler erwies sich als Schlag ins Wasser.
Während meiner Besuche auf Ryloth war Vader nicht untätig geblieben, seine Schiffe hatten ein paar Schmuggler aufgebracht, die Crews verhaftet und anschließend verhört.
Der Treffpunkt der Syndikate war ein namenloser, dünn besiedelter Planet irgendwo in der Nähe des Hutt-Territoriums. Eine typische, völlig bedeutungslose Randwelt: ein paar Bauern und ein paar Kleinstädte, deren größte einen Raumhafen besaß.
Und ein Sortiment aller auf Welten wie dieser verbreiteten Kriminellen (Schmuggler, Piraten, Mörder), die sich hier versteckten oder ihren Rückzugsraum hatten.
Eigentlich war es noch schlimmer: die Bewohner solcher Welten sahen in eben diesen Kriminellen eine Bereicherung – sie brachten Diebes- und Schmuggelgut, kauften Lebensmittel, Ersatzteile und gewerbsmäßige Zuneigung, kurbelten also die Wirtschaft an.
Eine imperiale Präsenz gab es nicht, nur ab und zu flog Captain Slavin Patrouille und zeigte Flagge, aber das war es auch schon.
Wir fielen getarnt aus dem Hyperraum und legten uns auf die Lauer. Der Zeitpunkt für das Treffen kam und er verging, aber es trafen weder Syndikatsbosse noch Schmuggler ein. Captain Piett starrte finster auf den Planeten hinab.
„Wir sind verraten worden“, sagte er.

Die Verärgerung Vaders über diesen Fehlschlag zeigte sich dadurch, dass er die planetaren Regionen, in denen hauptsächlich Drogen angebaut wurden, von unseren TIE-Jägerstaffeln bombardieren ließ – hier würde so schnell nichts mehr wachsen.
„Das ist nicht richtig“, meinte ich. „Wir wissen doch gar nicht, ob die Bauern dazu gezwungen werden, die Drogen anzubauen oder ob diese als einziges ein auskömmliches Leben ermöglichen. Was ist eigentlich aus Eurer bewährten Vorgehensweise geworden, zuerst Angehörige der planetaren Regierung mit der Macht zu würgen oder an die Wand zu werfen?“
„Die planetare Regierung dieser Welt beherrscht die Hauptstadt, den Raumhafen und das nähere Umland“, sagte Vader. „Die übrige Welt beherrschen kriminelle Gangs oder gut organisierte und bewaffnete Gemeinschaften. Manchmal auch eine Kombination aus beidem.“
„Seid Ihr Euch da sicher?“, fragte ich.
„Ich stamme von einer Welt wie der diesen“, bemerkte Vader. „Ich weiß, wovon ich rede.“
Und ich nicht.
„Die ganzen Drogen, die im Spice Triangle und anderswo angebaut werden, wirken zerstörerisch. Auf Individuen und auf ganze Gesellschaften. Auch hier weiß ich, wovon ich rede.“
Spielte Vader jetzt auf seine Heimatwelt an oder verfügte er über persönliche Erfahrungen mit Drogen? Ich sagte länger nichts in der Hoffnung, ihn zum Weiterreden zu animieren, doch diesmal schwieg der dunkle Lord sich aus.
„Wir werden nach Ryloth zurückkehren“, sagte er schließlich. „Captain Piett hat Recht. Irgendjemand verrät uns. Und ich werde herausfinden, wer das ist.“
Rampart, Slavin, Mors und Dray …

Vaders erstes Opfer, wenn man so will, war Gouverneur Mors.
Wir überfielen sie mehr oder weniger unangemeldet und Vader hatte diesmal nicht nur ein paar Sturmtruppler, sondern – untypischerweise – auch Dr. Vapasi mitgebracht.
„Doktor, stellen Sie fest, ob Gouverneur Mors diensttauglich ist.“
Eine Blutabnahme und einen Drogentest später wussten wir, dass Mors schwer Ryllabhängig war.
Vader versetzte sie kurzerhand in den einstweiligen Ruhestand und Dr. Vapasi ordnete eine Entzugsmaßnahme an. So oder so, Mors‘ Karriere war damit so gut wie beendet.
Anschließend wandte Vader sich Colonel Dray zu.
„Sie haben von Mors Abhängigkeit gewusst und sie trotzdem im Amt belassen.“ Vader drängte Dray gegen die Wand. „Damit Sie ungestört ihren illegalen Geschäften mit den Syndikaten nachgehen konnten.“
Der Colonel versuchte erfolglos, Vader und seinen Anschuldigungen zu entkommen.
„Nein“, rief er verzweifelt, „nein, das ist nicht wahr.“
Der Colonel war offenbar Vaders Hauptverdächtiger, denn er legte den Daumen seiner rechten Hand unter Drays Kinn und die übrigen Finger verteilt zwischen Schläfe und Hinterkopf, las in dessen Gedanken wie in einem Buch. Dann ließ er plötzlich von ihm ab und Dray konnte sich nur noch mit Mühe auf den Beinen halten.
Ich verstand diese Reaktion nur zu gut: es gab fast nichts beängstigenderes, als unvorbereitet einer mentalen Attacke dieser Art ausgesetzt zu sein.
„Sie haben tatsächlich nichts mit dem Drogenhandel zu tun“, räumte Vader ein. „Aber Sie haben sich ein Amt angemaßt, dass Ihnen nicht zusteht. Bis der Interimsgouverneur hier eintrifft, werden Sie sich nur noch ihren Aufgaben widmen. Er wird über Ihre weitere Verwendung entscheiden. Wegtreten.“

„Sie haben einen Venator“, sagte Vader und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Slavin. „Warum haben Sie nicht wenigstens ab und zu ein paar Drogenplantagen in Schlacke verwandelt?“
Slavin begann zu schwitzen. Aus einem ausgestreckten Zeigefinger konnte schnell ein gekrümmter Zeigefinger und somit Vaders berüchtigter Machtwürgegriff werden …
„Es gibt im Spice-Triangle Dutzende von Welten, die außer ihren Bewohnern niemand kennt und die alle ihre Einkünfte mit den Anbau von Drogen aufstocken“, sagte Slavin.
Womit er nicht ganz Unecht hatte, der Name „Spice-Triangle“ kam ja nicht von ungefähr.
„Außerdem …“ Slavin verstummte.
„Was außerdem?“, fragte Vader, zunehmend ungeduldig.
„Ich will niemanden in Schwierigkeiten bringen“, sagte Slavin, „Aber Rampart hat uns zunehmend in Bedrängnis gebracht. Zuerst blieben Anforderungen für Ersatzteile und neues Personal nur liegen, so erweckte es zumindest den Anschein. Es wurde aber immer schlimmer und beeinträchtigte schließlich unsere Einsatzfähigkeit.“
Das klang plausibel, ein Venator besaß bei weitem nicht die Ladekapazitäten eines Sternenzerstörers, führte also nur verhältnismäßig wenige Ersatzteile mit sich, wohingegen ein ISD jahrelang abseits jeglicher Versorgungsrouten operieren konnte. Vader schien nichts an Slavin wahrzunehmen, das seine Worte Lügen strafte und ließ ihn wegtreten.
„Admiral Rampart also“, sagte Vader. „Das ist schwer zu glauben …“

Nach Captain Slavins Aussage hackte Vader sich in die imperialen Datenbanken Ryloths, die Einsatzprotokolle von Admiral Ramparts Sternenzerstörer und dessen privaten Aufzeichnungen.
Tatsächlich fanden sich Hinweise, die Rampart schwer belasteten: Beteiligung am Drogen- und Frauenhandel bis hin zur Unterstützung bzw. dem Zulassen von Rebellenaktivitäten.
Vader fackelte nicht lange und suchte Admiral Rampart auf der Brücke seines Sternenzerstörers auf.
Als Rampart erkannte, dass er das Ziel des dunklen Lords war, sah er sich hektisch nach einer Fluchtmöglichkeit um, die es auf der Brücke eines Sternenzerstörers aber nicht wirklich gab.
Vader packte Rampart mit der Macht am Hals, so dass dieser röchelnd zu Boden ging.
„Sie arbeiten mit Drogen- und Frauenhandelssyndikaten zusammen und unterstützen rebellische Umtriebe, namentlich die von Hera Syndulla“, beschuldigte Vader den Admiral. „Und Sie haben das Ziel unseres Einsatzes an die Syndikate verraten, so dass die gesamte Aktion ein Fehlschlag war!“
Rampart, den sicheren Tod vor Augen, gab alles zu: „Ja, ich habe Geschäfte mit den Syndikaten gemacht und Rebellenaktivitäten zugelassen“, presste er hervor. „Aber ich habe den Einsatz der Todesschwadron an niemandem verraten!“
Vader übte mehr Druck auf den Admiral aus.
„Wer, wenn nicht Sie?“
„Das weiß ich nicht“, keuchte er. „Aber es gibt einen neuen Syndikatsboss. Niemand weiß, wie weit oder wohin seine Beziehungen reichen … Wir konnten über ihn lediglich herausfinden, dass er den Frauenhandel meidet und seine Geschäfte von Lessu aus betreibt.“
Als Rampart das sagte, breitete sich ein flaues Gefühl in mir aus. Das konnte doch nicht sein, oder doch?

Als Vader bemerkte, dass in mir etwas vorging, ließ er von Rampart ab.
„Schafft ihn weg!“, befahl er den Sturmtrupplern, die uns begleiteten.
„Kilian?“, fragte er dann.
„Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen, aber … möglicherweise habe ich unabsichtlich unseren Einsatzplan verraten.“
Vader hielt inne.
„Ihr habt WAS?!“
„Unseren Einsatzplan verraten“, sagte ich kleinlaut.
Vader hakte abwartend die Daumen hinter den Gürtel.
„Wie Ihr wisst, habe ich meine ehemaligen Arbeitskolleginnen besucht. Aayla’a arbeitet in einer Bar und ich habe ihr im Laufe unseres Gesprächs erzählt, dass wir hier sind, um Schmuggler und Syndikatsbosse zu jagen.“
Das war zwar nichts Konkretes mit Ort, Datum und Unterschrift, aber trotzdem – wie kann man nur so blöd sein?
„Und Eure ehemalige Arbeitskollegin hat diese Information vermutlich sofort weitergegeben“, mutmaßte Vader. „Das war sehr unbedacht von Euch.“
Wie wahr, wie wahr.
Vader ballte die Hand zur Faust. Jetzt würde ich nehmen müssen, was immer er für mich bereit hielt …
Doch Vader zögerte und einen Augenblick lang glaubte ich, dass er von einer Strafe absehen würde. Eigentlich konnte er mir nicht durchgehen lassen, was er bei anderen streng bestrafte.
Und aus genau diesem Grund ballte er erneut die Faust und schlug mir mitten ins Gesicht.
Ich taumelte ob der Wucht es Schlages zurück und hielt mir die malträtierte Nase, während Vader an mir vorüber schritt.
„Kilian“, sagte er, „Mitkommen!“

Wir flogen nach Lessu, um die Bar aufzusuchen, in der Aayla’a arbeitete.
Bis wir unten ankamen, hörte das Nasenbluten auf, dafür entwickelte sich unter meinem linken Auge ein wunderschönes Veilchen.
Nun ja. Jetzt war auch ich ganz offiziell Mitglied der Todesschwadron …
Ich zeigte Vader und den Sturmtrupplern die Bar, in der ich Aayla’a getroffen hatte, und ging selbst mit hinein.
Was wir dort fanden, war schlimmer, als ich befürchtet hatte. Es war nämlich nicht so, dass Aayla’a die von mir erhaltene Information einem Syndikatsboss zukommen ließ – Aayla’a selbst war der Syndikatsboss! Offen gesagt war ich fassungslos.
Ich hockte mich neben sie auf den Boden, wo man sie mit Handschellen gefesselt und von Sturmtrupplern bewacht isoliert hatte, solange Vader die weitere Durchsuchung der Bar und die Datensicherung überwachte.
„Aayla’a“, sagte ich, „was machst du bloß?“ Hier konnte ich nicht mehr helfen …
„Die Gelegenheit war günstig, und deshalb habe ich zugegriffen“, entgegnete die Twi’lek achselzuckend. „Tun wir das nicht alle?“
Naja, ich weiß nicht …
„War das dein Monster?“ fragte sie und deutete auf mein blaues Auge.
„Ja“, sagte ich.
„Ich würde bei keinem Mann bleiben, der mich schlägt.“
Ich stand verärgert auf.
„Das war dienstlich“, sagte ich. „Und letztendlich habe ich diese Maßregelung dir zu verdanken.“
Aber es stimmte natürlich schon, dass Vader mich zweimal fast umgebracht und einmal entführt hatte. Andererseits war es natürlich keine gute Idee, einen Mann wie Vader anzugreifen oder ihm hinterher zu spionieren. Und auf Vjun hatte er mir lediglich die Gelegenheit gegeben, ihn besser kennenzulernen. Sonst nichts.

Ich stand an den Sichtluken der Hauptbrücke und ließ mich von den leuchtenden Hyperraumwirbeln hypnotisieren.
Dass ausgerechnet Aayla’a zur Chefin eines Drogensyndikats aufgestiegen war, machte mich noch immer fassungslos. Nicht einmal helfen würde ich ihr können, die Beweislast war erdrückend.
Irgendwann bemerkte ich, dass ich Gesellschaft bekommen hatte.
Vader.
„Hat Rampart sich inzwischen geäußert, warum er das gemacht hat?“, fragte ich.
Das war eine weitere Sache die ich nicht verstand. Warum arbeitete ein Mann wie Rampart mit Kriminellen zusammen und ließ Aufständische gewähren? Ein Mann, der für die Neue Ordnung regelrecht gebrannt und mehrere wichtige Kampagnen geleitet hatte?
Vader schwieg eine Zeitlang.
„Rampart fühlte sich bei Beförderungen übergangen und nach Ryloth abgeschoben“, sagte er dann. „Weshalb er sich wohl wenigstens finanziell schadlos halten wollte.“
„Was geschieht jetzt mit beiden?“, fragte ich.
„Das wird ein Gericht entscheiden“, entgegnete Vader.
Ich nickte verstehend. Todesstrafe oder lebenslang Internierungslager. Bei dieser Auswahl fiel es mir schwer zu entscheiden, was schlimmer war …

 

EMPIRE AT WAR:
Bracca

Ein leichter, milder Wind spielte mit meinem Haar und trug eine erste Ahnung von Frühling mit sich. Ich stand mit Vader auf einer Aussichtsplattform und wir sahen in den nächtlichen Himmel über Coruscant. Funkelnde Sterne beleuchteten eine Szenerie, in der es eigentlich nichts zu sehen gab. Eine riesige Baugrube breitete sich zu unseren Füßen aus – sicherlich an die zwanzig Klicks lang und mehr als fünf breit. Ich starrte weiter angestrengt ins Firmament, bis ich ein leichtes Flirren erkannte, das sich langsam, aber stetig näherte. Das Flirren wuchs in Länge und Breite, wandelte sich in ein Wabern, welches an erhitzte Luft über heißen Asphalt erinnerte. Ein Schiff mit aktivierter Tarnvorrichtung. Was ich hier zusammen mit Vader beobachtete, unterlag strengster, ja absoluter Geheimhaltung: der Imperator ließ hier ein Fluchtschiff verstecken für den Fall, dass sich dies jemals als notwendig erweisen sollte. Bei dem Schiff handelte es sich um das Schwesternschiff der Executor, die Lusankya. Jenes Schiff, dass der Imperator mit abgezweigten Geldern heimlich hatte bauen lassen.

„Vader“, sagte ich. „Wie stellen wir angesichts dieser Baugrube eigentlich sicher, dass diese Angelegenheit geheim bleibt?“

„Wir haben verbreiten lassen, dass es sich um den Bau eines neuen planetaren Schildgenerators handelt“, erklärte der dunkle Lord. „Die Behauptung, dass die Maßnahme dem persönlichen Schutz der Bürger dient, reduziert den Widerstand gegen diese Maßnahme auf nahe Null.“

Schlau eingefädelt …

„Nichtsdestotrotz existieren viele Mitwisser. Alleine die Mannschaft des Schiffes, die Projektleiter, die Arbeiter …“

Vader sagte nichts und wir beobachteten weiter, wie das gigantische Schiff sich langsam in die Baugrube senkte. Ebenso langsam sackte die Befürchtung, dass mir die Antworten auf diese Fragen möglicherweise nicht gefallen würden.

„Es ist nicht so, wie Ihr denkt“, sagte Vader.

„Nicht?“

„Es ist ein verbreiteter Irrtum anzunehmen, dass geheime Projekte umso schneller bekannt werden, je mehr Personen an ihnen arbeiten. Das ist mitnichten so. Die allermeisten Beteiligten glauben, an einem Projekt zur Verteidigung Coruscants zu arbeiten. Ihre Aufgaben entsprechen dem, was beim Neubau eines Schildgenerators zu erwarten ist. Jeder weiß nur, was für die Erfüllung seiner Aufgabe unbedingt erforderlich ist. Das ist nicht ausreichend, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

Vader schwieg und wir beobachteten weiter, wie das gewaltige Schiff unter Zuhilfenahme seiner Repulsoren und zusätzlicher Kraftfeldgeneratoren verankert wurde. Kompartimierung und Need to know …

Nach dem ersten – und erfolgreichen – Einsatz der Todesschwadron waren wir wieder auf dem schnellsten Weg nach Coruscant zurückgekehrt. Dabei hatte Vader die Kapitäne seines Verbandes verschiedene neu zugängliche Hyperraumrouten ausprobieren lassen, die das ISB beim Auswerten bisher geheimer Informationen im Jedi-Tempel entdeckt hatte. Vader zufolge hatten die Jedi interessanter Weise selbst keine Ahnung gehabt, was in ihren Archiven so alles der Vergessenheit anheimgefallen war …

Natürlich hielt auch das ISB bzw. die Imperiale Sternenflotte diese wiederentdeckten Routen geheim, so dass wir ohne weitere Verzögerungen gerade so rechtzeitig nach Coruscant gelangten, dass Vader das Vergraben der Lusankya persönlich überwachen konnte.

„Warum kommt der Imperator eigentlich nicht selbst?“, fragte ich. „Es ist immerhin sein Fluchtschiff.“

„Weil er sich von einer Herzoperation erholt, der er sich heute Morgen unterzogen hat“, sagte Vader.

Ach so? Nun ja, Palpatine war ein alter Mann … Ob der Imperator dieses Schiff jemals benötigen würde? Denn sollte die Lusankya starten und in der Atmosphäre Coruscants in den Hyperraum springen, würde sie dabei Millionen, wenn nicht Milliarden Bürger töten …

Cal zog sich hoch und stieß sich gleichzeitig ab, so dass er einen weiteren Vorsprung erreichte. Fast da. Nur noch ein kleines Stück, dann hatte er die blockierten Klemmen erreicht und konnte die Kabel sichern. Diese Arbeit war nicht nur elend anstrengend, sondern auch hochgradig gefährlich, so dass der Vorarbeiter ihnen beiden, Prauf und Cal selbst, den doppelten Lohn versprochen hatte.

Cal Kestis war ein junger Mann, der fast sein ganzes bisheriges Leben auf Bracca verbracht hatte. Auf dieser Abwrackwerft, um genau zu sein. Hier wurden alte, ausgediente Raumschiffe auseinander gebaut, um die Metalle und sonstigen Materialien, aus denen man sie einst gefertigt hatte, einer erneuten Verwertung zuzuführen bzw. um hochgiftige Komponenten zu entsorgen.

In den letzten Monaten hatten sie aus einem Depot einige Venatoren zum Abwracken bekommen. Schiffe, die zu beschädigt waren, als dass eine Reparatur noch lohnen oder sich ein Käufer finden würde. Alleine durch ihre schiere Größe war der Rückbau dieser Kriegsschiffe risikoreicher als beispielsweise der gewöhnlicher Korvetten oder Yachten. Der Venator war längsseits aufgebockt, so dass Cal sich in einer Höhe von fast fünfhundert Klicks bewegte. Der Wind wehte hier oben kräftiger und Cal musste aufpassen, dass er nicht abstürzte.

An sein Leben vor Bracca konnte sich der junge Mann nur noch verschwommen erinnern. Dann war irgendetwas geschehen, das er später als „Order 66“ zu benennen wusste. An seine Flucht zusammen mit Meister Tapal konnte er sich schon besser erinnern und auch daran, wie der ihn hier in der Obhut des Abednedos Prauf zurückgelassen hatte. Im Laufe der Zeit wurde Prauf zu Cals Ersatzvater, der seinem jungen Schützling alles beibrachte, was dieser vom Leben und der Arbeit auf der Werft wissen musste. Die wichtigste Lektion dabei war, wie Cal seine besonderen Talente verbarg und neugierigen Fragen aus dem Weg ging …

Ilco Prauf war nicht der Ansicht, dass es Cal gut gelang, diese Talente vor der Galaxis zu verbergen.

„Du wirst leichtsinnig“, warf er ihm vor, als Cal und er wieder einen sicheren Standort erreicht hatten, „du hast schon wieder die Macht benutzt, um auf dem Wrack herumzuturnen wie ein Affe.“

Ein freches, jungenhaftes Grinsen wanderte über Cals Gesicht.

„Menschen sind Affen.“

„Cal“, sagte Prauf, „Das ist kein Spiel. Deine Fähigkeiten fallen auf. Woher willst du wissen, dass dich nicht irgendwann jemand beim Imperium anschwärzt?“

Cal wirkte mit einem Mal zerknirscht. Er kletterte gerne auf den Wracks herum und die Macht zu benutzen war für ihn etwas völlig natürliches, über das er nicht weiter nachdachte. Außerdem brachten seine Fähigkeiten ihnen beiden ein höheres Einkommen, als es die Abwrackgilde für gewöhnlich zahlte. Und damit kamen die Neider …

„Sie wollen also Anzeige erstatten“, sagte der Beamte des Imperialen Verbindungsbüros.

Der etwas schmuddelig aussehende Mensch nickte eifrig.

„Und was veranlasst Sie zu glauben, dass dieser Cal Kestis ein Jedi ist?“

Der Imperiale war an diesen Fall nicht wirklich interessiert. Ein Jedi? Hier? Auf Bracca? In einer Abwrackwerft? Das war mehr als nur unwahrscheinlich und störte ihn in seinen meditativen Betrachtungen, bevor er endlich in die Mittagspause gehen konnte. Davon abgesehen gab es mehr als genug wenig wohlwollende Mitmenschen, die andere aus purer Boshaftigkeit anschwärzten …

„Dieser Bursche klettert auf den Wracks herum, als gäbe es keine Schwerkraft“, sagte der Mann. „Das ist doch nicht normal.“

Nun, das war in der Tat nicht normal. Andererseits würde das bedeuten, dass mindestens ein Inquisitor, wenn nicht sogar Darth Vader höchstselbst hier auftauchen würde, sollte sich die Anschuldigung als zutreffend herausstellen. Das galt es unbedingt zu vermeiden. Andererseits wären die Konsequenzen fatal, sollten sie tatsächlich einen Jedi unbehelligt lassen. Der Beamte warf einen Blick in die Akte des Mannes, der die Anklage führte: Zwei kleinere Diebstähle in der Jugend. Randalieren und Fahren eines Speeders unter Alkoholeinfluss. Die ID-Karte nicht mitgeführt. Das Übliche eben … Der Beamte seufzte innerlich. Er würde nicht darum herumkommen, diesen Fall zu melden.

„Wir werden das prüfen“, sagte er, darauf hoffend, dass der Fall in der Bürokratie unterging …

Vader stand vor dem großen Panoramafenster seiner Wohnung im obersten Stockwerk des Republica 500 und blicke auf das nächtliche Coruscant. Als er mich bemerkte, wandte er den Kopf, lächelte und zog mich näher zu sich heran.

„Ich hatte eine Vision von Bracca“, sagte er schließlich. „Irgendetwas stimmt dort nicht.“

Das einzige von Bedeutung auf Bracca waren seine Abwrackwerften, die von der Schrottsammlergilde verwaltet wurden. Was konnte da schon nicht stimmen?

„Ich kann ein paar Recherchen anstellen“, bot ich an.

Eigentlich hatte ich Morgen vormittags zur Uni und mich nachmittags mit Silk treffen wollen, aber als Vaders persönlicher Adjutant war man für gewöhnlich gemeinsam mit ihm im Dienst und zwar solange, bis er etwas machte, bei dem er keinen Adjutanten benötigte und einen wegschickte oder bis er den Dienst beendete.

Am nächsten Morgen ließ ich mir die Quartalszahlen, die Bilanzen und die Jahresberichte der Schrottsammlergilde aus den letzten Jahren kommen. Vader hatte Recht. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Anzahl der Schiffe, die auf Bracca zurückgebaut wurden, blieb konstant, aber die Einnahmen sanken seit ein paar Quartalen kontinuierlich, obwohl die Preise für kriegstaugliche Materialien gestiegen waren. Warum? Zweigte hier jemand Gelder ab wie damals beim Bau der Executor?

Korruption wurde in dieser Welt schon immer mit einer gewissen Nonchalance behandelt, solange die Beteiligten es damit nicht übertrieben. Ich kannte mich zwar ein wenig mit der Materie aus, aber Experten würden aus den Bilanzzahlen noch wesentlich mehr herauslesen können als ich.

„Heuert diese Wirtschaftsberater an, die die Unterschlagungen bei KDY entdeckt haben.“

„Mache ich“, sagte ich. „Falls sie den Auftrag annehmen.“

Vader erhob sich.

„Falls nicht, mache ich ihnen ein Angebot, dass sie nicht ablehnen können.“

„Trilla Suduri“, sagte der Großinquisitor, „Sie werden Bracca übernehmen. Dort ist ein junger Mann in den Abwrackwerften dadurch aufgefallen, dass er sich auf eine Weise in den Schiffen bewegt, die einem normalen Menschen nicht möglich ist.“

Suduri reagierte unwillig. Wie viele Jedi gab es denn noch, nach all den Jahren? Ein junger Mann – das bedeutete, dass er beim Fall es Jedi-Ordens ein Kleinkind gewesen sein musste. So jemand stellte nicht die geringste Gefahr dar …

„Auch normale Menschen können durch frühzeitiges, intensives Training Leistungen erreichen, die denen eines Jedi nahekommen“, sagte sie.

Bracca. Ausgerechnet. Der Schrottplatz der Galaxis. Jedoch war der Großinquisitor heute nicht geneigt, sich den Launen Suduris zu beugen.

„Ich habe noch ein persönliches Training mit Lord Vader im Angebot“, schnurrte er deshalb.

Suduri schauderte. Der dunkle Lord hasste die Inquisitoren mit Inbrunst und ließ sie das bei jeder Gelegenheit spüren. Allerdings glaubte Suduri nicht wirklich, dass ein vielbeschäftigter Mann wie Lord Vader das Training von Inquisitoren Sorgen bereitete. Jedenfalls war er schon lange nicht mehr dagewesen. Glücklicherweise … Doch ein leiser, bohrender Zweifel blieb. Suduri gab sich geschlagen.

„Ich nehme Bracca.“

Man musste wissen, wann man verloren hatte.

„Gut“, sagte der Großinquisitor und erlaubte sich ein angedeutetes, boshaftes Lächeln. „Ich wusste, dass Sie vernünftig werden würden.“

Fredi erwies sich als Problem.

„Nein“, sagte sie. „Nein, nein, nein und nochmals nein. Ich komme auf gar keinen Fall mit nach Bracca. Ich kann gut auf Gerenne, Geschrei und Blasterschüsse verzichten, obwohl ich glaube, dass die Herren Witt und Redus als Veteran der Klonkriege beziehungsweise als Absolvent einer Militärakademie ihren Spaß damit haben werden.“

„Aber es ist doch gar nicht gesagt, dass es soweit kommt“, wandte ich ein.

„Überall da, wo Lord Vader auftaucht, gibt es Ärger“, echauffierte sich die junge Frau. „Hier eine Regierung des Amtes enthoben, da jemanden über Bord geworfen oder dort einen Aufstand niedergeschlagen!“

Nun ja. Und das war nur das, was es in die Medien geschafft beziehungsweise das, von dem Vader wollte, dass es allgemein bekannt wurde.

„Keine Antwort ist auch eine Antwort“, schimpfte sie weiter. „Ohne mich!“

Mit diesen Worten flüchtete sie erst aus dem Konferenzraum und anschließend aus der Kanzlei. Weit kam sie nicht …

Fredi betrat das Parkdeck, auf dem die Mitarbeiter und Mandanten der Coruscant-Treuhand ihre Speeder abstellten. Geschafft! Anschließend wühlte sie in den Taschen ihres Businessanzuges nach der Chipkarte, die sie ihrem Fahrzeug gegenüber als Besitzer legitimieren würde. Sie würde sich nach Hause begeben und die nächsten Tage im Homeoffice verbringen. Danach bestand hoffentlich keine Gefahr mehr, zu einem Ausflug nach Bracca genötigt zu werden. Ah. Da war sie ja …

Bevor Fredi jedoch ihren Speeder starten konnte, hörte sie hinter sich plötzlich ein lautes, mechanisches Atemgeräusch.

„Fredi Glos.“

Die junge Frau erschrak und wandte sich langsam um. Und stand Darth Vader gegenüber.

„L-lord Vader“, stotterte sie.

„Es freut mich, dass auch Sie sich unseren Ermittlungen auf Bracca anschließen können“, sagte der dunkle Lord. „Kilian und die Herren Witt und Redus werden gewiss bald folgen.“

Fredi nickte mechanisch.

„Gut“, sagte Vader. „Und wenn die Dame jetzt in ihren Speeder einsteigen, nach Hause fahren und ihre Sachen packen würde, dann könnten wir morgen früh um 0700 starten …“

„Sind das alle?“, fragte Trilla Suduri und schritt die Reihe der Arbeiter ab, die die sie unterstützenden Auslöschungstruppler aus dem Zug geholt hatten, der zwischen den Werften und den Wohnsiedlungen der Arbeiter pendelte.

Das Imperiale Verbindungsbüro hatte einen des Jediismus verdächtigten jungen Mann gemeldet, konnte aber keine weiteren Angaben machen oder Bildmaterial liefern. Das verzögerte die Arbeit der Inquisition, verhinderte sie aber nicht. Dann musste man halt ein wenig improvisieren. Suduri war das nur recht, konnte sie sich so länger und weit entfernt vom Hauptquartier der Inquisition und Darth Vader aufhalten.

„Ja, Ma’am“, sagte der Sergeant, „das sind alle, die sich im Zug befunden haben.“

Inquisitoren waren, verglichen mit ausgebildeten Jedi, nicht besonders stark in der Macht. Suduri war deshalb froh um die sie begleitenden Auslöschungstruppler, handverlesene Sturmtruppler, ausgebildet, verbliebene Jedi aufzuspüren und zur Strecke zu bringen. Suduri ging die Reihe der Arbeiter ein weiteres Mal ab und lauschte in die Macht. Der Jedi war hier. Aber in einem Lebewesen, das den Orden der Jedi bereits wieder als kleines Kind verlassen hatte und nicht weiter ausgebildet worden war, manifestierte sich die Macht normalerweise nur schwach oder brach sich erst unter massivem Druck Bahn. Wenn überhaupt. Suduri winkte den großen Abednedo aus der Reihe.

„Wie heißen Sie?“

„Mein Name ist Ilco Prauf“, antwortete dieser.

„Was haben Sie früher gemacht?“

Suduri ging einmal um den Abednedo herum.

„Ich war Ingenieur in einer Werft, die Raumschiffe baut.“

Suduri grinste boshaft.

„Und nun sind sie Demonteur. Was für eine Karriere“, höhnte sie.

Sie entfernte sich etwas von den aufgereihten Arbeitern.

„Einer von euch ist der Jedi, den wir suchen“, sagte sie und ließ ihren Blick über die Reihe schweifen. „Wenn er sich nicht freiwillig meldet, werde ich Ilco Prauf töten.“

Mit diesen Worten aktivierte sie ihr Lichtschwert. Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig.

„Nein!“, rief Cal und stürzte sich auf Suduri, die ihn mit einem Machtstoß abwehrte. Die Auslöschungstruppler hoben ihre Blaster, um die Arbeiter und Cal in Schach zu halten, falls jemand von ihnen versuchen sollte zu fliehen. Prauf hingegen warf sich zu Boden, um Blasterschüssen zu entgehen.

„Cal, lauf weg, du kannst uns hier nicht helfen!“, rief der Abednedo.

Cal zögerte kurz, warf einen Blick auf Suduri, die sich ihm mit gezücktem Lichtschwert näherte und wich vor ihr zurück. Einen Schritt. Zwei Schritte. Prauf hatte Recht. Er konnte hier niemandem von Nutzen sein. Aber vielleicht sich selbst retten. Er kannte sich gut aus in der Werft, kannte jedes Versteck, jeden Weg, der einem Fremden ungangbar schien. Cal warf sich herum und lief weg.

„Nicht schießen“, sagte Suduri und die Auslöschungstruppler senkten ihre Blaster. Vielleicht konnte Cal Kestis ein brauchbarer Inquisitor werden. Aber dazu musste sie ihn erst einmal fangen …

„Lord Vader“, sagte der Leiter des Imperialen Verbindungsbüros und verneigte sich. „Es ist mir eine Freude und Ehre, Euch auf Bracca begrüßen zu dürfen.“

Vader hakte die Daumen hinter den Gürtel.

„Kilian“, sagte er. „Ich wäre ein reicher Mann, bekäme ich jedes Mal einen Credit, wenn die Leute sich vorgeblich freuen, mich begrüßen zu dürfen.“

Ein wenig subtile Einschüchterung gehörte zu Vaders Tagesgeschäft.

„Mein Lord“, antwortete ich, „Ihr seid ein reicher Mann.“

Wir waren inzwischen ein gut eingespieltes Team und ich hatte schnell Gefallen daran gefunden, Vader dabei zu unterstützen, eingebildete Offiziere auf entfernten Planeten aus dem Konzept zu bringen.

„Sir?“, fragte der Leiter des Imperialen Verbindungsbüros und sein Blick wanderte verunsichert von Vader zu mir und wieder zurück.

„Sie schieben hier eine ruhige Kugel und betrachten den Einsatz auf Bracca als eine angenehme Sackgasse für Ihre Karriere“, attackierte ich ihn. „Kümmern sich aber nur wenig um Ihre eigentlichen Aufgaben und interessieren sich nicht dafür, wenn auf den Abwrackwerften Material in so weitreichendem Umfang verschwindet, dass man es inzwischen aus den Bilanzen herauslesen kann.“

Aber der Leiter des Imperialen Verbindungsbüros ließ sich nicht so leicht einschüchtern und setzte sich zur Wehr.

„Das ist Sache der Abwrackgilde.“

„Wir reden hier nicht von ein paar Teilen, die von den Arbeitern an der Gilde vorbei verkauft werden, um ihre Löhne aufzubessern“, sagte Vader. „Es ist Ihre Aufgabe, Unregelmäßigkeiten zu erkennen und auszumerzen. Handeln Sie künftig danach oder Sie sind die längste Zeit Leiter des Imperialen Verbindungsbüros auf Bracca gewesen.“

„Ob er in der Sache mit drinsteckt?“

Die Frage war berechtigt. Korruption war in dieser Welt weit verbreitet und wurde meist nicht als krimineller Akt, sondern als eine Art Geschäft oder eine Gefälligkeit auf Gegenseitigkeit gesehen. Das war auch immer schon so gewesen, aber in den letzten Jahrzehnten der Alten Republik hatte korruptes Verhalten Formen angenommen, die komplexe Projekte von Beginn an untergrub und verhinderte und den Staat als solchen zunehmend handlungsunfähig machte.

Das Imperium hatte dies wiederum auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt und wer zu gierig wurde konnte von Glück reden, wenn man ihn auf einen Posten versetzte, der das Abgreifen von Geldern unmöglich machte. Die Frage, ob der Leiter des Imperialen Verbindungsbüros in der Sache mit drinsteckte, war also berechtigt.

„Ich glaube nicht“, sagte Vader. „Ich habe in ihm weder Furcht vor Entdeckung noch die Absicht der Täuschung gespürt.“

Vader anlügen ging nicht. Er bemerkte schon die Absicht und wer es trotzdem versuchte, hatte schnell ein Problem am Hals. Ich nickte.

„Hier geht etwas von Wichtigkeit vor sich“, sagte Vader. „Und ich werde herausfinden, was das ist.“

Cal hatte sich unter den Zug gerollt und war auf der anderen Seite wieder aufgetaucht. Das Abwracken ausgemusterter Raumschiffe fand im Freien statt und die „Werft“ zog sich entlang dutzender Klicks, wobei man die gewonnenen Teile sortenrein in Nähe der Gleise zwischenlagerte. Suduri liebte die Jagd, weshalb sie ihren Opfern gerne einen Vorsprung ließ. Dieser grüne Junge war offenbar die Meinung, sich in diesem planvollen Durcheinander verstecken und ihr entkommen zu können. Das war selbstverständlich ein Irrtum …

„… und dann sagte Captain Wrest: hören Sie auf, uns etwas vorzumachen. Wir wissen, dass Sie lügen, und Sie selbst wissen es ebenfalls. Und jetzt – können wir bitte unseren Speeder wiederhaben?!“

Kommandant Jir und ich lagen ob dieser Pointe der Geschichte, die uns Kommandant Praji soeben erzählt hatte, fast unter dem Tisch vor Lachen. Oja, Praji kannte eine Menge lustiger und unterhaltsamer Kriegsgeschichten, die er gerne zum Besten gab.

Eigentlich sollten Praji und Jir ein Auge auf mich und die Wirtschaftsberater haben, die die Bilanzen der Abwrackgilde durchsahen, Kennzahlen verglichen und Plausibilitätsprüfungen durchführten, aber unser aller Einschätzung nach war das unnötig: die Gilde selbst war daran interessiert, die Auffälligkeiten in ihren Bilanzen zu bereinigen und das Imperiale Verbindungsbüro zeigte sich angenehm desinteressiert. Die fehlenden Teile wurden vermutlich schlicht gestohlen, wahrscheinlich von den verhältnismäßig schlecht bezahlten Arbeitern selbst. Und weil die Werft nicht besonders gut bewacht wurde und die Diebstähle gut liefen, hatten sie es damit so übertrieben, dass es über lang oder kurz auch ohne Vaders Machtvision aufgefallen wäre.

Trotzdem ließ der dunkle Lord sich nicht davon abbringen, dass hier irgendetwas nicht in Ordnung war und hatte uns verlassen. Das wiederum bedeutete, dass er scheinbar ziellos solange auf dem Werftgelände herumstreichen würde, bis die Macht ihn dorthin führte, wo das Problem war …

Suduri war verärgert. Cal Kestis entzog sich ihr nun schon geraume Zeit. Es war ein Fehler gewesen, diesem Burschen nur der besseren Jagd wegen einen Vorsprung zu lassen. An sich hätte sie ihn längst erwischen müssen, aber der junge Mann kannte sich auf dem Werftgelände und in den Schiffswracks hervorragend aus und konnte sich ihr immer wieder entziehen. Vermutlich nutzte er dabei auch die Macht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das wiederum hieß, dass er ein starker Machtnutzer sein musste, zumindest stärker als sie selbst oder die anderen Inquisitoren. Und sie hatte die Auslöschungstruppler zurückgelassen, die sie eigentlich überall hin begleiten sollten

Cal begann zu glauben, dass er seine Verfolgerin nie wieder loswerden würde. Normalerweise müsste er sie schon längst abgeschüttelt haben, aber sie war ihm immer noch auf den Fersen. Außerdem machte er sich Sorgen um seinen Freund und Ziehvater Prauf. Hatten sie ihn etwa getötet? Cal konnte nicht glauben, dass Prauf tot sein könnte, was sollte er nur ohne ihn anfangen?

Der junge Mann war so in Gedanken versunken, dass er nicht besonders auf seine Umgebung achtete. Die Lagerhalle, die er gerade eben betreten hatte, enthielt gut erhaltene Bau- und Ersatzteile, die man bereits für den Versand fertig gemacht hatte. Cal stutzte, als er die Beschriftungen las, die Bestimmungsorte waren ihm vollkommen unbekannt, normalerweise gingen solche Teile an verschiedene Händlergilden oder zur Aufarbeitung an die Werften auf Corellia, Kuat oder Fondor.

Er hörte Stimmen, die seine Neugier weckten.

„Das ist nur eines unserer Lager“, hörte er jemanden sagen.

Cal schob sich näher, verdeckt durch einige Container. „Der Venator steht etwas außerhalb des eigentlichen Werftgeländes.“

Vorsichtig spähte er hinter einem der Container hervor und sah ein paar Werftarbeiter – Menschen und Abednedos – die mit einem etwas verwahrlost wirkenden Mann sprachen, der Kleidung, Aussehen und Gestus nach definitiv nicht hierher gehörte.

„Gut“, sagte der Angesprochene. „Sehen wir uns jetzt den Venator an. Wenn mir gefällt, was ich sehe, wird die Allianz Sie auf dem üblichen Weg entlohnen.“

Allianz? Was denn für eine Allianz? Cal begriff aber, dass hier Teile und ganze Raumschiffe unter der Hand verkauft wurden. Sie würden alle darunter zu leiden haben, sollte die Abwrackgilde oder das Imperium dahinter kommen …

Kommandant Praji öffnete ein Auge und beobachtete, wie wir – also Witt, Redus, Glos und ich – unsere Jacken und Mäntel anzogen und die Wirtschaftsberater ihre PADs zusammenpackten.

„Was soll denn das werden?“, fragte er und erhob sich aus dem Sessel, in dem er bislang ein Nickerchen gehalten hatte.

„Die Herren Redus und Witt wollen einige Zahlen überprüfen und haben sich paar Lager ausgesucht, um dort eine stichprobenartige Inventur durchzuführen“, sagte ich.

„Lord Vader möchte, dass Sie hier und in Sicherheit bleiben“, entgegnete Praji. „In einem weitläufigen Lager können wir das nicht gewährleisten.“

„Genau genommen hat er das nicht gesagt“, sagte ich. „Lord Vader sagte, dass Sie und Kommandant Jir ein Auge auf uns haben sollen.“

Praji verdrehte die Augen.

„Was ist hier los?“, fragte Kommandant Jir, der gerade zur Tür hereinkam, eine Tüte Fastfood in der Hand.

„Die Herren Wirtschaftsprüfer möchten gerne ein wenig in verschiedenen Lägern spazieren gehen“, schimpfte Praji.

Redus und Witt hatten die Diskussion aufmerksam verfolgt.

„Deshalb haben wir unsere Blaster dabei“, erklärte Witt.

„Können Sie damit überhaupt umgehen?“, fragte Jir.

Wie die meisten Leute ging der Kommandant fälschlicherweise davon aus, dass Büromenschen nicht mit Waffen umgehen konnten.

„Ich schon“, erklärte Redus.

Jir schnaubte abfällig.

„Kilian hat ihren Blaster bestimmt wieder auf dem Executor gelassen.“

„Diesmal nicht“, sagte ich.

„Ich hab’s gewusst“, beschwerte sich Fredi, „Jetzt geht das schon wieder los mit dem Gerenne, dem Geschrei und den Blasterschüssen …“

Eine Zeitlang war Suduri sich nicht sicher gewesen, wohin Kestis sich gewandt hatte. Aber jetzt spürte sie eine starke Machtpräsenz und näherte sich ihr langsam. Inquisitoren waren nicht stark in der Macht. So fiel Suduri nicht auf, dass die Machtsignatur sich von der des jungen Mannes, den nun schon viel zu lange verfolgte, deutlich unterschied und einem wesentlich stärkeren Machtnutzer gehören musste. Unverdrossen folgte sie dem vermeintlichen Cal Kestis in eine der Lagerhallen. „Hab ich dich“, flüsterte sie und zündete ihr Lichtschwert.

Vader bewegte sich lautlos durch die Lagerhalle. Er hatte den schwachen Machtnutzer schon lange gespürt. Vermutlich war dieser auch der Grund für seine Machtvision gewesen und nicht die Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen. Kilian hingegen war machtblind und suchte deshalb Probleme grundsätzlich außerhalb von Machtzusammenhängen. Trotzdem war es natürlich wünschenswert, übermäßigen Diebstählen einen Riegel vorzuschieben. Vader konzentrierte sich wieder auf den Machtnutzer, der sich ihm näherte. An sich hätte er erwartet, dass auch ein schwacher Machtnutzer vor seiner Machtsignatur floh, sobald er ihrer gewahr wurde. Vermutlich unerfahren und völlig ahnungslos …

„Hm“, brummte Witt und begutachtete das Eingabefeld des Türöffners. Dann wandte er sich an mich.

„Haben Sie Ihr Lichtschwert dabei?“

Na klar … Ich löste es vom Gürtel, zündete es und stieß die weiße Klinge in das Eingabefeld. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Mechanismus versagen und die Tür sich öffnen würde.

„Was meinen Sie“, fragte Redus, „hat Lord Vader auch ein Lichtschwert für uns übrig?“

Ich hielt die Klinge weiterhin in den Türöffner und drehte meinen Körper von den rasch ansteigenden Temperaturen weg.

„Wozu brauchen Sie ein Lichtschwert?“

„Sie glauben gar nicht, wie viele Mandanten uns wichtige Sachverhalte und Informationen vorzuenthalten versuchen.“, erklärte Redus.

„Sie brauchten es zum Einbrechen, um die Angaben ihrer Mandanten nachzuprüfen?!“, fragte ich.

„Gelegentlich“, sagte Witt. „Wir haften gegenüber den Steuerbehörden, wenn wir unseren Prüfvermerk unter eine Bilanz setzen.“

Ein Türöffner ließ sich leichter ersetzen als der eigene Kopf …

Den Wirtschaftsberatern war diese spezielle Lagerhalle aufgefallen, weil sie angeblich renoviert wurde, sich dafür aber keine weiteren Belege in den Unterlagen finden ließen. Ein lohnendes Objekt also für eine dingliche Überprüfung. Es klickte und die Tür öffnete sich. Ich löschte das Lichtschwert und wir betraten die Halle. Die mitnichten leer war und renoviert wurde, sondern voller verwertbarer Bauteile, alle fein säuberlich auf Paletten und in Gitterboxen gesetzt. Volltreffer …

Vader verbarg sich in einen schmalen Zwischenraum zwischen zwei Paletten und erweckte mithilfe der Macht den Eindruck, nicht da zu sein. Der schwache Machtnutzer bewegte sich weiter in seine Richtung. Vader beobachtete, wie eine schmale Gestalt an ihm vorüberging und plötzlich stehen blieb. Der dunkle Lord begriff das als den geeigneten Zeitpunkt zum Handeln, nahm der Gestalt das Lichtschwert ab und beförderte sie mit einem Machtstoß zu Boden. Die junge Frau – Vader hatte inzwischen bemerkt, dass es sich bei der Gestalt um eine junge Frau handelte – drehte sich auf den Rücken und krabbelte entsetzt von ihm weg. Vader hob das Lichtschwert – Order 66 war noch in Kraft …

„Lord Vader!“, kreischte die junge Frau.

Vader hielt inne und sah genauer hin.

„Trilla Suduri!“, sagte er angewidert.

Ein Inquisitor. Er hasste in diesem Universum fast nichts mehr als Inquisitoren …

Etwas fiel krachend zu Boden und wir hielten inne.

„Da ist jemand“, flüsterte Redus und zückte seinen Blaster.

Witt und ich taten es ihm gleich. Redus winkte mich und Witt in einen schmalen Gang, der vom Hauptgang abzweigte und zog sich selbst zusammen mit Fredi in den gegenüberliegenden Seitengang zurück. Da kam jemand. Hatte er uns bemerkt? Normalerweise wurde hier in Kolonnen gearbeitet und die eingelagerten Waren wurden mithilfe von elektrischen Staplern oder ähnlichem bewegt. Ein einzelner Fußgänger war auf jedem Fall verdächtig.

„Stehenbleiben!“, rief Redus, als ein junger Mann an uns vorbeihastete. „Hände über den Kopf!“

Der Bursche erstarrte und drehte sich erschrocken zu Fredi und Redus um. Wäre das ein Film oder ein HoloVid, dann gäbe es jetzt eine Schießerei, die der eine oder andere Protagonist nicht überleben würde.

Das hier war aber die Realität und der junge Mann hob gehorsam die Hände über den Kopf. Witt trat von hinten an ihn heran, klopfte ihn flüchtig nach Waffen ab und trat ihm anschließend in die Kniekehlen, so dass der Bursche zu Boden ging. Man merkte sowohl Witt als auch Redus den militärischen Drill an, den sie vor langer Zeit einmal durchlaufen hatten …

„Was machen Sie hier?“, dröhnte Vader.

Suduri rutschte noch weiter von ihm weg, bis ihre diesbezüglichen Bemühungen an einer hinter ihr stehenden Palette endeten. Vader hob die Hand und zog sie mit der Macht wieder näher zu sich heran.

„Ich warte“, sagte er mit vor Verachtung und Boshaftigkeit triefender Stimme.

„Wir jagen einen Jedi“, stammelte Suduri und begann stark zu schwitzen.

„Wir?“, spottete Vader. „Ich sehe hier niemanden außer Ihnen. Sind Sie dem überhaupt gewachsen?“

Suduri wollte sagen, dass es sich nur um einen jungen Burschen handelte, kaum ausgebildet und der Macht nicht einmal richtig bewusst, schwieg aber, als sie erkannte, dass sie sich damit nur selbst diskreditieren würde. Sie nahm es mit Erleichterung zur Kenntnis, als plötzlich Lord Vaders ComLink zu piepsen begann …

„Sie haben etwas entdeckt?“, fragte Vader.

Der dunkle Lord war uns recht nahe gewesen und befand sich in Gesellschaft einer jungen, dunkelhäutigen Frau mit halblangen, glatten Haaren. Sie trug ein Lichtschwert und kam mir irgendwie bekannt vor, ich konnte aber nicht so recht einordnen, woher.

„Wir haben in einer vorgeblich leeren Lagerhalle versandbereite, vermutlich gestohlene Komponenten entdeckt sowie diesen Burschen hier, möglicherweise ein Dieb.“

Bei den letzten Worten wies Witt auf den jungen Mann, den wir gefangen genommen und der sich uns zwischenzeitlich als „Cal Kestis“ vorgestellt hatte. Der junge Mann begehrte auf.

Ich bin kein Dieb!“

„Das ist er“, rief die junge Frau in Vaders Gesellschaft und zündete ihr Lichtschwert. „Das ist der Jedi, den wir gesucht haben.“

„Schluss jetzt!“, dröhne der dunkle Lord. Vaders große schwarze Gestalt beherrschte die Szenerie vollkommen.

„Witt, Redus“, fuhr er fort, „Verlassen Sie die Halle und nehmen Sie Kilian mit.“

Ich zückte meinen Blaster, zielte in die ungefähre Richtung, in der ich Witt und Redus vermutete, stellte mich vor Cal Kestis und sagte:

„Nein.“

Es brauchte nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, was Vader mit Cal beabsichtigte zu tun. Das war der Grund, weshalb er die Wirtschaftsberater wegschickte und auch mich nicht dabeihaben wollte. Ganz besonders nicht mich. Ich beobachtete, wie Vader den plötzlich aufflackernden Zorn niederkämpfte und dann – dem Anschein nach völlig ruhig – an meine Ratio appellierte.

„Order 66 ist immer noch in Kraft.“

„Order 66 gilt für Jedi“, sagte ich. „Den Orden. Dieser Bursche da ist aber kein Jedi. Er ist nicht ausgebildet, kein Ordensmitglied und kann nur anwenden, was ihn die Macht spontan eingibt. Sogar wir konnten ihn festnehmen!“

Sachverhalte aufzeigen. Das war das Maximum dessen, was man Vader gegenüber wagen konnte. Nur wagte es kaum jemand … Der dunkle Lord stutzte. Jetzt war es an ihm zu entscheiden, ob Cal Kestis weiterleben durfte oder nicht.

„Junge“, schluchzte Prauf, „ich habe geglaubt, dich nie wiederzusehen!“

Der Junge war wirklich ein Glückspilz …

Cal war die emotionale Reaktion seines Ziehvaters fast ein wenig peinlich. Aber Abednedos neigten nun manchmal zu einem gewissen Überschwang.

„Ich habe gedacht, das war’s“, berichtete Cal. „Wenn diese Frau nicht gewesen wäre …“

Prauf hielt inne.

„Diese Verrückte mit dem Lichtschwert, die mich töten wollte – die hat sich für dich eingesetzt?!“

„Nein, nein, nicht die“, sagte Cal. „Eine andere Frau. Sie und Darth Vader schienen sich gut zu kennen.“

Eine Frau und der finstere Vollstrecker des Imperators? Der heutige Tag war voller Eigenartigkeiten. Ob das Imperium sie tatsächlich in Ruhe lassen würde?

„Prauf?“, fragte Cal.

„Hm?“

„Hast du schon einmal von der ‚Allianz‘ gehört?“

„Was denn für eine Allianz?“

„Das weiß ich nicht“, sagte Cal. „In dem Lager, in dem ich mich versteckt habe, waren Diebe. Sie sprachen von einer Allianz, die sie entlohnen sollte. Sogar einen kompletten Venator wollten sie kaufen.“

Prauf schüttelte den Kopf. Was wollte jemand mit einem alten, kaum noch flugfähigen Venator? Es wurde immer verrückter …

 

EMPIRE AT WAR:
E-11-A

„Düdeldüdel zwitscher piep?“

Ich konnte mir nur mit Mühe ein Grinsen verkneifen.

„Nein, Lady“, sagte ich. „Ich glaube nicht, dass Admiral Ozzel diese Bemerkung als Scherz aufgefasst hat.“

„Pieptüt?“

Die Lady, wie die KI der Executor auch genannt wurde, beobachtete, kontrollierte und überwachte ihre Mannschaft standardmäßig. Aber die Lady war mehr als eine normale KI. Wo gewöhnliche Computer oder Droiden erst im Laufe eines langen Lebens und zu selten gelöschter Speicherbänke eine regelrechte Persönlichkeit entwickelten, brachte die Lady diese von Haus aus mit. Das zeigte sich unter anderem darin, dass sie ihre Mannschaft nicht nur überwachte, sondern auch studierte. Die Lady wollte die ihr anvertrauten Menschen verstehen und deshalb erstreckte sich ihr neuestes Projekt auf menschliche Interaktionen wie Wortspiele, Scherze und Streiche aller Art. Etwas, mit dem sich künstliche Intelligenzen generell schwertaten.

„Der Admiral braucht nicht zu wissen, dass du gerade mit locker-scherzhaften Beleidigungen experimentierst.”

“Beeeep?“

„Weil Admiral Ozzel dir ansonsten bald einen Sicherungsbolzen verpassen wird.“

“KREEEIIIISCH!”

„Was hat denn die Lady?“

Vader war aus dem hinteren Teil seines Quartiers um die Meditationskammer herum in den vorderen Teil getreten.

„Sie macht mal wieder soziale Experimente und ich habe sie darauf hingewiesen, dass Admiral Ozzel ihr einen Sicherungsbolzen verpassen wird, wenn sie so weitermacht.“

Vader hielt den Kopf auf diese charakteristische Weise schräg, wenn er in die Macht lauschte oder intensiv über etwas nachdachte.

„Lady“, sagte Vader, „Welchen genauen Inhalts ist dein Experiment, so dass Admiral Ozzel sich veranlasst sehen könnte, dir einen Sicherungsbolzen einzubauen?“

Die KI tat so, als ob sie Vader nicht gehört hätte und gab die typischen Piep- und Pfeiftöne einer voll ausgelasteten KI von sich.

„Lady?“

Vaders Frage bekam diesen drohend-fordernden Unterton, dem sich nicht einmal die Maschine entziehen konnte – die KI gab klein bei und erklärendes Gezwitscher von sich.

„Du wirst bei Admiral Ozzel um Entschuldigung bitten“, forderte der dunkle Lord und hakte die Daumen hinter den Gürtel.

Droiden und KI’s verehrten ihre Schöpfer und Programmierer meist wie gottgleiche Wesen. Trotzdem muckte die Lady auf (typisch Kriegsschiff-KI):

„Zwitscher Düdelpiep …“

„Nein, Lady, das war nicht angemessen“, sagte Vader streng.

„Beep Beep Zwitschertut!“, protestierte die KI.

„Es gibt dir nicht das Recht, den Admiral respektlos zu behandeln, nur weil ich ihn nicht mag.“

Vader wandte sich zum Gehen, hielt dann aber inne.

„Und lösche die Vokabel ‚Laserbrain‘ aus deinen Datenspeichern!“

An sich hatten wir noch länger auf Bracca bleiben wollen um herauszufinden, wer hier Schiffsteile in großem Umfang verschob, aber die Nachricht eines Bürgerkriegs auf Peles IV hatte diese Pläne zunichte gemacht. Vader stattete die Wirtschaftsberater mit den entsprechenden Vollmachten aus und ließ sie dann auf Bracca zurück, wo sie sich des Problems annehmen sollten. Immerhin waren sowohl Abwrackgilde als auch Imperiales Verbindungsbüro daran interessiert, das Problem gelöst zu bekommen und ansonsten glücklich über die Tatsache, dass Vader sie wieder verließ.

„Irgendetwas war dort, das mir entgangen ist“, sagte Vader.

Aber nicht einmal er konnte an zwei Orten gleichzeitig sein.

„Ihr hättet Suduri dort lassen sollen“, schlug ich vor. „Sie hätte mit ihren Machtfähigkeiten vielleicht herausfinden können, was dort nicht stimmt.“

Suduri und die sie unterstützenden Auslöschungstruppler waren auf Befehl Vaders bereits wieder abgereist und standen somit nicht mehr zur Verfügung.

„Das bezweifle ich“, sagte Vader. „Inquisitoren sind viel zu schwach in der Macht. Die meisten von Ihnen wären vom Jedi-Orden nicht einmal als Schüler angenommen worden. Ich muss mich ihrer irgendwann demnächst entledigen.“

Eh? Das Vader die Inquisitoren hasste, wusste ich. Aber dass er sich ihrer entledigen, sie töten wollte? Etwas, das mir ganz grundsätzlich nicht gefiel.

„Ist das notwendig?“, fragte ich deshalb.

„Sie sollten mir helfen, Jedi aufzuspüren und zu eliminieren, die der Order 66 entkommen sind. Jetzt sind die Jedi fast ausgelöscht und ich habe für die Inquisitoren keine Verwendung mehr.“

„Diese Vorgehensweise wird bei Dritten keine Loyalität erzeugen“, sagte ich.

„Die Inquisitoren haben versagt und zu viele Kollateralschäden verursacht. Mehr als einmal.“

„Das ist doch kein Grund, sie zu töten“, widersprach ich. „Man könnte neue Aufgaben für sie finden.“

Vader hakte die Daumen hinter den Gürtel.

„Der Imperator hat ihnen während ihrer Ausbildung das Ego unverhältnismäßig gestärkt. Sie halten sich – nach ihm – für die Herren der Galaxis und glauben, mich jederzeit ersetzen zu können. Auch dann noch, als ich sie im Kampf gezeichnet oder sie verstümmelt habe.“

Aha, daher wehte also der Wind. Vader sah sie als Konkurrenz und hatte ihnen eine Warnung zukommen lassen. Aber sie hatten die Botschaft nicht verstanden. Und das war der Augenblick, in dem ich zu verstehen begann, wirklich zu verstehen, warum Vader seine Beziehung zu mir nie öffentlich gemacht hatte: hier wurde mit harten Bandagen um Macht und Einfluss gekämpft, und wenn ich nicht aufpasste, war ich irgendwann mittendrin statt nur dabei …

Vader hatte mich bisher nicht zu Einsätzen der 501. Legion mitgenommen, und das aus gutem Grund: ich stand aggressiven Problemlösungsstrategien nicht wirklich aufgeschlossen gegenüber und Vader wusste das.

Gleichzeitig war es natürlich so, dass es hier keine Rechtstaatlichkeit, keine Menschenrechte, keinen Humanismus und keine christliche Nächstenliebe gab und das war auch schon zu Zeiten der Alten Republik so gewesen.

Vor dem Imperium hatten Sternensysteme um Macht, Einfluss und um den Zugang zu Ressourcen, Absatzmärkten und Hyperraumrouten gekämpft, dynastische Nachfolgestreitereien und ethnische Konflikte ganze Planeten verheert, wohingegen galaxisweite Konzerne und Bergbauunternehmen ihren Werksschutz schon mal Konflikte mit anderen galaxisweiten Konzernen oder planetaren Bevölkerungen ausschießen ließen. Piraten, Schmuggler und Sklavenhändler agierten im rechtsfreien Raum oder gründeten ihre eigenen kleinen Staaten oder Unternehmungen vorbei an Recht und Gesetz.

Dass die Opponenten häufig jeweils Sitze im republikanischen Senat innehatten, änderte daran nichts. Die Alte Republik war am Ende ihrer Existenz nicht mehr in der Lage gewesen, dem Einhalt zu gebieten und auch die Jedi als Friedenshüter damit zunehmend überfordert.

Dann kam das Imperium, merzte jeglichen Widerstand aus und sorgte für Ruhe und Ordnung. Die Kämpfe flauten ab, Piraten, Schmuggler und Sklavenhändler wanderten ins Internierungslager und die Großkonzerne erkannten die Vorteile, gemeinsam mit dem Imperium im Bett zu liegen statt einander zu bekämpfen. Inzwischen herrschte also weitgehend Ruhe. Aber nicht überall und jederzeit …

Drei Wochen. Vader war mit der 501. Legion nun schon bereits seit drei Wochen auf Peles IV und versuchte, diese Welt zu befrieden. Ich stand an den Sichtluken der Executor und sah auf den Planeten hinab. Wenn man die Archive studierte, dann war Peles einst eine grüne Oase gewesen. Wälder, Grasland, fruchtbare Böden und ein paar kleinere Ozeane, die sich über den Planeten verteilten. Kaum Rohstoffe, die des Abbaus würdig waren. Also ideal geeignet, um Landwirtschaft zu treiben, mit den Erzeugnissen zu handeln und ansonsten nicht weiter behelligt zu werden.

Aber gleichzeitig war Peles IV schon immer ein Unruheherd gewesen. Die einzigen (intelligenten) autochthonen Bewohner, wenn man sie so nennen wollte, waren Menschen, die bereits irgendwann vor Beginn der Alten Republik diesen Planeten besiedelt hatten. Später kamen corellianische Siedler hinzu. Deren Landnahme und ethnisch-religiös motivierte Konflikte waren die Wurzel der Auseinandersetzungen, die nun schon seit einigen Jahrtausenden vor sich hin schwelten und immer wieder aufflackerten.

Der moderne Konflikt entzündete sich hingegen an den Versprechungen republikanischer Senatoren, die beiden Parteien gleichzeitig den Planeten zugesprochen hatten. Warum sie so etwas Dummes getan hatten, ließ sich aus den vorhandenen Unterlagen nicht mehr rekonstruieren. Das Ringen um Macht und Einfluss? Der Verkauf von Waffen an beide Konfliktparteien? Das Ausschalten eines Konkurrenten? Die Verteuerung der Preise für Lebensmittel, indem man einen Produzenten aus dem Spiel nahm? Aus der einst fruchtbaren Welt, die problemlos ein paar Nachbarplaneten mitversorgen konnte, war inzwischen eine in weiten Teilen verseuchte und verstrahlte Wüste geworden, deren Bevölkerung sich nur noch mit Mühe selbst versorgen konnte …

Normalerweise tat ich alle zwei Wochen Dienst in der Krankenstation bei Doktor Vapasi. Eigentlich war die so genannte Krankenstation ein voll ausgestattetes und eingerichtetes Krankenhaus, dazu gab es überall über das gesamte Schiff verteilt Erste-Hilfe-Stationen. Das war bei einer Mannstärke von fast dreihunderttausend schlicht eine Notwendigkeit. Meist wurden hier Verletzungen behandelt, die von Trainingsunfällen oder sonstigen Missgeschicken herrührten, manchmal musste auch eine Epidemie leichter Virusinfektionen eingedämmt werden, ernste Krankheiten hingegen waren fast unbekannt. Dazu kamen noch Verletzungen, die in Folge von Kampfhandlungen entstanden waren.

Nun jedoch war ich jeden Tag den ganzen Tag im Einsatz, weil wir auf einmal extrem viele verletzte Sturmtruppler hereinbekamen und diese behandelt und versorgt werden mussten. Die Art ihrer Verletzungen unterschied sich nicht von denen vorangegangener Einsätze, aber es handelte sich eben um untypisch viele Sturmtruppler, die davon betroffen waren.

„Ich glaube nicht, dass unsere Männer auf einmal verlernt haben, wie man einen Blaster abfeuert“, sagte ich zu Doktor Vapasi. „Ich würde gerne wissen, was da unten los ist.“

Meine Äußerung drückte nicht nur die Sorge um unsere Leute, sondern auch um Vader aus. Er war da unten mit der 501. Legion unterwegs und leitete den Einsatz persönlich. Es war allerdings nicht üblich, die an Bord zurückgebliebene Mannschaft ständig über den Fortgang des Einsatzes zu informieren.

„Commander Cody hat die Krankenstation vor ein paar Minuten verlassen“, sagte Vapasi.

„Cody war verletzt?“, fragte ich.

„Nein“, entgegnete der Doktor, „der Commander hat sich lediglich nach dem Befinden einiger seiner Männer erkundigt.“

Ich dachte laut nach.

„Dann müsste jetzt Bly turnusmäßig da unten sein und Rex sich auf seinen baldigen Einsatz vorbereiten.“

Das wiederum hieß, dass Cody Rex instruieren und ich beide im Hangar antreffen würde … Doktor Vapasi dachte offenbar in dieselbe Richtung:

„Gehen Sie und sprechen Sie mit den beiden!“

„Commander Cody“, sagte ich und verneigte mit leicht, „Commander Rex.“

„Adjutant Kilian“, sagten beide fast zeitgleich erwiderten meinen Gruß.

„Ich möchte Sie beide nicht lange aufhalten, aber wir sind in Sorge um die vielen Sturmtruppler, die wir zurzeit hereinbekommen. Was ist da unten eigentlich los?“

Sie tauschten einen kurzen Blick und nickten einander zu.

„Das Gelände ist eine echte Herausforderung“, sagte Cody. „Und wir haben auf Peles diesmal verhältnismäßig viele neue Sturmtruppler direkt von den Akademien im Einsatz. Dazu kommt, dass die Konfliktparteien unerwartet heftigen Widerstand leisten.“

Dann schwiegen sie und tauschten erneut einen Blick.

„Und natürlich der neue E-11-A-Blaster“, sagte Rex.

Ich wusste, dass der alte E-11 demnächst durch das Nachfolgemodell ersetzt und Teile der 501. Legion damit bereits ausgestattet worden waren, die Waffen in der Praxis erprobt werden sollten.

„Der Blaster macht Probleme?“

„Mit Verlaub Ma’am, aber der neue E-11-A taugt nichts. Diese Waffe ist Schrott!“

Ich sah keinen Grund, die Expertise der beiden Klone in Zweifel zu ziehen.

„Commander“, sagte ich, „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen.“

„Der Blaster leidet wohl noch unter ein paar Kinderkrankheiten“, erklärte Cody. „Das Zielsystem funktioniert nicht richtig, das Zielfernrohr ist bei manchen Blastern fehlerhaft und die Waffe neigt generell dazu, zum ungünstigsten Zeitpunkt Ladehemmung zu haben oder anderweitig zu versagen.“

Das erklärte natürlich die untypisch hohen Verluste …

Da Doktor Vapasi mich für heute freigestellt hatte, entschloss ich mich zu ein paar Recherchen, um Vader einen sauber aufbereiteten Bericht präsentieren zu können, sobald er wieder an Bord war. Der dunkle Lord würde das Versagen dieser Waffe ganz bestimmt nicht kommentarlos hinnehmen …

Ich fing damit an, das HoloNet zu durchforsten und fand einen Kanal, in dem ein Sturmtruppler, der sich TK-421 nannte, regelmäßige Unboxing- und Review-Folgen über imperiale Ausrüstung und Gadgets zeigte. Der neue Blaster wurde enthusiastisch angepriesen als eine Waffe, die ihren Benutzer nie wieder im Stich lassen würde, eine Waffe, die so präzise war, dass man nicht einmal mehr genau zielen musste …

Dann folgten ein paar Fakten: Hersteller war BlasTech Industries, der Blaster wurde standardmäßig mit zwei Plasma-Magazinen, einem Zielfernrohr und einem taktischen Licht geliefert, das an der Seite der Waffe befestigt werden konnte. Anschließend beschrieb TK-421 die drei Feuermodi, das brandneue Kühlsystem, welches Dauerfeuer ermöglichen sollte sowie die biometrische Stimmauthentifizierung. Zum Schluss ließ er sich über das neue Zielsystem aus, das die Trefferquote erheblich erhöhen sollte.

Am Ende des HoloVids war ich mir nicht schlüssig, ob „TK-421“ ein echter Sturmtruppler war, der in seiner Freizeit Unboxing-Videos produzierte oder ob es sich hierbei um geschicktes Marketing des Herstellers handelte.

In der Waffenkammer bekam ich einen der neuen Blaster ausgehändigt und eine kurze Einweisung, anschließend suchte mir einen freien Schießstand. Ich war bestenfalls ein sehr mittelmäßiger Schütze. BlasTech behauptete nun, dass der E-11-A das genaueste Zielsystem aller Zeiten besaß. Also feuerte ich auf die Ziele ganz am Ende des Schießstandes und das genaueste Zielsystem aller Zeiten versagte erbärmlich.

Anschließend schloss ich den Blaster an den Computer an, um das Zielsystem neu zu kalibrieren und versuchte es noch einmal. Das Ergebnis änderte sich nicht, ich traf zwar die Zielscheibe, aber nicht unbedingt das eigentliche Ziel. Das setzte sich sogar dann fort, als ich das Ziel nach vorne, näher an mich heran, verlegte.

Dann testete ich die biometrische Stimmauthentifizierung, was sich schnell als Fehler herausstellte: das verbaute KI-System war nicht in der Lage, sich mein Stimmmuster zu merken und sperrte nach drei Versuchen die Waffe. Offenbar in weiser Voraussicht hatte mir der Waffenmeister den Code zum Entsperren gleich mitgegeben … Die biometrische Stimmauthentifizierung war ein zweischneidiges Schwert: einerseits verhinderte sie, dass der Feind eine fallengelassene Waffe aufhob und damit weiterfeuerte, andererseits machte sie das auch einem Kameraden unmöglich. Also Neustart:

„Blaster, wie viele Schüsse habe ich noch?“

„BeepBeepBeep.“

Also nochmal:

„Blaster, wie viele Schüsse habe ich noch?“

“Tut mir leid, das habe ich nicht verstanden.”

Nach einem weiteren erfolglosen Versuch sperrte sich die Waffe erneut und ich warf sie frustriert gegen die Wand. Wie konnte es eigentlich sein, dass sowas durch sämtliche Qualitätskontrollen ging?! Ob da ein Firmware-Update ausreichte? Vermutlich hatte ich noch Glück gehabt, dass die Energiezelle nicht explodiert war …

Vader hatte sich gemeldet. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass es ihm gut ging, berichtete ich von meinen Nachforschungen.

„Gut“, sagte Vader, „wenn der Einsatz hier beendet ist, werde ich BlasTech aufsuchen und wir werden uns über den E-11-A unterhalten.“

Da konnte man Geschäftsleitung, Aufsichtsrat und Vorstand nur viel Glück wünschen …

„Ich habe darüber nachgedacht, vorab mit dem Ex-Sturmtruppler zu reden, der diese HoloVids für BlasTech macht“, sagte ich.

„Was wissen wir über ihn?“, fragte Vader.

„Er war tatsächlich Sturmtruppler“, sagte ich. „Hat sich gleich nach den Klonkriegen freiwillig gemeldet, sich dann aber einen Lungendurchschuss eingefangen und wurde deshalb nach seiner Genesung ausgemustert. Bekommt eine kleine Pension und verdingt sich inzwischen als Werbeträger für BlasTech, hat sich das auch ordnungsgemäß genehmigen lassen.“

Vader dachte nach.

„Nein“, sagte er dann. „Sollte dieser Ex-Sturmtruppler sich gegenüber BlasTech entsprechend äußern, verlieren wir das Überraschungsmoment.“

Ich schwieg.

„Da ist doch noch was?“, fragte Vader.

Manchmal bedauerte ich, dass er Dinge einfach wusste …

„Die Wirtschaftsberater haben sich gemeldet, die wir für weitere Nachforschungen auf Bracca gelassen haben.“

„Und?“

„Sie haben die Arbeiter gefunden, die verwertbare Schiffsteile stehlen und an der Abwrackgilde vorbei verkaufen“, sagte ich.

Immer erst die guten Nachrichten.

„Aber?“

„Es wurde ein vollständiger Venator gestohlen.“

Jetzt war’s raus … Vader starrte mich einen Augenblick lang an.

„WAS?!“

„Es wurde ein vollständiger Venator gestohlen“, wiederholte ich. „Das Schiff war noch nicht für die Demontage vorbereitet und deshalb gerade so noch flugfähig.“

Was jemand mit einen dermaßen beschädigten Schiff wollte, entzog sich allerdings meiner Kenntnis. Vader hielt den Kopf schief und lauschte in die Macht.

„Kontaktiert das Imperiale Verbindungsbüro auf Bracca“, befahl Vader. „Die festgenommenen Arbeiter sollen verhört werden. Wir müssen wissen, wer dieses Schiff gestohlen hat und was er damit vorhat.“

„Ungern“, sagte ich.

Auch wenn es sich um Diebe handelte: „Verhören“ hieß in diesem Kontext „Foltern“ und das gefiel mir gar nicht …

Endlich kehrte Vader von dem Einsatz auf Peles IV zurück. Der Planet war soweit befriedet, die Rädelsführer beider Konfliktparteien saßen in den Arrestzellen der Executor und wir ließen eine starke imperiale Präsenz zurück, um ein erneutes Aufflackern des Konflikts zu verhindern. Was macht man eigentlich mit Leuten, die sich die gegenseitige physische Vernichtung auf die Fahnen geschrieben haben?

„Ich habe ihnen mit einem Basis Delta Zero gedroht, wenn sie keine Ruhe geben“, sagte Vader und ließ sich schwer in seinen Lieblingssessel fallen. „Als ob heute noch von Belang ist, was vor tausenden von Jahren geschehen ist und heute niemand mehr ändern kann!“

„Was ist mit dieser Geschichte, dass republikanische Senatoren beiden Konfliktparteien den Planeten zugesprochen haben?“

„Ich würde von vernunftbegabten Lebewesen erwarten, dass sie den Irrtum erkennen und entsprechend handeln“, entgegnete Vader.

„Das wird im derzeitigen Stadium des Konflikts nicht mehr möglich sein“, sagte ich und setzte mich auf die Lehne seines Sessels.

Es war ja nicht so, dass es nicht auch auf meiner Heimatwelt vergleichbare Konflikte gab, für die bisher niemand eine Lösung gefunden hatte …

„Haben wir schon Aussagen zu dem gestohlen Venator auf Bracca?“, fragte Vader.

„Haben wir“, sagte ich. „Aber wollt Ihr Euch nicht zuerst ausruhen?“

Vader war fast fünf Wochen ununterbrochen im Einsatz gewesen. Essen? Duschen? Schlafen? Sex? Vielleicht nicht unbedingt in dieser Reihenfolge … Vader hatte Helm und Gesichtsmaske abgenommen und lehnte nun seinen Kopf gegen den meinen. Das ließ sich gut an …

„Später“, sagte er. „Also?“

„Sie haben mit einer Rebellengruppe paktiert, die sich ‚Allianz zur Wiederherstellung der Republik‘ nennt“, zitierte ich den Bericht aus dem Gedächtnis. „Selbst scheinen sie nicht politisch zu sein, in der Hauptsache war es ihnen wichtig, dass die Credits stimmen.“

Diese Allianz schien überaus wohlhabende Unterstützer zu haben, wenn man sich so ansah, was sie für die Schiffsteile und den Venator bezahlt hatten …

„Ich werde das ISB informieren“, sagte Vader. „Colonel Yularen soll seine besten Leute auf den Fall ansetzen. Wir müssen wissen, was die Allianz mit diesem Schiff vorhat.“

Für Kampfeinsätze war der Venator viel zu beschädigt. Selbst wenn die Allianz über eine eigene Werft verfügte, wäre es trotzdem schlichtweg unökonomisch, dieses Schiff wieder einsatzfähig zu bekommen (genau aus diesen Grund sollte es ja demontiert werden).

„Was werden wir wegen dieser Sache mit dem neuen E-11-A unternehmen?“, fragte ich.

Niemand würde es einem Waffenhersteller durchgehen lassen, nur eingeschränkt funktionsfähige Blaster zu verkaufen und im Grunde war es völlig klar, was Vader mit der Geschäftsführung von BlasTech Industries machen würde …

„Was geht schon wieder in Eurem Kopf vor sich?“, fragte Vader mit mildem Spott.

„Commander Rex hat den neuen E-11-A als Schrott bezeichnet“, sagte ich. „Anschließend habe ich ihn selbst ausprobiert und konnte ihm nicht widersprechen.“

„Und?“

„Wie kann das sein?“, fragte ich. „Der neue Blaster muss doch bestimmt durch diverse Qualitätskontrollen, die von BlasTech und unsere eigene. Gab es denn keine Tests, nachdem die Waffen geliefert wurden?“

Eine Fehlkonstruktion schied eigentlich aus, da auch Blaster im Umlauf waren, die einwandfrei funktionierten.

„Es gab Tests“, sagte Vader. „Und die waren unauffällig.“

„Dann sind verschiedene Szenarien denkbar“, fuhr ich fort. „Es ist nicht einmal gesagt, dass die Geschäftsleitung von BlasTech darin involviert ist oder auch nur davon weiß. Ein paar Leute an den richtigen Stellen, ein paar Credits, dass andere Leute wegsehen, eben das übliche.“

„Es ist die Aufgabe der Geschäftsführung zu wissen, was in ihrem Unternehmen vor sich geht und dafür verantwortlich zu sein“, entgegnete Vader.

„Man kann nicht alles wissen“, widersprach ich. „Nicht einmal Ihr. Wenn Ihr die Geschäftsführung deswegen eliminiert, diese aber davon nichts weiß oder gerade damit angefangen hat nachzuforschen, dann erhalten die wirklich Verantwortlichen weiterhin Gelegenheit, mit ihren Sabotageakten fortzufahren.“

Ich machte eine Pause.

„Vielleicht sogar woanders.“

Vader schwieg länger und ich rechnete schon damit, dass er nichts mehr weiter sagen würde. Dann redete er aber doch noch.

„Habt Ihr schon einmal von dem Projekt TIE-Defender gehört?“

„Nein“, räumte ich ein.

Vader hatte mir zwar hohe Sicherheitsfreigaben verschafft, aber selbst dann gab es noch ein paar Sachen, die mir verschlossen blieben.

„Der TIE-Jäger erfüllt seinen Zweck, hat aber seine Mängel“, sagte Vader.

Das war eine schöne Umschreibung für einen Jäger, der keine Schilde, keinen Hyperantrieb und kein Lebenserhaltungssystem besaß. Gleichzeitig sorgte Letzteres dafür, dass die Piloten einen Lebenserhaltungsanzug trugen und man sie nach einem Gefecht gegebenenfalls lebend bergen konnte. Dazu kam, dass man den TIE schnell und preiswert in großen Mengen produzieren konnte.

„Das Oberkommando gab bei Sienar Systems einen neuen, verbesserten Jäger in Auftrag“, fuhr Vader fort. „Damals habe ich noch Jedi gejagt und mich nicht weiter um das imperiale Militär und seine Projekte gekümmert.“

Es war also jemand anderes verantwortlich gewesen.

„Großadmiral Zaarin überwachte die Planungsbüros und Produktionsstätten Sienars“, sagte Vader, „solange, bis das ISB herausfand, dass er Umsturzpläne hegte und selbst den Thron des Imperators für sich beanspruchen wollte.“

„Davon habe ich noch nie gehört“, warf ich ein.

Vader nickte.

„Die Angelegenheit wurde vertuscht“, fuhr der dunkle Lord mit seiner Erzählung fort. „Jemand muss Zaarin gewarnt haben, denn er setzte sich in den Äußeren Rand ab. Es war Thrawn, der ihn jagte und vernichtete. Thrawn wiederum wurde anschließend in den Rang eines Admirals erhoben und sollte Zaarins Projekt fortführen.“

„Scheinbar nicht erfolgreich.“

„In höchstem Maße erfolgreich“, widersprach Vader. „Aber plötzlich standen keine Mittel mehr für den Defender zur Verfügung.“

„Man wollte Thrawn scheitern sehen“, vermutete ich.

„Nein“, sagte Vader. „Es hat auch nichts damit zu tun, dass der Admiral ein Chiss ist.“

Ich dachte nach. All diese Geheimprojekte, auf die ich im Laufe der Zeit gestoßen war – Sternenstaub, Himmelsenergie, der Planetenkiller, von dem Vader neulich berichtet hatte …

„Die Gelder wurden anderweitig gebraucht.“

Vader nickte.

„Dabei sind neben Admiral Thrawn und mir selbst viele führende Militärs der Ansicht, dass der Defender ein sinnvolleres Projekt darstellt als jede Art von Superwaffe.“

Ich runzelte die Stirn.

„Was ist mit Eurem persönlichen Jäger, dem TIE Advanced?“, fragte ich.

Vader hatte seinen Jäger selbst konstruiert, er besaß einen Hyperantrieb, ein hocheffizientes Lebenserhaltungssystem, Deflektorschilde und ein Hochleistungszielerfassungssystem. Darüber hinaus verfügte der TIE Advanced X1 über größere Solarflügel, Solarzellen der neuesten Generation und ein erheblich größeres Antriebsmodul als der Standard-TIE.

„Der X1 ist zu teuer“, erklärte Vader. „Es wurden lediglich einige wenige Exemplare gefertigt.

Vermutlich für supergeheime Spezialeinsätze.

„Jäger wie der Defender oder der Advanced könnten wegen ihres Hyperantriebs selbständig, ohne Trägerschiff, weite Raumbereiche patrouillieren“, warf ich ein.

Vader nickte zustimmend.

„Deshalb habe ich nach einer Alternative gesucht und bei der Incom, Inc. gefunden. Sie zeigten mir die Pläne eines Jägers, der mit einem Astromechdroiden, Hyperantrieb, Deflektorschilden und einem Lebenserhaltungssystem ausgestattet war. Schon der Entwurf zeigte, dass der T-65B-X-Wing der dem TIE überlegen war.“

X-Wing? Nie gehört.

„Warum wurde er dann nicht gebaut? Auch zu teuer?“

„Teuer, aber nicht zu teuer. Das einzige Problem des X-Wings ist, dass er mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Ist dieser verbraucht, stürzt der Jäger ab oder treibt manövrierunfähig im All.“

„Er scheint aber trotzdem ein guter Kompromiss zwischen vertretbaren Kosten und verbesserter Leistung zu sein“, sagte ich.

„Das wäre es“, sagte Vader. „Wenn die Incom-Ingenieure nicht geschlossen zur Allianz übergelaufen wären.“

Ich hielt inne.

„Was?!“

„Die Incom-Ingenieure sind zur Allianz übergelaufen“, wiederholte Vader. “So kamen die Rebellen zu einem neuen Waffensystem, das eigentlich für die Imperiale Sternenflotte bestimmt war. Seither richten sie geheime Stützpunkte ein, von denen aus sie Angriffe auf abgelegene Militäreinrichtungen fliegen. Es gelingt uns immer wieder, ihre Stützpunkte ausfindig zu machen und sie daraus zu vertreiben oder die Angriffe auf unsere Einrichtungen abzuwehren, aber das kostet uns jedes Mal Männer und Material.“

Ich erinnerte mich an Vaders Worte nach dem Einsatz auf Caluula: Wir sind im Krieg.

„Wer richtet die Stützpunkte ein, baut die X-Wing und versorgt sie?“

„Sie haben viele einflussreiche und wohlhabende Unterstützer im Senat“, sagte Vader. „Weshalb der Imperator plant, den Senat bald aufzulösen. Das ISB hat viele dieser Unterstützer unter Beobachtung in der Hoffnung, dass wir auf diese Weise herausfinden, wo sich die Produktionsstätte für den X-Wing befindet. Was dadurch erschwert wird, dass für den Bau dieses Jägers eine kleine, abgelegene Werft ausreichend ist.“

„Der Imperator will den Senat auflösen?“, echote ich.

„Ja“, sagte Vader. „Die Regionalgouverneure sollen künftig die direkte Kontrolle über ihre Territorien ausüben.“

Das war ja eine Neuigkeit allererster Güte. Von der Vader aber erwarten würde, dass ich sie für mich behielt und sie nicht bei Freunden und Bekannten ausplauderte oder gar im HoloNet öffentlich machte. Wie waren wir eigentlich auf dieses Thema gekommen? Ach ja …

„Warum sind die Incom-Ingenieure zur Allianz übergelaufen und was hat das mit BlasTech zu tun?“, fragte ich.

„Das wissen wir nicht“, räumte Vader ein. „Incom wollte immer unabhängig bleiben. Vielleicht haben sie befürchtet, dass wir sie verstaatlichen.“

„Wie ist es Incom gelungen, all ihre Ingenieure davon zu überzeugen, zur Allianz überzulaufen? Das Leben auf einer der Kernwelten ist mit Sicherheit komfortabler als bei der Allianz.“

„Auch das wissen wir nicht. Firmenpolitik ist eng verwoben mit galaktischer Politik, vor allem die der großen Konzerne. Jemandem haben die Projekte Sienars und Incoms gestört, und dieser Jemand hat dafür Sorge getragen, dass sie zum Erliegen kamen.“

Und jetzt störte jemanden das Projekt E-11-A …

Später machte ich mir Gedanken über das, was Vader gesagt und was er mir damit zu verstehen geben wollte. Einem Waffenhersteller wie BlasTech konnte man nicht einfach die Mittel zusammenstreichen, wenn man sich selbst auf ein Militär stützte, das eben diese Waffen benötigte. Zudem besaß BlasTech Industries zu viele Mitarbeiter um sie dafür zu bezahlen, dass sie wegliefen, ohne dass es unmittelbar auffiel. Doch man konnte so eine Firma sabotieren …

Aber wer war „man“? Wer hatte die Mittel, die Möglichkeiten und ein Motiv? Ich fand keine einleuchtende Lösung und so richtete sich mein Augenmerk auf Überlegungen, wie ich verhindern konnte, dass Vader die komplette Geschäftsführung von BlasTech liquidierte. Neben dem, was Vader angedeutet hatte, bestand immer noch die Möglichkeit, dass die fehlerhaften Blaster auf schlichte Mängel im Qualitätsmanagement zurückzuführen waren oder die Geschäftsführung von BlasTech einfach nur unfähig war.

„Menschen sind gestorben“, sagte Rex. „Sturmtruppler, die ich persönlich ausgebildet habe und auch einige meiner Brüder! Da ist es doch egal, ob die Mängel des E-11-A durch Schlamperei oder Unfähigkeit zustande gekommen sind!“

Cody und Bly nickten. Ich saß mit den dreien in der Cafeteria, in der sie gerne ihre Besprechungen abhielten und unterhielt mit ihnen über mögliche Ursachen und Folgen der Unzulänglichkeiten des neuen Blasters. Ich konnte Rex‘ Zorn nachvollziehen: Sie sollten verfeindete Volksgruppen befrieden und hatten durch den neuen Blaster unverhältnismäßig viele Opfer hinnehmen müssen. Opfer, die nur deshalb schwer verletzt oder getötet worden waren, weil ihre Blaster im falschen Augenblick versagten.

„Es ist nicht so, dass ich Sie nicht verstehe“, sagte ich. „Aber Leute zu töten ist doch nicht immer eine Lösung für ein Problem!“

Cody, Rex und Bly sahen einander an und schienen dann auf dem Grund ihrer Kaf-Tassen etwas zu entdecken, dass ihre volle Aufmerksamkeit erforderte. Diese Männer waren Klonsoldaten. Für den Krieg gezüchtet, optimiert und indoktriniert. Weitergehende, davon abweichende Ambitionen besaßen sie nicht. Und ihr Verhalten verriet mir, dass Leute zu töten ihrer Ansicht nach sehr wohl Teil einer Problemlösungsstrategie sein konnte.

Kill ‘em all, let God sort ‘em out …

Unsere Fähre landete im Hangar der Geschäftsleitung, anschließend marschierte Vader mit mir, einer Sturmtruppeneinheit sowie Cody, Rex und Bly direkt in das Büro des Vorstands. Wir hatten uns ganz offiziell bei BlasTech Industries angemeldet und man war gerne bereit, uns zu empfangen. Kein Wunder, war das Galaktische Imperium doch einer der besten Kunden BlasTechs.

Der Hauptsitz BlasTech Industries befand sich auf Byblos, einer Welt inmitten der Kolonien. Bylos‘ Städte waren beeindruckend und geprägt von hoch aufragenden, eleganten Arkologien, von denen jede selbst schon eine eigene Stadt war.

Der Rest des Planeten war eher öde – endlose Steppen ohne nennenswerte Topographie und einem meist unfreundlichen Klima. In den vollklimatisierten, luxuriösen Städten und Arkologien bemerkte man davon jedoch nichts.

Dass Vader in seiner Funktion als Oberkommandierender der Imperialen Sternenflotte gelegentlich bei Unternehmen vorsprach, die dem Imperium Militärtechnik verkauften, war nicht ungewöhnlich. Auch nicht, dass er zu diesen Terminen für gewöhnlich nicht alleine, sondern mit ein paar Sturmtrupplern erschien.

Die Geschäftsleitung BlasTechs, alles elegant gekleidete, ältere Herren (und eine Dame), waren jedenfalls völlig arglos, als wir eintrafen. Sie standen auf, wohl in der Absicht, uns zu begrüßen, da traten die Klone vor, Cody hob den neuen E-11-A-Blaster, mit dem ich trotz des angeblich genauestem Zielsystem aller Zeiten so grandios danebengeschossen hatte und feuerte ihn auf die Vorstände ab.

Die reagierten erstaunlich schnell und gingen unter dem Besprechungstisch in Deckung, während Cody den Blaster auf den Tisch warf.

„Wir sind sehr unzufrieden mit dem neuen E-11-A!“

„Wegen dieses Blasters haben wir bei einem gewöhnlichen Einsatz weit mehr Männer verloren als zu erwarten war“, warf Bly ein.

„Ist vielleicht die Beta-Version“, vermutete Rex. „Reift beim Kunden.“

Währenddessen ging Cody um den Besprechungstisch herum, bückte sich und zog den Vorstandsvorsitzenden unter dem Tisch hervor.

„Es wird Ihnen bald vergehen, uns so einen Schrott anzudrehen. Mitkommen!“

Die ganze Aktion hatte nur wenige Sekunden gedauert und die restlichen Mitglieder des Vorstandes starrten uns geschockt an.

„Was …?“, setzte einer der Männer an.

„Keine Sorge“, beruhigte ich ihn. „Ihm geschieht schon nichts. Unsere Commander gehen mit dem Herren Vorstandsvorsitzenden nur ein wenig ins Gelände, um ihm die Notwendigkeit gut funktionierender Blaster im Einsatz zu demonstrieren.“

Ich machte eine kurze Pause.

„Sie haben doch Übungsplätze und Trainingsgelände?“

Diesmal nickten die Vorstände artig. Dann übernahm Vader.

„Gut“, sagte der dunkle Lord. „Wir vermuten einen Saboteur in der Fabrikation sowie der Qualitätskontrolle. Finden Sie ihn. Ansonsten sehe ich mich gezwungen, den Vorstand vollständig auszutauschen.“

Fast überflüssig zu erwähnen, dass wir in Zukunft nie wieder Probleme mit dem E-11 oder einem seiner Nachfolgemodelle oder irgendeines anderen Waffensystems hatten, die BlasTech Industries herstellte …

Kurz nachdem wir wieder auf dem Executor eingetroffen waren, erreichte uns eine Nachricht BlasTech Industries: man habe den Saboteur gefunden und bereits exekutiert. Das mag verwundern, aber man darf nicht vergessen, dass in diesem Universum galaxisweite Konzerne wie Staaten agierten und Recht und Gesetz (oder das, was sie in ihrem Machtbereich als solches definierten) radikal durchsetzten.

„So schnell kann man einen Saboteur doch gar nicht finden“, sagte ich.

„Ihr zweifelt daran?“, fragte Vader.

Ich nickte.

„Was, wenn Sie uns einen Sündenbock präsentieren, der mit der Sache eigentlich gar nichts zu tun hat?“

Tote reden nicht …

„Vermutlich ist genau das geschehen“, sagte Vader.

„Was?!“

„Kilian“, sagte Vader. „Es ist irrelevant, ob der uns präsentierte Schuldige die ihm zur Last gelegten Verbrechen tatsächlich begangen hat. BlasTech-Industries drückt mit dieser Vorgehensweise aus, sich auch weiterhin dem Imperium zu unterwerfen und zeigt seine Bereitschaft, sich dieses Problems anzunehmen.“

„Man kann doch nicht einfach einen Unschuldigen hinrichten!“

„Dieser Mann war gewiss nicht unschuldig, wenn auch nicht schuldig in dem Sinne, die neue Blasterserie sabotiert zu haben.“

Ich schwieg. Was sollte ich dazu noch sagen?

„Das ist nicht richtig?“, schlug Vader vor.

Der dunkle Lord kannte mich inzwischen besser, als mir lieb war …

„Und trotzdem lasst Ihr so eine Vorgehensweise zu?“

„BlasTech macht auf Byblos die Gesetze“, sagte Vader. „Korpokratien waren und sind überall in der Galaxis für ihre harsche Gesetzgebung und schnelle Justiz bekannt.“

Spätestens dann, sobald sie ihre Gewinnmargen in Gefahr sahen …

—

Die Sache mit dem nur unzureichend funktionierenden Blaster ist geklaut inspiriert vom YouTube-Kanal „TK-421 Finest Imperial Reviews“. Sehr empfehlenswert …

 

 

EMPIRE AT WAR:
Alderaan

„Warum müssen wir schon wieder abreisen“, nörgelte ich. „Ich hätte mir gerne noch eine der Arkologien genauer angesehen, das Image-HoloVid, dass ich mir auf unserer Anreise angesehen habe spricht davon, dass gerade auf Byblos die Haupteingangsbereiche besonders beeindruckend gestaltet sind.“

„Dann wissen Sie ja, wie sie aussehen“, beschied mir Admiral Ozzel.

„Aber keine HoloNet-Aufzeichnung kann das persönliche Erleben, die Realität ersetzen“, widersprach ich. „Außerdem gibt es sonst meist Manöver mit den planetaren Zoll- und Polizeieinheiten. Warum diesmal nicht?“

„Weil ich es so befohlen habe und Admiral Ozzel kein Kreuzfahrtschiff kommandiert.“

Vader war so leise an uns herangetreten, dass wir ihn erst bemerkten, als er zu sprechen begann. Der dunkle Lord wandte sich den Sichtluken zu und gab mir durch einen kurzen Wink zu verstehen, ihm zu folgen.

Einträchtig beobachteten wir, wie Captain Piett die Executor in Richtung Sprungpunkte manövrierte und uns die anderen Schiffe der Todesschwadron in Formation folgten. Wir würden nicht warten müssen, bis wir an der Reihe waren …

„Was ist so dringend, dass wir so überstürzt abreisen?“, fragte ich. „Aufstandsbekämpfung? Friedensstiftung? Weltenrettung? Des Imperators Ruf?“

Vader warf mir einen langen Blick zu.

„Nein“, sagte er dann. „Wir reisen nach Alderaan. Commodore Tion ist getötet worden.“

Ich runzelte die Stirn. Wer war Commodore Tion? Jemand Wichtiges aus dem Tion-Cluster? Die Sternensysteme Alderaan und Tion waren in jeder nur denkbaren Weise weit voneinander entfernt. So war Alderaan eine der schönsten, wohlhabendsten und produktivsten Kernwelten, Königin Breha eine der reichsten Frauen dieser Galaxis. Der Tion-Cluster hingegen lag weit draußen im Äußeren Rand, war arm und rückständig. Vaders Interesse an diesem Fall konnte eigentlich nur bedeuten, dass Commodore Tion ein enger Verwandter Lord Tions war.

„Der Commodore ist mit Lord Tion verwandt?“

Vader nickte zustimmend.

„Sein ältester Sohn.“

Trotzdem …

„Was ist an dem Fall so besonders, dass Ihr Euch seiner persönlich annehmt?“

„Der Commodore war nicht in offiziellem Auftrag auf Alderaan“, sagte er.

„Sondern?“

„Wissen wir nicht“, sagte Vader. „Und genau das werde ich herausfinden.“

„Warum soll Kilian diesmal nicht die Geisel geben?“, fragte Praji und sah seinen Kollegen und besten Kumpel Jir herausfordernd an.

„Weil sie inzwischen dazugelernt hat und keine wirkliche Behinderung mehr ist. Vielleicht ein wenig langsam.“

Es würde noch dauern, bis wir Alderaan erreicht hatten und die Sturmtruppenkommandanten sahen keinen Grund, diese Zeit nicht für die eine oder andere Übung zu nutzen. Ab und zu nahm ich daran teil, meist gab ich einen geretteten Zivilisten oder gefangenen Rebellen und machte dabei meinen Rettern bzw. Häschern bewusst und mit voller Absicht genau die Art Schwierigkeiten, mit denen dabei erfahrungsgemäß zu rechnen war. Um die Übung realistischer zu gestalten, wurde die Sturmtruppeneinheit, die die „Geisel“ befreit oder den „Rebellen“ gefangen hatte, von einer anderen Sturmtruppeneinheit verfolgt, gewonnen hatte derjenige, der zuerst das Ziel (bevorzugt das andere Ende des Schiffes) erreichte und ob es gelungen war, die „Geisel“ zu retten oder den „Rebellen“ abzuliefern.

„Ja, das ist halt Pech“, sagte Praji und grinste Jir unverschämt an.

Der nahm das nicht so ohne weiteres hin, zog seinen Blaster und schoss mir damit in die Beine. Selbstverständlich nur ein Betäubungsschuss, was aber bedeutete, dass ich meine Beine plötzlich weder spürte noch bewegen konnte und einfach zusammenklappte. So ein Mistkerl …

„Was ist passiert?“, fragte Vader, als Praji und Jir mich nach dem Ende der Übung in seinem Quartier ablieferten.

Inzwischen fing ich langsam wieder an, meine Beine zu spüren und konnte mich mit Unterstützung schon wieder selbständig fortbewegen.

„Ich habe an der angesetzten Übung teilgenommen und Kommandant Jir hat mir einen Betäubungsschuss versetzt, damit ich wieder eine echte Belastung werde.“

„Kreativ“, lobte der dunkle Lord. „Aber wenn Sie Kilian noch einmal betäuben, nehmen Sie an der nächsten Mann-über-Bord-Rettungsübung teil, ist das klar?“

„Vollkommen“, sagte Jir und verneigte sich.

„Gut“, sagte Vader. „Wegtreten.“

Kaum waren Praji und Jir weg, ließ ich mich auf Vaders Couch fallen.

„Ich habe bereits zwei fähige Ermittler angefordert, die sich Commodore Tions Fall annehmen werden“, sagte Vader. „Sie sind bereits unterwegs und werden vor uns auf Alderaan eintreffen.“

„Wer sind denn die Herren?“, fragte ich. „ISB-Agenten? Inquisitoren?“

„Agent Jethro Kips und Assistent Anthony Tinosso“, entgegnete der dunkle Lord.

Jethro Kips hatte es vor ein paar Jahren tatsächlich gewagt, Vader und mich für eine Aussage festzuhalten und anschließend Vader erkennungsdienstlich zu behandeln, weil dieser keine Papiere dabei gehabt und in seiner Tarnidentität (und in Zivil!) als „Lars Quell“ aufgetreten war. Weshalb Vader den beiden angeboten hatte, künftig bei der Militärpolizei zu ermitteln.

„Irgendetwas stimmt dort nicht“; fuhr Vader fort. „Die Alderaani sind widerständig. Das Königshaus, der Adel und die übrige Oberschicht arbeiten gegen das Imperium, wo immer sich eine Möglichkeit auftut. Senator Bail Organa war einer der ersten Zeichner der Petition der Zweitausend, seine Tochter Leia ist die Führerin der Opposition im imperialen Senat und Königin Breha findet eine Ausflucht nach der anderen, um sich ihren Verpflichtungen zu entziehen.“

Das böse Galaktische Imperium, das alle Welten rücksichtslos ausbeutete und unterdrückte und dann ließen wir uns von Monarchen auf der Nase herumtanzen, die sich als lupenreine Demokraten gerierten …

„Warum lassen wir das zu?“

„Das ISB vermutet, dass sie mit der Rebellenallianz paktieren“, erklärte Vader. „Unser Bestreben gilt deshalb, ihnen diese Verbindung nachzuweisen.“

Und wenn sich ein imperialer Offizier auf so einer Welt aus unklaren Gründen aufhielt und aus ebenso unklaren Gründen den Tod fand, war das mehr als nur verdächtig …

„Aus welchem Grund sollte ich Commodore Tions Vorgesetzten befragen, wenn Kips und Tinosso das sowieso tun werden?“, fragte ich.

Ich begriff damals nicht wirklich, was Vader mit solchen Aktionen beabsichtigte. Aber seit er mich in dieser verdammten Vision auf dem Thron des Imperators gesehen hatte, ließ er keine Möglichkeit aus, mich darauf vorzubereiten und dazu gehörte auch die Befragung von Männern, die sich für die Herren des Universums (zumindest aber ihrer Planeten bzw. Projekte) hielten. Mein augenblicklicher Gesprächspartner war Director Orson Krennic, Leiter eines supergeheimen imperialen Projektes und Vorgesetzter des bedauernswerten Commodore Tion.

„… deshalb erlauben Sie mir bitte, Ihnen mein Bedauern über den Tod ihres geschätzten Mitarbeiters auszusprechen.“

Das lebensgroße Hologramm Director Krennics runzelte missbilligend die Stirn.

„Commodore Tion war weder besonders geschätzt noch wichtig für das Projekt. Woher wissen Sie eigentlich davon?!“

Ich hatte mich als „Rosalinda Kilian, Adjutant Lord Vaders“ vorgestellt. Normalerweise sprangen sie, wenn ich den Namen des dunklen Lords nannte und mich durch einen Codezylinder legitimiert hatte, Krennic hingegen schien das nicht besonders zu beeindrucken.

„Unsere zivilen und militärischen Mitarbeiter sind dem Büro für Personalmanagement bekannt“, sagte ich.

Und merkte in diesem Augenblick, dass das die falsche Antwort war.

„Die Mitarbeiter meines Projekts werden nicht vom BPM geführt“, schnappte Krennic.

Autsch. Grober Fehler … Vader winkte mich von der Übertragungsplattform und betrat sie nun selbst.

„Director Krennic.“

“Lord Vader“, sagte Krennic und hörte sich schlagartig freundlicher (und unterwürfiger) an.

Nun ja, Vader war der zweite Mann nach dem Imperator und ich nur sein Adjutant …

„Commodore Tion ist ermordet worden. Sie werden sicher verstehen, dass uns jede Information bei der Aufklärung des Falles helfen kann.“

Krennic schluckte sichtbar. Vader hatte ihm soeben subtil zu verstehen gegeben, dass er unsere Ermittlungen behinderte.

„Commodore Tion war mit der Sicherung unserer Materiallieferungen befasst“, erklärte Krennic hastig. „Er war deshalb über die Einzelheiten des Projekts bestens informiert und erhielt vertrauliche Insiderinformationen, auch über den Standort.“

Oh-oh …

„… und deshalb erlauben Sie mir bitte, Sie meines Mitgefühls und meiner Anteilnahme über den Tod Ihres Sohnes zu versichern“, sagte ich.

Vader hatte mich nicht vom Haken gelassen und mich genötigt, auch das Gespräch mit Lord Tion zu führen, trotz der Pleite mit Krennic.

„Ich bedauere es außerordentlich, aber wir benötigen Informationen, warum Ihr Sohn sich auf Alderaan aufgehalten hat.“

Lord Tion schüttelte den Kopf.

„Ich verdächtige die Organas der Kollaboration mit der Rebellion und habe deshalb meinen Sohn darauf angesetzt.“

Ich runzelte die Stirn.

„Entschuldigen Sie bitte. Warum verdächtigen Sie die Organas der Kollaboration mit der Rebellenallianz und warum haben Sie Ihren Sohn darauf angesetzt, statt uns darüber zu informieren?“

Lord Tion fuhr sich in einer nervösen Geste mit der Hand durch das Haar.

„Ich habe vor einigen Jahren Ralltiir befriedet“, sagte Tion.

„Die Regierung Ralltiirs sympathisierte mit der Rebellenallianz und Sie ließen sie deshalb liquidieren. Sie richteten Internierungslager und Verhörzentren ein für Personen, die in Verdacht standen, die Rebellion zu unterstützen und riegelten das Ralltiir-System ab. Damit beeinträchtigten Sie die Handelsaktivitäten entlang der Perlemianischen Handelsroute erheblich.“

Ich hielt kurz inne.

„Was hat das Ganze mit ihrem Verdacht zu tun, dass die Organas die Rebellion unterstützen?“

„Prinzessin Leia Organa befand sich damals auf einer Gnadenmission und bat darum, Lebensmittel und Medikamente für die notleidende Bevölkerung Ralltiirs liefern zu dürfen. Was ich ihr gestattet habe. Aber der eigentliche Zweck ihrer Mission bestand darin, die auf Ralltiir operierenden antiimperialen Widerstandszellen mit Waffen und weiterer militärischer Ausrüstung zu versorgen.“

„Warum haben Sie sie nicht festgenommen?“, fragte ich.

„Prinzessin Leia ist uns entkommen und wir hatten keinen Beweis mehr gegen Sie in der Hand.“

Oh-ha …

„Agent Kips und Assistent Tinosso sind bereits vor zwei Tagen eingetroffen und haben sofort mit den Ermittlungen begonnen“, sagte Königin Breha. „Sie können sich ihnen jederzeit anschließen. Genießen Sie während ihres Aufenthalts bitte unsere Gastfreundschaft in all ihren Facetten.“

Königin Breha war eine mittelalte, hochgewachsene Frau, jeder Zoll eine Königin, die sich perfekt auf Diplomatie verstand. Sie hinterließ einen starken ersten Eindruck und es wunderte mich nicht, dass sie von ihrem Volk hingebungsvoll verehrt, ja geliebt wurde. Eine Frau, die verstanden hatte, dass gute Öffentlichkeitsarbeit die Regierungsarbeit erheblich erleichterte.

„Ich danke Ihnen, Königin Breha“, sagte Vader und deutete ein leichtes Neigen des Kopfes an.

Auch der dunkle Lord konnte ein perfekter Diplomat sein, wenn er nur wollte.

„Meine Adjutanten und ich werden Agent Kips kontaktieren und uns in den Fall einarbeiten. Ich wäre erfreut, wenn Sie Unterbringungsmöglichkeiten für sie finden würden, ich selbst werde mich hingegen später zurück zur Executor begeben und mit Ihrem Einverständnis ein paar Manöver in der Nähe Alderaans durchführen.“

Breha neigte ebenfalls den Kopf.

„Wie Ihr wünscht, mein Lord.“

„Warum musstest du sie unbedingt zum Abendessen einladen?“, fragte Bail Organa ungehalten.

„Es handelt sich nur um ein rein privates, zwangloses Abendessen“, entgegnete Breha. „Außerdem würde es nur ihren Verdacht erregen, wenn wir die berühmte alderaanische Gastfreundschaft ihnen gegenüber vergessen würden. Leia wird an diesem Treffen ebenfalls teilnehmen.“

„Was?“, rief Bail aufgebracht. „Jetzt willst du unsere Tochter mit diesem Monster zusammenbringen?“

„Vader nimmt nicht teil“, sagte Breha. „Und wie bereits dargelegt, würde es sie misstrauisch machen, wenn die Prinzessin nicht erscheint.“

„Wir könnten behaupten, dass sie krank ist“, entgegnete Bail. „Ist dir nicht aufgefallen, dass diese Frau in Vaders Begleitung ein Lichtschwert trägt? Ein Jedi wird sie wohl kaum sein!

„Adjutant Kilian?“, fragte Breha. „Ja, das ist mir aufgefallen. Wäre sie seine Schülerin, ein Inquisitor oder eine Hand, dann hätte er sie als solche vorgestellt.“

Bail starrte grübelnd vor sich hin.

„Ich hoffe, dass du dich diesmal nicht irrst, Breha. Ich hoffe es aufrichtig …“

Nach dem Gespräch mit der Königin stiegen wir in unsere Fähre und flogen zum Fundort der Leiche, der sich im Südlichen Wildtierreservat befand.

„Ganz schön weit weg vom Palast der Organas“, meinte Kommandant Praji.

Wie weit konnte man daran ermessen, dass wir uns, als wir wieder ausstiegen, in einer anderen Vegetations- und Klimazone befanden: es war nicht nur deutlich milder, sondern es regnete auch in Strömen … Unsere Piloten parkten neben anderen Fähren und Fluggleitern, die entweder das Wappen Alderaans oder das Hoheitszeichen des Imperiums trugen. Anschließend führte uns ein halbstündiger Fußmarsch durch einen dichten Wald, bis wir auf die Ermittlungsbeamten Alderaans und der imperialen Militärpolizei stießen. Wer in Begleitung Darth Vaders kam, musste nicht hinter Absperrungen zurückbleiben, so dass wir ungehindert den Tatort erreichten.

Die Leiche Commodore Tions lag in einer nur schwer einsehbaren Senke und ich begann mich über den guten Erhaltungszustand zu wundern und auch darüber, dass man uns den Tatort kontaminieren ließ. Dann erst fielen mir die Holoemitter auf, die rund um die Senke verteilt waren. Sie versuchten also, am Originalschauplatz die Tat mit Hologrammen nachzustellen, um den Verlauf zu rekonstruieren.

„Agent Kips“, sagte Vader zu dem hochgewachsenen, grauhaarigen Ermittler, der offenbar gerade damit beschäftigt war, den Tatort auf sich wirken zu lassen. „Haben Sie schon erste Erkenntnisse gewonnen?“

„Ja, Herr“, sagte Kips ohne den Kopf zu wenden oder zu neigen. „Das hier ist lediglich der Fundort der Leiche. Commodore Tion wurde woanders getötet.“

„Was bringt Sie zu dieser Einschätzung?“

Die Frage war berechtigt. Nach den uns vorliegenden Aussagen war Bail Organa hier mit Commodore Tion und ein paar Freunden auf der Jagd gewesen, wobei sie den Commodore aus den Augen verloren hatten. Trotz einer sofort eingeleiteten Suche fanden sie nur noch den leblosen Körper Tions.

„In dieser Region regnet es seit Wochen fast ununterbrochen, was bis zum Eintreffen der alderaanischen Ermittler sämtliche verwertbaren Spuren fortgespült und die Feststellung eines genauen Todeszeitpunkts unmöglich gemacht hat. Außerdem stimmt die Lage der Leiche nicht mit den Totenflecken überein und beides passt nicht zur Auffindesituation.“

„Wie ist er gestorben?“, fragte ich.

Ich hatte mich auf der Reise hierher hauptsächlich mit Alderaan und der Organa-Familie befasst und wusste deshalb nicht wesentlich mehr, als dass Commodore Tion bei einer Jagd getötet worden war.

„Er ist erschossen worden“, entgegnete Kips nach einem kurzen Seitenblick zu Vader. „Mit einem Blaster, wie ihn viele imperiale Offiziere als Seitenwaffe tragen. Im Augenblick nehmen wir an, dass der Commodore mit seiner eigenen Waffe getötet wurde.“

„Haben Sie nachprüfen lassen, wo sich die Teilnehmer der Jagd zu diesen Zeitpunkt aufgehalten haben?“, fragte Vader.

„Darum kümmert sich gerade mein Team“, entgegnete Kips.

„Gut“, sagte Vader. „Informieren Sie mich oder meinen Adjutanten, sobald Sie über neue Erkenntnisse verfügen.“

„Haben Sie schon etwas herausgefunden?“

Assistent Tinosso sah auf und schüttelte den Kopf.

„Die ComLinks der Organas und ihrer Freunde wurden zum fraglichen Zeitpunkt hier geortet.“

„Auch der von Commodore Tion?“

„Jep“, bestätigte Tinosso und konzentrierte sich wieder auf seinen Bildschirm.

Auf jedem entwickelten Planeten wurde die Telekommunikation engmaschig überwacht. Die technische Infrastruktur für die Kommunikation mittels ComLink funktionierte im Prinzip nicht anders als die für Handys und Smartphones in meiner Heimatwelt: überall auf der Oberfläche verteilt befanden sich Antennen- und Sendeanlagen, in die die Geräte sich automatisch einwählten, sobald sie sich in deren Empfangsbereich befanden. Somit wusste der Computer, wo sich jeder ComLink befand und konnte eine Verbindung zwischen ihnen herstellen. Natürlich wurde so etwas aufgezeichnet, um Bewegungs- und Kommunikationsprofile erstellen zu können, sollte es sich als notwendig erweisen. Die Sache hatte nur einen Haken: Kameras zur optischen Überwachung gab es nur in den großen Städten oder sonstigen neuralgischen Punkten.

Tinossos Nachforschungen sagten deshalb lediglich aus, dass sich die ComLinks Bail Organas, seiner Freunde und Commodore Tions hier befunden hatten, ihr Aufenthalt konnte hingegen nicht verifiziert werden.

„Glauben Sie, dass die Organas und ihre Freunde tatsächlich hier waren?“

Tinosso hob in einer Geste der Ratlosigkeit die Achseln.

„Das weiß ich nicht. Aber eine Reitjagd im Dauerregen, die man trotzdem nicht absagen wollte – lachhaft!“

Ich stimmte dem jungen Agenten in Gedanken zu. Das war in der Tat wenig glaubhaft …

„Haben Sie und Agent Kips eigentlich schon herausgefunden, wer Lars Quell ist?“, fragte ich übergangslos.

Tinosso hielt einen Augenblick inne.

„Nein“, sagte er und warf mir einen nur schwer deutbaren Blick zu. „Kips war der Ansicht, dass wir die Finger davon lassen sollen und es ist meistens gesünder, genau das zu tun, was er sagt. Nicht nur wegen der Kopfnüsse, die er bei Zuwiderhandlung austeilt.“

„Sie beide gehen heute Abend zusammen mit Kilian zu dem informellen Abendessen, das Königin Breha für uns gibt“, bestimmte Vader. „Kilian wird mich entschuldigen, offiziell führe ich mit der Todesschwadron ein paar Manöver durch.“

Kommandant Praji und Kommandant Jir nickten.

„Ja, Sir.“

„Und inoffiziell?“, fragte ich.

„Ich werde mich in der Umgebung umsehen. Hier stimmt etwas nicht, die Macht wird mich leiten.“

Vader schwieg kurz.

„Es kann ein paar Tage dauern. Nutzen Sie solange die Gastfreundschaft der Königin.“

Wir sollten uns also umsehen, Gespräche mit der Familie der Königin und ihren Bediensteten führen und darauf hoffen, dass irgend jemand sich verplapperte …

„Besonders ergiebig war das Abendessen mit den Organas ja nicht“, sagte ich und ließ mich in einen der bequemen Sessel fallen, die in den Aufenthaltsräumen des Aldea-Palastes einladend herumstanden.

Natürlich gingen wir davon aus, dass wir hier abgehört wurden, unser Austausch sollte ganz bewusst eine Botschaft an die Organa-Familie senden.

„Bail Organa und seine Tochter waren ungewöhnlich schweigsam“, warf Praji ein, während er ein paar Schränke nach der Bar durchsuchte. „Vor allem wenn man bedenkt, dass sie beide Politiker sind.“

„Ich habe mich gefragt, ob die Prinzessin krank ist, so blass wie sie war“, sagte ich. „Gegessen hat sie fast nichts. Kein Wunder, dass sie so dünn ist.“

„Die andere, diese Winter, war dafür ja kein Kind von Traurigkeit.“

Jir grinste dreckig.

„Hast sie aber trotzdem stehen lassen.“

Praji hatte inzwischen die Bar gefunden und begann ein paar Drinks zu mixen.

„Winter ist ein Mündel der Organa-Familie. Vielleicht sogar mit ihnen verwandt“, sagte Jir. „So jemanden nehme ich doch nicht mit in meine Suite …“

Jir ging Gelegenheiten normalerweise nicht aus dem Weg. Andererseits war er nicht dumm und befand sich offenbar in dem Glauben, dass Winter sich die Kleidung vom Leib reißen und um Hilfe schreien würde, sobald sie mit ihm alleine war. Diese Annahme war nicht völlig von der Hand zu weisen und besaß das Potential für einen richtig schönen Skandal …

„Oh ihr Götter, ich dachte, dieses Abendessen würde nie enden!“

„Liebes“, sagte Breha und nahm ihre Tochter in den Arm. „Sie wissen nichts. Wir müssen ihnen nur weiterhin ein freundliches Gesicht zeigen und dürfen nichts von Relevanz verraten.“

Das Leben als Unterstützer und Geldgeber der Allianz zur Wiederherstellung der Republik war nicht immer einfach. Warum nur hatte Commodore Tion sie besuchen müssen? Närrin, schalt sich Breha sogleich. Er hatte um die Hand ihrer Tochter Leia angehalten und gleichzeitig Drohungen ausgesprochen. Normalerweise hätte das Haus Organa so ein Ansinnen durch ein unbedeutendes und armes Haus wie das von Tion rundweg abgelehnt, ja, Tion wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen, um die Hand der Prinzessin anzuhalten. Außerdem war Leia schon mit Prinz Isolder verlobt. So ein schönes Pärchen … Aber das Haus Tion wusste nicht nur von der Gnadenmission Leias auf Ralltiir, sondern Lord Tion hatte sie beim Schmuggeln von Waffen und militärischen Versorgungsgütern erwischt. Es war nur dem Wirken der Macht zu verdanken, dass Leia ihm hatte entkommen können, und jetzt versuchte das Haus Tion aus diesem Wissen Profit zu schlagen. Es wäre ja noch schöner, wenn sie ihre einzige Tochter Commodore Tion zu Frau gab …

„Sie züchten diese Pferde für die Jagd?“, fragte ich und betrachtete die Tiere im Paddock.

Ganz besonders angetan hatte es mir eine junge Grauschimmelstute, die mich aufmerksam beäugte.

„Das auch, aber nicht nur“, entgegnete der Stallmeister, der mich durch die Anlage führte.

Den Smalltalk hatte dieser Mann definitiv nicht erfunden … Ich stieg durch den Zaun und hielt mit jetzt im Inneren bei den Pferden auf, wurde von den Tieren neugierig gemustert. Ich streckte einladend den Arm aus.

„Komm“, sagte ich.

Die junge Grauschimmelstute setzte sich in Bewegung und näherte sich mir, schnupperte mit vorgestrecktem Hals und schnoberte zufrieden, als ich sie hinter den Ohren kraulte.

„Ja, du bist eine ganz liebe“, schmeichelte ich und kraulte sie am Widerrist.

Ich will dein Freund sein …

„Sie kennen sich aus mit Pferden?“, fragte der Stallmeister.

„Ja“, gab ich zu. „Reiten und der Umgang mit diesen Tieren ist ein sehr schönes Hobby.“

Ich ging um die junge Stute herum.

„Leider habe ich viel zu wenig Zeit, um ihm noch nachzugehen.“

Das war nicht ganz die Wahrheit. Ich hatte Jahre in dieser Welt gelebt bis ich herausfand, dass es hier auch Pferde gab … Nun ja, warum auch nicht? Es gab hier eine ganze Reihe von Tieren, die es auch in meiner Heimatwelt gab (plus noch ein paar Dutzend mehr, die sich auf die eine oder andere Weise von Menschen als Nutz- oder Schoßtiere aushalten und durchfüttern ließen). Ein teures Hobby für die Reichen und Schönen der Kernwelten und immer noch ein Arbeitstier auf den weniger entwickelten Welten der Äußeren Randes. Ein Gedanke nahm Form an.

„Was meinen Sie“, fragte ich. „Kann ich sie mir ausleihen und ein wenig ausreiten?“

„Können Sie denn reiten?“, fragte der Stallmeister. „Ich meine: gut genug? Das Gelände hier kann tückisch sein.“

„Ich denke schon“, sagte ich.

Reiten gehörte zu den Tätigkeiten, die man nie ganz vergaß, sobald man es einmal verinnerlicht hatte.

„Von mir aus“, sagte der Stallmeister und winkte einem jungen Burschen.

„Sattle das Pferd da für den Adjutanten Lord Vaders.“

Der junge Mann öffnete den Paddock und führte die Grauschimmelstute heraus.

„Aber denken Sie dran“, schärfte mir der Stallmeister ein. „Bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen. Es gibt den See entlang sehr schöne Reit- und Wanderwege.“

Praji, Jir und ich hatten den gesamten Morgen über den Palast der Organas besichtigt und dabei versucht, Informationen zu sammeln. Das war bestenfalls schwierig, wenn man stets einen Aufpasser dabei hatte, von dem man überall als „Adjutant Lord Vaders“, vorgestellt wurde. Also nein, der Morgen war in dieser Hinsicht nicht ergiebig gewesen. Praji und Jir hatten sich nach dem Mittagessen für einen Kneipenbummel und ich mich zu einer Besichtigung der Ställe entscheiden. Und auch hier: überall die Warnung ans Personal, verpackt als höfliche Vorstellung des Gastes. Doch dann wurde der Stallmeister weggerufen und ich blieb mit dem Stallburschen alleine.

„Ich möchte das Pferd gerne selbst satteln und aufzäumen“, sagte ich, als wir die Sattelkammer erreicht hatten.

„Wenn dies Ihr Wunsch ist“, entgegnete er und zeigte mir Sattel- und Zaumzeug meines Pferdes.

Ich machte mich ans Werk und wurde dabei kritisch von dem jungen Mann beäugt.

„Sie scheinen sich wirklich auszukennen“, urteilte er und nickte anerkennend, nachdem ich den Grauschimmel fertig zum Ausritt vorbereitet und auch nicht vergessen hatte, nochmals nachzugurten.

„Nicht so wie dieser Lord, der neulich da war und Angst vor Pferden hatte.“

Ich ließ mir nichts anmerken und lachte stattdessen schadenfroh. Angst vor Pferden, das war doch absurd …

„Wer war es denn?“, fragte ich. „Vielleicht kenne ich ihn.“

„Das weiß ich nicht“, sagte der junge Mann. „Es ist noch nicht lang her, aber er sprach wie jemand vom Äußeren Rand.“

Alderaan war eine wunderschöne Welt. Sie verfügte über eine abwechslungsreiche Topographie, eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt und war über weite Teile völlig naturbelassen. Alderaan lebte aber nur zum Teil vom Tourismus, die Industrie, die den Wohlstand dieser Welt und ihrer Bevölkerung erwirtschaftete, war schon immer auf andere, nicht ganz so ansprechende Planeten innerhalb des Systems ausgelagert worden.

Ich ließ mein Pferd laufen und die junge Stute zockelte flott den Reitweg entlang, der zum See hinab und um ihn herum führte. Himmel, wie lange war ich schon nicht mehr draußen gewesen, in freier Natur? Ilum. Das musste auf Ilum gewesen sein … Ich zügelte das Pferd und schwelgte in Erinnerungen. Die Ruinen des ehemaligen Jeditempels. Der Asharl-Panther und die Kristallhöhlen … Dagegen erschien mir der Reitweg um den See herum mit einem Mal langweilig, ja fast trostlos. In Aldea endete gerade der Winter und die Bäume reckten ihre immer noch kahlen Äste gen Himmel. Vorhin war ich an einer Abzweigung vorbeigeritten, die in die Berge führte, wo noch Schnee lag. Ich musste den Weg ja nicht bis zu seinem Ende verfolgen, konnte jederzeit umkehren.

Ich sah auf den ComLink. Noch drei Stunden Tageslicht. Carpie diem …

Aldea lag an einem See, eingebettet in hohe, schneebedeckte Berge. Ich folgte dem Reitweg in eines der Seitentäler und erreichte schnell die Schneegrenze. Die junge Stute schien den Weg zu kennen und schritt zügig aus. Dicht stehende, kahle Bäume säumten den schneebedecken Weg. Das dunkle Holz, der immer wieder durchscheinende blaue Himmel und der Schnee bildeten einen reizvollen Kontrast. Das war doch eine schöne Alternative …

Warum der Stallmeister wohl so erpicht darauf gewesen war, dass ich am See entlang ritt? Egal. Vermutlich gab es genug Leute, die sich auch auf kurzen Ausflügen in die Berge überschätzen und dann gerettet werden mussten.

Zwei rehähnliche Tiere mit dunkelrotem Fell und halbmondförmigen Hörnern flohen vor mir in weiten Sprüngen tiefer in den Wald hinein, ich sah aus den Augenwinkeln immer wieder Hörnchen mit buschigem Schweif die Baumstämme hinauf und herunterklettern und neugierig dahinter hervorlugen. Mein Pferd schien mit diesen Tieren vertraut zu sein und ließ sich von ihnen nicht beunruhigen. Gleiches galt für das Keckern eines Schwarms großer schwarzer Vögel, die an Raben erinnerten und die uns den ganzen Weg durch den Wald folgten.

Ein simpler Schlagbaum versperrte den Weg und ich umritt ihn. Vermutlich machten sie hier Holz …

Die Aussage des jungen Stallburschen über den kürzlichen Besucher vom Äußeren Rand, der sich vor Pferden fürchtete, war interessant. Sollte es sich dabei um Commodore Tion gehandelt haben (woran ich nicht zweifelte), dann konnte die Behauptung eines Jagdausfluges hoch zu Ross im Südlichen Wildtierreservat nur eine Lüge der Alderaani gewesen sein. Ich machte mir eine geistige Notiz, noch einmal bei Lord Tion vorzusprechen. Die Organa-Familie hatte irgendetwas zu verbergen. Aber was? Es war ja nicht so, dass das Imperium sie nicht schon längst im Auge hatte. Jedoch – wussten das die Organas oder glaubten sie sich unentdeckt?

Plötzlich scheute die junge Stute und blieb stehen. Ich sah mich um. Der Wald war hier lichter, aber was hatte das Tier so beunruhigt, das es nicht weitergehen wollte? Ich warf einen Blick auf den ComLink. Ich war eine gute Stunde geritten, es wurde langsam Zeit, umzukehren. Ich saß ab.

„Was ist denn?“, fragte ich und kraulte die weiche Nase des Pferdes.

Dann passierten drei Dinge gleichzeitig: die junge Stute streckte den Kopf in einer spontanen Zuneigungsbekundung nach vorne, ich wich zur Seite hin aus, damit sie mich nicht umwarf und exakt in diesem Augenblick schoss ein Blasterbolzen durch den Wald und traf das Pferd direkt in den Kopf. Die junge Stute war tot, bevor sie auf dem Boden aufschlug, wohingegen ich es gerade noch vermeiden konnte, unter ihren Körper zu geraten.

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich reagiert wie jeder andere Zivilist in so einer Situation auch und wäre erst mal dumm stehengeblieben, während mein Verstand noch versuchte zu begreifen, was geschehen war. Das hätte dem Scharfschützen im Wald jede Gelegenheit gegeben, mich doch noch zu erledigen … Stattdessen warf ich alles, was man anpeilen und dem man eine Drohne hinterher schicken konnte (also ComLink, PAD und Codezylinder) weg und rannte geduckt und im Zickzack auf den Wald zu.

„Gratuliere“, sagte Bail Organa und sah auf das tote Pferd hinab. „Sie haben soeben ein zwanzigtausend-Credits-Pferd erschossen.“

Der junge Soldat der alderaanischen Sicherheitskräfte sah sich genötigt, sich zu verteidigen.

„Aber Sir, ich konnte doch nicht …“

„Ich habe Ihnen befohlen, erst dann zu feuern, wenn Adjutant Kilian weiterreitet und Sie ein sicheres Schussfeld haben!“

Verärgert schüttelte Bail den Kopf.

„Sie hat auf ihren ComLink gesehen und wäre vermutlich umgekehrt. Stattdessen muss ich jetzt diesen Schlamassel aufräumen lassen!“

Der Alderaanische Geheimdienst hatte praktisch nichts über Adjutant Kilian herausgefunden, außer, dass sie plötzlich auf Coruscant aufgetaucht war und sich häufig in der unmittelbaren Nähe des dunklen Lords aufhielt.

„An was haben Sie gedacht, Sir?“, fragte der Offizier, der die Überwachungseinheit befehligte.

„Fassen Sie Kilian, betäuben Sie sie und lassen Sie sie liegen. Heute Nacht fallen die Temperaturen hier oben auf bis zu minus zwanzig Grad, bis morgen früh ist sie erfroren. Ich kümmere mich darum, dass der Kadaver des Pferdes spurlos verschwindet und morgen früh ein reiterloses Pferd im Gestüt auftaucht.“

Er brauchte nicht extra hinzuzufügen, dass es so aussehen sollte, als wäre Kilian vom Pferd gefallen und bewusstlos liegengeblieben …

„Aber wenn sie jemand vermisst? Ich meine, vor morgen früh?“

„Wer sollte sie vermissen? Die Kommandanten Praji und Jir haben eine ausgedehnte Kneipentour angetreten und Lord Vader ist zur Executor zurückgekehrt, um ein paar Manöver durchzuführen.“

Ich rannte durch den winterlichen Wald und verfluchte im Stillen den Schnee sowie meine schwarze Uniform. Es war merklich kühler geworden und von Zeit zu Zeit konnte ich einen Blick auf die rote Sonne Alderaans erhaschen, wie sie langsam hinter dem Horizont versank.

Zuerst hatte ich versucht, hangabwärts zu laufen, um wieder nach Aldea zu gelangen, war aber zweimal an einer Postenkette der alderaanischen Sicherheitskräfte gescheitert. Also entzog ich mich ihnen auf den einzigen Weg, den sie mir ließen – hangaufwärts und weiter ins Tal hinein. Mir war völlig bewusst, dass ich ihnen nicht auf Dauer würde entkommen können. Aber ohne das regelmäßige Training an Bord der Executor mit den Einheiten der 501. Legion hätten sie mich schon längst gefangen. Oder erschossen.

Keuchend und mit hämmernden Herzen blieb ich stehen. Nur einen Augenblick … Warum jagten sie mich eigentlich? Hatte sich auch Commodore Tion diese Frage gestellt, bevor man ihn getötet hatte? Die blaue Stunde kündigte die Nacht an, so dass ich nur noch langsam vorankam, wenn ich mir nicht die Beine oder den Hals brechen wollte.

Dann entdeckte ich einen Notausstieg oder Lüftungsschacht. Ich blieb stehen und lauschte, konnte meine Verfolger nicht mehr hören. Hatte ich sie abgehängt oder sie die Jagd aufgegeben? Ich umkreiste den Notausstieg (denn um einen solchen schien es sich zu handeln). Was mochte hier für eine Einrichtung verborgen sein? Würde ich da unten Hilfe finden? Zumindest konnte ich mich vor den Blicken meiner Verfolger verbergen …

Ich versuchte den Notausstieg zu öffnen, als ich damit keinen Erfolg hatte, löste ich das Lichtschwert vom Gürtel, zündete es und stieß die Klinge durch die Steuerungseinheit. Anschließend verbrannte ich mir fast die Finger, als ich versuchte, den Deckel anzuheben: auch Metall, das nicht glühte, konnte sehr heiß sein … Schließlich gelang es mir, in den Schacht einzusteigen und den Deckel hinter mir wieder zuzuziehen. In vollkommener Finsternis kletterte ich die Steigleiter nach unten, solange, bis ich schließlich festen Boden unter meinen Füssen spürte.

„Wir haben sie verloren“, sagte der Einsatzleiter.

Bail Organa ballte die Hand zur Faust. Musste denn alles schiefgehen?

„Sir?“, fragte der Einsatzleiter.

„Wir können jetzt nichts mehr tun. Es ist bereits zu dunkel und wir haben nicht die geeignete Ausrüstung dabei, sie aufzuspüren.“

Bail Organa nickte. Es bestand immer noch die Möglichkeit, dass sie die Nacht nicht überleben würde, allein, hier draußen …

Ich fand mich in einem langgezogenen, breiten Gang aus nur grob behauenden Wänden wieder, in dem verschiedene Container und Transportbehälter gestapelt waren. Die zu mir dringende Geräuschkulisse ließ auf ein Lager schließen, in dem gerade emsig gearbeitet wurde. Was für Geschäfte wurden hier getätigt, verborgen vor den Augen der Welt? War es das gewesen, das Commodore Tion das Leben gekostet hatte?

Eine schwere Hand senkte sich auf meine Schulter und ich machte mir vor Schreck fast in die Hose.

„Kilian.“

Vader. Wer sonst brachte es fertig, sich trotz Atemmaske so lautlos anzuschleichen?

„Was geht hier vor sich?“, fragte ich.

„Bail Organa und die Seinen lassen der Rebellenallianz Waffen, militärische Versorgungsgüter sowie Lebensmittel und Medikamente zukommen.“

Kein Wunder, dass sie mich durch den Wald gejagt hatten – sie fürchteten, dass ich ihr kleines, höchst illegales Unternehmen entdeckt hatte …

Vader kontaktierte die Avenger, die sich noch im Orbit befand und befahl Captain Needa, sowohl das Ermittlerteam als auch unsere Leute sofort an Bord zu holen. Während die Fähre unterwegs nach Adea war, kletterten Vader und ich wieder aus dem Notausstieg und liefen hangabwärts. Ich stolperte und rutschte mehr hinter Vader her, als dass ich lief, schließlich erreichten wir eine Lichtung, auf der uns die Fähre aufsammelte, nachdem sie unser Personal aus Aldea abgeholt hatte.

An Bord er Avenger okkupierte Vader sogleich einen Besprechungsraum.

„Kilian“, sagte er, als wir alleine waren. „Was glaubt Ihr, ist mit Commodore Tion geschehen?“

„Der Vater des Commodore, Lord Tion, hat herausgefunden, dass die Organas mit der Rebellenallianz paktieren und sie logistisch unterstützen. Er ist damit nicht zu uns gekommen, sondern hat versucht, daraus einen wie auch immer gearteten persönlichen Vorteil für sich oder seine Familie zu ziehen. Deshalb schickte er seinen Sohn, Commodore Tion. Vielleicht haben die Organas versucht, den Commodore auf ihre Seite zu ziehen, vielleicht konnte der Commodore über seine Beteiligung an Orson Krennics Geheimprojekt den Mund nicht halten. Irgendetwas ging schief und Commodore Tion wurde erschossen. Die Organas versuchen das Ganze zu vertuschen und als tragischen Jagdunfall darzustellen.“

Ja. So oder so ähnlich könnte es gewesen sein.

„Was schlagt Ihr vor?“, fragte Vader.

Dieses Ansinnen Vaders überraschte mich dann doch. Beseelt davon, Gutes zu tun und weil ich die Befragungsmethoden des ISB inzwischen kannte, sagte ich nicht:

„Bail Organa und Prinzessin Leia sind Unterstützer der Rebellion. Unterziehen wir sie einem strengen Verhör, vielleicht erfahren wir auf diese Weise den aktuellen Rebellenstandort oder das System, nach dem sie diesen wechseln. Königin Breha stellen wir einen Aufpasser zur Seite, der jeden ihrer Schritte überwacht. Nach einer gewissen Zeit des Wohlverhaltens und als Zeichen unseres guten Willens lassen wir die Prinzessin heimkehren, Bail Organa hingegen bleibt zur Erzwingung eben dieses Wohlverhaltens weiterhin in unserem Gewahrsam.“

Nein, stattdessen sagte ich:

„Commodore Tions Tod könnte auch einer Verkettung unglücklicher Umstände geschuldet sein. Beobachten wir die Aktivitäten Bail Organas und Prinzessin Leias weiterhin, über lang oder kurz werden sie uns zum Rebellenstandort führen. Gleichzeitig sollten wir einen dauerhaften Blick auf Lord Tion haben, da er familiäre Interessen über die des Imperiums gestellt hat.“

„Sie wollten Euch töten“, sagte Vader.

„Sie haben aber nicht“, entgegnete ich.

Vader sah lange mit schräg gelegtem Kopf ins Nichts. Schließlich sagte er:

„So sei es.“

Und das Verhängnis nahm seinen Lauf.

In späteren Jahren sollte ich mich hin und wieder fragen, ob eine andere Entscheidung meinerseits an diesem Tag die Vernichtung Alderaans hätte verhindern können …